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Goldpreis steigt : Gelungener Jahresauftakt für Gold

Arbeiter in einer Goldmine in Südafrika. Bild: Reuters

Seit Mitte Dezember ist der Goldpreis deutlich gestiegen. Politische Konflikte schüren die Preisphantasie – aber so einiges spricht dagegen.

          Der Jahreswechsel scheint Gold gut gelungen zu sein. Seit Mitte Dezember ist der Preis des Edelmetalls zeitweise um bis zu 7 Prozent gestiegen. Am Montag kostete die Feinunze (31,1 Gramm) Gold rund 1320 Dollar. Damit liegen die Notierungen auch in diesem Jahr im Plus. Nicht nur im Internet kursiert denn auch schon die Frage, ob nun der Bullenmarkt zurück sei.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die jüngste Kursbewegung ist eindrucksvoll. Als Gründe für den steigenden Preis gelten die Kursentwicklung des Dollars, aufkeimende Inflationssorgen, aber vor allem spekulative Investoren. Nach Daten der amerikanischen Behörde CFTC hätten spekulative Finanzanleger ihre Netto-Long-Positionen auf Gold, mit denen sie auf steigende Preise setzen, in den drei Wochen bis zum 2. Januar fast verdoppelt, heißt es von der Commerzbank. Damit habe sich aber auch schon wieder Korrekturpotential aufgebaut. Sollten die Marktteilnehmer ihren hohen Risikoappetit beibehalten und zum Beispiel die Aktienmärkte ihren Höhenflug fortsetzen, könnte es durchaus zu Gewinnmitnahmen kommen.

          Doch Gold war im vergangenen Jahr auch schon teurer als derzeit. Anfang September kostete die Feinunze bis zu 1360 Dollar, als der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un mehrere Atomtests befohlen hatte und der Atomstreit zwischen dem asiatischen Land und Amerika eskalierte. Denn Gold gilt seit jeher als sicherer Hafen in turbulenten, unsicheren Zeiten und als perfekter Schutz gegen Inflation. Das Hoch im Herbst war der höchste Preis seit August 2016. Für 2017 ergibt sich ein Anstieg um 13 Prozent, durch die Stärke des Euros wird aus europäischer Sicht daraus sogar ein kleines Minus.

          „Der jüngste Aufwärtstrend bei Gold wird sich fortsetzen“, sagt Frank Schallenberger, Leiter der Rohstoffanalyse der LBBW. Denn die geopolitischen Risiken stünden auch im Jahr 2018 auf der Agenda ganz oben. Schallenberger nennt Stichworte wie Trump, Iran, Nordkorea. Gold stelle unverändert eine gute „Versicherung“ für jedes Portfolio dar. Schon im Jahr 2017 hätten die Anleger wieder Geschmack am gelben Edelmetall gefunden, allein die Bestände der ETF, der Goldfonds, seien auf der ganzen Welt im vergangenen Jahr um 10 Prozent gestiegen.

          Gold erbringt keine Zinsen

          Die Deutsche Börse vermeldete zudem erst vor wenigen Tagen einen Rekord für das mit physischem Gold unterlegte Xetra-Gold. Dieser Trend werde sich in diesem Jahr fortsetzen, ist sich der LBBW-Analyst sicher. Denn Anleihen seien zudem aufgrund der niedrigen Zinsen unattraktiv und die Aktienkurse schon relativ weit gestiegen. Der Goldpreis hingegen liege weiterhin auf moderatem Niveau.

          Was zudem für Gold spricht: Die Realzinsen in den wichtigsten Währungsräumen seien niedrig oder negativ, sagt Schallenberger. Daher blieben Opportunitätskosten beim Kauf von Gold trotz Zinserhöhungen in den Vereinigten Statten sehr niedrig. Denn Gold erbringt keine Zinsen; verwahrt man seine Schätze zudem zum Beispiel in einem Banktresor, fallen auch darüber hinaus Kosten an. Ein weiterer für ihn wichtiger Aspekt ist, dass die Goldnachfrage in Indien und China weiterhin Nachholbedarf hat. Die LBBW ist einer Umfrage dieser Zeitung unter 21 Kreditinstituten, Fondsgesellschaften und Versicherern zufolge gleichwohl besonders optimistisch und erwartet zur Mitte wie auch zum Ende des Jahres einen Preis von 1400 Dollar je Feinunze, was einem Anstieg von 6 Prozent gleichkäme.

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