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Neue Aktien : Kleine Lichtblicke am düsteren Markt für Börsengänge

  • -Aktualisiert am

Börsensaal in Frankfurt Bild: dpa

Die Global Fashion Group und Traton wagen sich auf das Parkett – doch der Markt bleibt verunsichert.

          Der Markt für Börsengänge in Deutschland kommt nach einer langen Durststrecke in Bewegung. Nach dem Lastwagen-Hersteller Traton hat nun auch der Online-Modehändler Global Fashion Group (GFG) seine Börsenpläne konkretisiert.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Angesichts des eskalierenden Handelskriegs zwischen den Vereinigten Staaten und China traute sich mit der österreichischen Frequentis in diesem Jahr bisher nur ein einziges Unternehmen an die Frankfurter Börse. Auch das Chaos rund um den EU-Austritt Großbritanniens schreckte Emittenten und Investoren ab. Der Kommunikationsdienstleister Frequentis, der Leitzentralen für Flughäfen und Sicherheitsbehörden wie die Polizei oder die Feuerwehr ausrüstet und wartet, nutzt nach seinem Börsenstart Frankfurt jedoch nur als zweiten Handelsplatz neben Wien.

          Auf Rekordjahr folgt Durststrecke

          Nach dem außergewöhnlich starken Börsenjahr 2018 macht sich die Durststrecke jetzt besonders stark bemerkbar. Für das vergangene Jahr verzeichnet die Statistik der Deutschen Börse 17 Neuemissionen auf dem Frankfurter Parkett. Das war ein Rekord, der sich wohl nicht so schnell wiederholen wird.

          Die Unternehmen sammelten 2018 insgesamt 11,2 Milliarden Euro frisches Kapital von Anlegern und Investoren ein. Allein das Börsendebüt der Siemens-Tochtergesellschaft Healthineers im März 2018 brachte 4,2 Milliarden Euro auf die Waage. Der Eisenbahn- und Nutzfahrzeugzulieferer Knorr-Bremse plazierte im Oktober 2018 Aktien im Wert von 3,8 Milliarden Euro.

          Die Volkswagen-Tochtergesellschaft Traton und der Modehändler Global Fashion Group sind nun allerdings nur kleine Lichtblicke in einem insgesamt düsteren Umfeld. Die Global Fashion Group will mit ihrem Börsengang bis zu 400 Millionen Euro einnehmen. Das hat das Start-up, das vor allem in Lateinamerika und Australien tätig ist, am Montag bekanntgegeben. Die Aktien sollen für 6 bis 8 Euro angeboten werden, von diesem Dienstag an bis zum 25. Juni stehen sie zum Verkauf.

          Globale Unsicherheit

          Dass sich in Frankfurt noch weitere Unternehmen aufs Parkett wagen, ist aber noch nicht gesagt. Börsenreife Unternehmen werden sich wegen der globalen Unsicherheiten weiter zurückhalten, statt ihre Aktien in den stark schwankenden Markt zu plazieren. Die Angst vor internationalen Konflikten drückt auf die Stimmung. Grund sind die gegen ihre pekingfreundliche Lokalregierung gerichteten Proteste der Hongkonger Bevölkerung, ebenso die Konfrontation zwischen Amerika und Iran im Golf von Oman.

          Dazu passt die Ankündigung des Börsenkandidaten Traton, der nur noch 10 Prozent seiner Aktien an die Börse bringen will. Das Volumen der Emission, die eigentlich schon für das Frühjahr vorgesehen war, wird daher maximal 1,9 Milliarden Euro ausmachen. Das ist deutlich weniger als erwartet. Ein späteres Aufstocken hält sich der Konzern aber offen.

          Weitere Börsenhoffnungen haben investitionsfreudige Anleger schon auf später vertröstet. Der Autozulieferer Continental wollte seine Antriebssparte Vitesco im zweiten Halbjahr an die Börse bringen, teilte aber zu seiner Hauptversammlung im April mit, den Börsengang auf 2020 zu verschieben.

          Auch der Industriekonzern Freudenberg tritt beim lang erwarteten Parkettdebüt des Schwingungsspezialisten Vibracoustic auf die Bremse. Freudenberg zieht den Börsengang der Geschäftssparte zwar weiter in Erwägung, jedoch nicht für die nächste Zeit.

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