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Goldpreis : Die Krisenwährung ist im Aufwärtstrend

  • -Aktualisiert am

Angesichts niedriger Leitzinsen bleibt der Goldpreis auf einem hohen Niveau - wie attraktiv ist Gold für Anleger? Bild: dpa

Der Preis der Feinunze Gold wird in Euro bald neue Rekorde aufstellen und weiter ansteigen. Die Technische Analyse.

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          Kaum ein Stoff hat die Menschen in den letzten Jahrtausenden mehr in den Bann gezogen. Um und fürs liebe Gold wurden Kriege geführt und unendliche viele Menschen ließen für das gelbe Metall ihr Leben. Aus 10 Gramm Gold kann man einen 25 km langen Faden „spinnen“. Die Bundesbank verfügt über rund 3400 Tonnen; mehr haben nur die Vereinigten Staaten mit rund 8100 Tonnen.

          Etwa 170.000 Tonnen wurden zusammengenommen bis heute weltweit gefördert, eine Menge, die bei gegebener Dichte in einen Würfel mit 20 Meter Kantenlänge passt. Zu einem Marktpreis von derzeit rund 1530 Dollar, hat alles Gold der Welt derzeit einen Marktpreis von rund 8,5 Billionen Dollar. Das ist viel, aber, Stand 2014, nur ungefähr ein Zwanzigstel des Volumens der weltweiten Anleihemärkte. Dennoch gibt es wohl keine Asset-Klasse, denen Anlegern aller Art zu allen Zeiten mehr Aufmerksamkeit geschenkt haben. Ich kenne jedenfalls so gut wie keinen, der sich der Faszination von Gold entziehen könnte.

          Nicht zuletzt auch befeuert durch die diversen bekannten, tatsächlichen und befürchteten Krisen, konnte der Goldpreis in den letzten Monaten massiv zulegen. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus in der Spitze rund 270 Dollar beziehungsweise rund 20 Prozent. Noch spannender ist aber, was sich dabei aus analytischer Sicht zugetragen hat: Der Goldpreis konnte die massive Widerstandszone zwischen rund 1370 und 1380 Dollar überwinden.

          Seit dem Sommer 2013 hatte er sich fast sechs Jahre unterhalb dieses Niveaus aufgehalten. In den Jahren 2016 und 2018 war er beispielsweise jeweils mehrfach gegen diese Barriere gestoßen und war immer wieder aufs Neue abgewiesen worden. Der Ausbruch über 1380 Dollar darf deshalb als Abschluss einer langfristigen Bodenbildung gesehen werden. Fast immer, wenn es einem Chart gelingt, die extreme Abgabeneigung rund um ein solch kritisches Niveau komplett abzubauen, darf mit einer langfristigen Trendwende gerechnet werden, der in ungefähr 8 von 10 Fällen weitere massive Zugewinne folgen.

          Genau dies ist auch seit dem Ausbruch Mitte Juni geschehen. Der Goldpreis wurde damit auch meiner Prognose vom Februar diesen Jahres gerecht. Aber wie immer gilt: Das ist der Schnee von vorgestern. Viel wichtiger ist die Frage, wie es weiter geht. Die Antwort kann bei einem Chart dieser Preisklasse und dessen mittel- bis langfristigen Technik nur lauten: weiter nach oben.

          Als nächstes Ziel bietet sich der Widerstand bei 1640 Dollar an – und ich bin mir alles andere als sicher, ob dort einst das Ende der Fahnenstange erreicht sein wird. Ein kleines „Aber“: Der Schluck aus der Pulle in den letzten 12 Wochen war schon ein richtig großer. Weil typischerweise der eine oder andere Marktteilnehmer nach solchen Anstiegen der Versuchung erliegt, zumindest einen Teil seiner Gewinne einzufahren, treten solche Charts oft erst einmal auf der Stelle.

          Dazu passt gut, dass wesentliche kurzfristige technische Instrumente nahelegen, dass die Luft für den Goldpreis für die nächsten Wochen etwas dünner geworden ist und er es erst einmal langsamer als zuletzt angehen lassen dürfte. Schließlich ist auch der Widerstand rund um das erreichte Niveau bei 1540 -Dollar alles andere als von schlechten Eltern. Aber ganz ohne Zweifel gilt: Die Wahrscheinlichkeit, dass daraus eine nachhaltige obere Trendwende erwachsen könnte, notiert nahe null.

          Besonders viel Beachtung dürfte gerade hierzulande der zweite abgebildete Chart finden. Er zeigt die Goldnotiz in Euro. Dank der Euroschwäche des letzten Jahres ist seine Entwicklung signifikant weiter fortgeschritten als die beim Dollar-Chart. Er notiert mittlerweile im Bereich seiner bisherigen historischen Bestmarken aus dem Jahr 2012 bei 1380 Euro. Auch für diesen Chart kann gelten, dass ihn die rund um die bisherigen Hochs zu erwartende Abgabebereitschaft erst einmal ein wenig bremsen dürfte. Zur Umkehr wird er ihn aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zwingen können. Ob es unsere wohl weiter schwache Heimatwährung sein wird, ein weiter steigender Goldpreis auf Dollar-Basis oder beides: Ich rechne für die Euronotiz dezidiert mit neuen Rekordhochs. Eine analytisch saubere Ableitung, wie weit die Reise gehen kann, ist traditionell in bislang nie erreichten Höhen kein gar so leichtes Unterfangen. Niveaus um 1500 Euro sollten aber schon ganz gut im Bereich des Möglichen liegen.

          Ein Blick auf die Goldminenaktien: Auch deren wahrscheinlich wichtigstes und bekanntestes Barometer, der NYSE Arca Gold Bugs Index, wurde meiner zuversichtlichen Einschätzung gerecht. Er legte in den letzten drei Monaten zum fast 60 Prozent zu. Es darf als ziemlich wahrscheinlich angesehen werden, dass auch er seine Rallye fortsetzen und sich dem Ziel von 280 Punkten (aktuell rund 235 Punkte) in der überschaubaren Zukunft wenigstens annähern wird.

          Wenn Gold und Gold-Aktien scheinbar weiter steigen: Schlittert die Welt dann tiefer in den Krisenmodus hinein? Das muss ganz und gar nicht sein. Gold gilt zwar als Krisenmetall. Aber nicht immer, wenn es in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist, war auch Krise. Es ist gut denkbar, dass Gold auch dieses Mal krisenfrei steigt. Schließlich könnten auch negative Zinsen ein guter Grund sein, sich Gold zuzulegen. Allerdings sind vielleicht genau die wieder ein Krisenhinweis. Es gelten mal wieder des Kaisers Worte: Schaun mer mal!

          Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

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