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Global Fashion Group : Der nächste Börsenkandidat von Rocket Internet

Rocket Internet bringt mit der Beteiligung Global Fashion Group das nächste Unternehmen an die Börse. Bild: dpa

Der Online-Modehändler Global Fashion Group will an die Börse gehen. Es ist das nächste Start-up mit dem Rocket Internet einen Erfolg feiern möchte. Der fiel bei so manchem Börsengang bisher mäßig aus.

          Die Berliner Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet bringt ein weiteres Start-up an die Börse. Die Global Fashion Group (GFG), ein Online-Modehändler, der vor allem in Lateinamerika und Australien, aber auch in Osteuropa und Asien tätig ist, will damit 300 Millionen Euro einnehmen.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die Unternehmensgruppe bündelt mehrere Marken und hat ihren Sitz in Luxemburg. An der Frankfurter Börse im Prime Standard soll die Aktie einerseits gelistet werden, weil GFG seine Kennzahlen in Euro ausweist. Zudem hat der Börsenplatz auch einige Erfahrung mit ähnlichen Geschäftsmodellen. „Dort gibt es ein Umfeld von Investoren, die an digitale Unternehmen gewöhnt sind“, sagt Christoph Barchewitz, einer von zwei Ko-Vorstandsvorsitzenden der GFG.

          Hauptanteilseigner mit 35 Prozent ist die schwedische Investmentgruppe Kinnevik, die auch gut 30 Prozent am Online-Modehändler Zalando hält. Zalando war ebenfalls in Frankfurt an die Börse gegangen. Rocket Internet, das derzeit 21 Prozent an der GFG hält, hat zudem zuletzt gleich mehrere Beteiligungen in Frankfurt listen lassen: Im vergangenen Jahr waren es die Online-Möbelhändler Home24 und Westwing, im Jahr 2017 der Kochboxenversender Hello Fresh.

          Die Aktienkurse der Beteiligungen entwickeln sich unterschiedlich: Home24 hatte zuletzt wegen schlechter Zahlen und einem mauen Ausblick stark eingebüßt und mehr als 85 Prozent ihres Werts seit dem Börsengang eingebüßt. Der Aktienkurs dümpelt bei knapp unter 4 Euro. Auch Westwing liegt derzeit mit etwas über 8 Euro deutlich unter dem Ausgabepreis von 26 Euro im Oktober. Hello Fresh hat im Jahresvergleich zwar auch an Wert eingebüßt, aber seit Januar mehr als 50 Prozent zugelegt.

          ROCKET INTERNET SE

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          Rocket Internet hatte vor wenigen Wochen alle Anteile an dem Kochboxenversender verkauft. Der Aktienkurs von Rocket Internet selbst stieg am Montag um rund 2,7 Prozent, seit Jahresbeginn haben die Papiere mehr als ein Fünftel zugelegt. Zuletzt an die Börse gegangen aus dem Rocket-Imperium ist der Online-Händler Jumia, der vor allem in Afrika tätig ist, das Unternehmen ist an der New York Stock Exchange gelistet.

          Ausbau eines Logistikzentrums in Brasilien

          Genauso wie bei Jumia erwarten die Chefs der Global Fashion Group in ihren Märkten ein starkes Wachstum. So erreiche die Unternehmensgruppe derzeit etwa 1 Prozent der Bevölkerung in den Märkten, 11,5 Millionen aktive Kunden zählt GFG. Bei Zalando sind es etwa 6 Prozent. „In unseren Märkten steht der Online-Handel noch ganz am Anfang und hat ein riesiges Potential“, sagt Barchewitz.

          Der Großteil des Geldes, das mit dem Börsengang eingenommen wird, soll daher auch in den Ausbau eines Logistikzentrums in Brasilien, einem der wichtigsten Märkte der GFG, fließen. „Außerdem investieren wir intensiv in Technologie, wir haben 1000 Mitarbeiter in Tech-Büros sitzen und bauen das meiste, was wir nutzen, selbst“, sagt Patrick Schmidt, der andere Ko-Vorstandsvorsitzende. Schmidt und Barchewitz führen das Unternehmen seit gut anderthalb Jahren, Schmidt hatte vorher das Australien-Geschäft geleitet, Barchewitz kam direkt von Kinnevik, wo er für Investments wie Zalando zuständig war. Der Kinnevik-Chef Georgi Ganev sitzt auch im Verwaltungsrat der GFG.

          Kinnevik gehörte seit 2009, also zwei Jahre nach Gründung von Rocket Internet, schon zu den Investoren, im Sommer 2017 haben die Schweden aber alle ihre Anteile verkauft. Die Entscheidung, den Online-Modehändler GFG genau jetzt an die Börse zu bringen, sei aber einstimmig von allen Anteilseignern beschlossen worden, versichern die Chefs. Für das laufende Jahr plant GFG mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro. Die Gewinnschwelle soll auch bald erreicht werden, ein genaues Ziel gibt es aber noch nicht.

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