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Aktienrückkäufe steigen : Der Aktienmarkt schrumpft

  • Aktualisiert am

Broker an der New York Stock Exchange Bild: AP

Die Unternehmen kaufen mehr eigene Aktien zurück als neue an die Börse kommen. Der Unterschied ist so groß wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Das hat mehrere Gründe.

          Der globale Aktienmarkt schrumpft so schnell wie seit mindestens zwei Jahrzehnten nicht mehr. Der Grund: Eine Welle von Aktienrückkäufen. Dieses Volumen ist größer als die neu an die Börse gebrachten Unternehmensanteile, berichtet die Financial Times.

          Die amerikanischen Unternehmen sind dank der Ertragssteigerung durch Steuersenkungen und der robusten Konjunktur besonders aktive Käufer ihrer eigenen Aktien. Die Fachleute der Investmentbank Goldman Sachs prognostizieren, dass das Gesamtvolumen der amerikanischen Rückkäufe in diesem Jahr den Rekordwert von 1 Billion Dollar erreichen wird.

          Aber auch Unternehmen in Großbritannien, Europa und Japan kaufen ihre Aktien aggressiv zurück. Schneller jedenfalls als neue Unternehmen an die Börse gehen oder etablierte Unternehmen neues Kapital durch sekundäre Aktienemissionen aufnehmen.

          Die Analysehaus Bernstein schätzt den Gesamtwert der Rückkäufe in Westeuropa, Kanada, Japan und den entwickelten Ländern Asiens bis Ende Juli auf 248 Milliarden Dollar. Das ist das Doppelte dessen, was sie in derselben Zeit im vergangenen Jahr zurückkauften.

          „Der Boom der amerikanischen Rückkäufe in diesem Jahr ist weithin bekannt und wird überall berichtet. Weniger bekannt sind jedoch die erhöhten Nettokäufe von Unternehmen in entwickelten Märkten außerhalb der Vereinigten Staaten", schreibt Inigo Fraser-Jenkins, Senior Analyst bei Bernstein, in einem Bericht. Gleichzeitig „fiel die Zunahme der Aktienrückkäufe weltweit mit einer gedämpften Aktienemission zusammen", stellte er fest. „Das erklärt, warum die Netto-Emissionen in den meisten Industrieländern auf historisch niedrigem Niveau liegen.“

          Gemessen am Aktienbestand auf der ganzen Welt ist der nachlaufende 12-Monats-Wert aller Aktienemissionen – Börsengänge, Bezugsrechtsemissionen und in Aktien umwandelbare Schuldtitel – im Vergleich zum 12-Monats-Nachlaufwert aller Rückkäufe derzeit der negativste Wert seit 22 Jahren, haben die Bernstein-Ökonomen errechnet.

          Der absolute Gesamtwert des globalen Aktienmarktes steigt weiter an, vor allem dank steigender Aktienkurse, was zum Teil auf Rückkäufe zurückzuführen ist. Die Gesamtmarktkapitalisierung des FTSE All-World-Index ist von etwa 35 Billionen Dollar vor einem Jahrzehnt auf 57 Billionen Dollar in dieser Woche gestiegen.

          Bernsteins Analysten gehen davon aus, dass der Rückkaufschub die globalen Aktienmärkte auf absehbare Zeit weiter stützen wird, es gibt aber auch andere Meinungen. Andrew Lapthorne von der französischen Bank Société Générale warnte davor, dass, um die Rückkäufe zu finanzieren, Barmitteln abgezogen werden müssten, und die Rückkäufe so letztlich enden müssten.

          „Ja, die Gesamtausschüttungsquote ist hoch, wenn man Rückkäufe zu den Dividendenzahlungen hinzufügt, aber ein großer Teil dieses Anstiegs wird durch Barmittel aus der Bilanz und den Verkauf liquider Anlagen finanziert", sagte Herr Lapthorne. „Die Nettoverschuldung steigt also.“

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