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Edelmetalle : Commerzbank rechnet 2018 mit steigendem Goldpreis

Illegale Goldsuche in Südafrika Bild: dpa

In diesem Jahr ist Gold in Dollar gerechnet teurer, in Euro günstiger geworden. Dabei hatte 2017 so verheißungsvoll begonnen. Minenaktien bereiten wenig Freude.

          3 Min.

          Nach einer zuletzt eher mäßigen Entwicklung könnte der Goldpreis im nächsten Jahr wieder steigen. Das jedenfalls erwarten die Rohstoff-Analysten der Commerzbank, die unter dem Titel „Gold gibt den Takt an“ einen für Edelmetalle vergleichsweise zuversichtlichen Jahresausblick gegeben haben. Obwohl die Bank für das kommende Jahr mit drei Zinsschritten der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) rechnet und steigende Zinsen oft tendenziell eher schlecht für den Preis des unverzinsten Goldes sind, sieht Rohstoff-Analyst Eugen Weinberg den Goldpreis zum Jahresende 2018 bei 1350 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Das wären immerhin rund 100 Dollar mehr als derzeit. Im Mittelwert (Median) rechnen Deutschlands Bankanalysten laut Bloomberg für das nächste Jahr nur mit einem Goldpreis von 1263 Dollar, für das Jahresende im Schnitt mit 1250 Dollar.

          Steigende Goldpreise im neuen Jahr wären eine Trendumkehr zu den vergangenen Monaten. Das Jahr 2017 hatte zwar sehr verheißungsvoll für Goldanleger begonnen. Gleich in den ersten Tagen des Jahres war der Goldpreis spürbar gestiegen, das hatte für einige Aufmerksamkeit gesorgt. Auch die ersten acht Monate des Jahres waren noch gut für den Goldpreis gewesen: Anfang September kostete Gold knapp 1360 Dollar je Feinunze. Seither aber ging es in Wellen bergab. Stand heute würde Gold in Dollar gerechnet noch einen Jahresgewinn von 9 Prozent ausweisen, in Euro gerechnet allerdings schon einen Preisrückgang um 3 Prozent.

          Verschiedene Faktoren

          In einer Umfrage unter 21 Banken für diese Zeitung Ende 2016 hatten die Analysten durchschnittlich einen Preisanstieg um 5 Prozent vorhergesagt; das wurde in Dollar gerechnet also bis jetzt übertroffen. Die kühnste Prognose hatte damals die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) abgegeben, die mit 1450 Dollar zum Ende dieses Jahres rechnete. Die Commerzbank führt für ihre Prognose eines höheren Goldpreises trotz steigender amerikanischer Leitzinsen im kommenden Jahr vor allem drei Argumente an: Sie rechnet das ganze Jahr über mit hoher politischer Unsicherheit, zudem mit weiter negativen Realzinsen vor allem in Europa – und mit einer steigenden Nachfrage nach physischem Gold.

          Als Faktoren der politischen Unsicherheit nennen die Analysten nur am Rande die Regierungsbildung in Deutschland, mögliche Wahlen in Italien im Frühjahr und den Fortgang der Abspaltungstendenzen in Katalonien. Der Nordkorea-Konflikt und die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten könnten das ganze Jahr über erhalten bleiben. Das Thema Brexit könnte im Jahresverlauf an Brisanz gewinnen, wenn die Verhandlungen schwierig würden.

          „Zudem ist kaum davon auszugehen, dass das zweite Jahr der Präsidentschaft von Donald Trump in Amerika wesentlich ruhiger verlaufen wird“, schreiben die Analysten. Zugleich dürften vor allem in Europa die Zinsen niedriger bleiben als die Inflation, was die Goldanlage begünstige. Für die Nachfrage nach physischem Gold gelte: Der Dämpfer für die Nachfrage nach Goldschmuck in diesem Jahr, der vor allem durch eine neue Steuer in Indien bedingt war, sei offenbar so langsam vorbei: „Das spricht bei weiter steigender Nachfrage nach Münzen und Barren für einen Anstieg der gesamten Konsumenten-Nachfrage“, meint Weinberg. Auch die Gold-ETF dürften 2018 wieder Nettozuflüsse verzeichnen; vieles spreche auch dafür, dass die Zentralbanken, unter anderem in Russland und der Türkei, Netto-Gold-Käufer blieben.

          Schlechte Aussichten

          Wenig Grund zur Freude haben die Besitzer von Gold- und Silberminenaktien. Während viele breit aufgestellte Aktienindizes wie der Dow Jones, der Dax oder der F.A.Z.-Index von einem historischen Höchststand zum nächsten eilten, bleibt die Tristesse der Begleiter vieler Investoren in Minenaktien. Dies belegt ein Blick auf den HUI-Index, der die Aktien von 20 bedeutenden Förderunternehmen abbildet. Der HUI hatte Ende 2010 einen historischen Höchststand von 573 Punkten erzielt, ehe er zusammen mit dem Goldpreis in eine schwere Baisse geriet. Ende September 2015 hatte der HUI mit 108 Punkten einen langjährigen Tiefststand erreicht. Seitdem hat er sich auf rund 178 Punkte verbessert, aber gegenüber seinem Hoch von Ende 2010 bleibt ein Verlust von mehr als zwei Drittel.

          Dabei hat sich für viele Förderunternehmen ein Teil des Umfelds erheblich verbessert. Viele Analysten erwarten steigende Einnahmen in den nächsten Jahren und die niedrigen Zinsen helfen, die oft nicht geringe Fremdfinanzierung zu stemmen. Das Kurspotential vieler Unternehmen, und dies gilt auch für die Branchenriesen aus dem HUI, leidet allerdings unter der Vermutung, dass in den nächsten Jahren die Förderung immer schwieriger und teurer wird, weil der Anteil der billig auszubeutenden Minen abnimmt und die Erschließung und die spätere Ausbeutung neuer Fundstätten teurer wird.

          Daher wäre ein steigender Goldpreis für die Förderunternehmen sehr wichtig, aber nur wenige Marktteilnehmer erwarten für die kommenden Jahre eine sehr spürbare Verteuerung von Gold und Silber. Die Zurückhaltung der Analysten zeigt ein Blick auf den Marktführer Barrick Gold: Hier liegen zwar 8 Kaufempfehlungen für die Aktie vor, aber neben 3 Verkaufsempfehlungen auch 16 Empfehlungen, die Aktie zu halten. Nach aller Erfahrung verbirgt sich hinter Halte-Empfehlungen von Analysten nicht selten die Überzeugung, die Aussichten einer Aktie seien nicht besonders.

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