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Gemeinsam mit Klima-Denkfabrik : Goldman Sachs lanciert Nachhaltigkeits-Indizes

Das Goldman-Sachs-Logo Bild: Reuters

Die amerikanische Investmentbank hat sich dafür die Londoner NGO CDP ins Boot geholt. Doch unter den Werten sind auch Unternehmen, die auf den ersten Blick nicht besonders „grün“ daherkommen.

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          Auf dem Markt für nachhaltige Aktiengeschäfte ist trotz zahlreicher neuer Angebote in den vergangenen Monaten weiter keine Sättigung in Sicht. Am Mittwoch verkündete nun auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs, an der Mehrländerbörse Euronext zwei neue Nachhaltigkeits-Indizes aufzulegen: den Euronext CDP Environment World EW für den Handel in Amerika, Kanada und Europa sowie den Euronext CDP Environment Eurozone EW für den europäischen Raum. Die Indizes konzentrieren sich auf Klimawandel, Wassersicherheit und Abholzung.

          Jessica von Blazekovic
          Redakteurin in der Wirtschaft.
          Antonia Mannweiler
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Grundlage für die Auswahl der insgesamt 77 gelisteten Werte ist ein Bewertungssystem der Londoner Klimaschutz-Denkfabrik CDP, die eine Datenbank mit Umweltinformationen über Unternehmen verwaltet. Einmal jährlich sammelt die Non-Profit-Organisation Daten von Unternehmen auf der ganzen Welt hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsbemühungen für Wassersicherheit und im Schutz von Klima und Wäldern. Im Jahr 2018 nahmen mehr als 7000 Konzerne an der Befragung teil und wurden anhand ihrer freiwilligen Angaben mit Noten von A bis F bewertet. In die Note fließt zum Beispiel ein, wie transparent ein Unternehmen ist. Bewertet wird auch, wie stark die Vorstandsebene angehalten ist, das Thema Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. CDP hat sich dabei auf Umweltthemen spezialisiert – soziale Aspekte wie etwa die Einhaltung von Menschenrechten werden nicht abgefragt.

          Die neuen Indizes dienen als Basiswert für den Verkauf von strukturierten Finanzprodukten und reihen sich in eine Palette von schon existierenden nachhaltigen Indizes ein. So gibt es beispielsweise den MSCI World Sustainability Index oder den Dow Jones Sustainability World Index (DJSWI), der schon vor 20 Jahren lanciert wurde. Doch bislang fehlen einheitliche Kriterien, wie Nachhaltigkeit in der Fondsbranche definiert wird. So legen Fondsanbieter selbst fest, wie sie Nachhaltigkeit interpretieren.

          Kleinere Unternehmen werden benachteiligt

          Wie bei der Auswahl der Werte des DJSWI geht Goldman Sachs dabei nach einem nicht ganz unkritischen Ansatz vor, dem sogenannten „Best-In-Class-Prinzip“. Dadurch werden in diesem Fall jene Unternehmen in das Portfolio aufgenommen, die mit Bezug auf die Kriterien Klimaschutz, Wassersicherheit und Schutz der Wälder führend in ihrer Branche sind. Zwar filtert diese Methode die jeweils nachhaltigsten Unternehmen heraus. Dabei wird jedoch kein Sektor ausgeschlossen. So erklärt sich, dass sich in dem Portfolio auch Unternehmen wie der Mineralölkonzern Total, der Konsumgüterriese Unilever und der Flugzeughersteller Boeing finden. Das Prinzip steht unter dem Verdacht, „Greenwashing“ zu fördern, Unternehmen also grüner darzustellen, als sie in Wirklichkeit sind. Ingo Speich von der Deka sagte, dass solch ein Ansatz allein betrachtet unzureichend sei, wenn Anleger wirklich nachhaltig anlegen wollten.

          Laurent Babikian von CDP Europe sieht das anders: „Wir können die Ziele des Pariser Klimaabkommens nur erreichen, wenn sich auch die Öl- und Gasindustrie bewegt. Deshalb wäre es falsch, die Branche komplett vom Handel auszuschließen“, sagte er. Und Marine Abiad von Goldman Sachs meinte: „Wir können nicht von jedem Einzelnen erwarten, dass er sein Verhalten ändert. Aber wir können mit Hilfe des Finanzsektors versuchen, die Billionen von Dollar am Markt in tugendhafte Unternehmungen umzulenken.“ Die neuen Indizes bewerteten deshalb nicht, wie umweltschädlich das Geschäft eines Unternehmens sei, sondern was das Unternehmen dafür tue, um seine Aktivitäten umweltfreundlicher zu gestalten.

          In den Nachhaltigkeits-Indizes sieht Nicolas Jacob, Leiter der Nachhaltigkeits-Abteilung bei Oddo BHF Asset Management, mehrere Schwierigkeiten. So gebe es keinen repräsentativen Vergleichsindex – eine Benchmark. Dadurch finde man unter Umständen 90 Prozent aller Namen von Unternehmen in einem nichtnachhaltigen Index auch in einem nachhaltigen Index. Hinzu komme, dass externe Datenlieferanten für ESG-Kriterien kleine oder mittelgroße Unternehmen in der Bewertung vernachlässigten. „Es gibt kein Problem, Informationen von großen Unternehmen zu ihren Klimazielen zu erhalten“, sagt Jacob. Kleinere Unternehmen könnten hingegen nicht auf die gleichen Ressourcen zurückgreifen. Deswegen sei der Dialog so wichtig, konstatiert Jacob und fügt hinzu, dass die Implementierung der Nachhaltigkeit ein langer und komplexer Prozess sei.

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