https://www.faz.net/-gv6-9ighb

Starker Gewinneinbruch : Auch Samsung erlebt seinen Apple-Schock

Der südkoreanische Konzern Samsung schwächelt. Bild: AFP

Samsung Electronics meldet für das Jahresschlussquartal 2018 einen Rückgang des operativen Gewinns um fast dreißig Prozent. Dafür gibt es zwei Hauptgründe.

          2 Min.

          Schwache Verkäufe von Smartphones, aber vor allem ein Einbruch der Nachfrage für Speicherbausteine, trifft nun auch das südkoreanische Unternehmen Samsung Electronics. Der operative Gewinn sei im Jahresschlussquartal um 28,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, meldete Samsung am Dienstag in einer vorläufigen Schätzung. Es ist das erste Quartalsminus seit dem Spätsommer 2016, als Samsung kurz nach Verkaufsbeginn wegen inhärenter Brandrisiken das damalige Spitzenmodell Galaxy Note 7 vom Markt nehmen musste.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das schlechtere Ergebnis des größten Herstellers von elektronischen Speicherbausteinen und Smartphones verstärkt die Sorgen über eine Abschwächung der Weltwirtschaft. Vergangene Woche hatte schon Apple mit einer Abwärtsrevision seiner Geschäftserwartungen für das letzte Quartal von 2018 Anleger und Investoren aufgeschreckt.

          Vorerst keine Besserung erwartet

          Samsung schätzt den Betriebsgewinn im Zeitraum von Oktober bis Dezember 2018 auf 10,8 Billionen Won (8,4 Milliarden Euro). Der Umsatz soll 59 Billionen Won (46 Milliarden Euro) erreicht haben, 10,6 Prozent weniger als Vorjahresquartal. Endgültige Ergebnisse und die Details wird Samsung erst Ende Januar veröffentlichen.

          In einem unerwarteten Schritt fügte Samsung den vorläufigen Quartalszahlen eine verbale Erklärung bei, offenbar um Spekulationen zu dämpfen. Das Unternehmen begründete den Gewinnrückgang mit einer unerwartet schwachen Nachfrage nach Speicherbausteinen für Datenserver, der im Vergleich zum Vorquartal zu geringeren Auslieferungen und zu einem unerwartet starken Verfall der durchschnittlichen Verkaufspreise führte. Im starken Wettbewerb auf dem Markt für Smartphones hätten zudem höhere Verkaufskosten und ein „flaches“ Verkaufsvolumen den Gewinn in dem Geschäftsbereich gedrückt.

          Samsung sieht für das erste Quartal dieses Jahres keine Besserung am Markt für Speicherchips voraus und erwartet eine Erholung erst in der zweiten Jahreshälfte. Die Speicherbausteine waren in den vergangenen Jahren die Stütze des Geschäfts von Samsung Electronics und trugen mehr als drei Viertel zum Gewinn bei. Doch der langandauernde Nachfrageboom hat vorerst ein Ende gefunden. Analysten verweisen als Grund auf das weltwirtschaftliche Umfeld, die schwächere Nachfrage nach Produkten der Informationstechnik unter anderem in China und Investitionszurückhaltung in Erwartung weiter fallender Preise.

          Die Preise für DRAM-Chips, die in Datenservern viel Verwendung finden, sind im vierten Quartal um rund 10 Prozent gesunken, die Preise für NAND-Chips um 15 Prozent, analysiert der Marktbeobachter DRAM-Exchange. Analysten des japanischen Investmenthauses Nomura erwarten einen Preisverfall der DRAM-Chips in diesem Jahr um 31 Prozent und der NAND-Chips um 44 Prozent.

          Samsung erlebt wie Konkurrent Apple aber auch den Schock einer stagnierenden Nachfrage nach Smartphones. Die Südkoreaner sind dabei weit weniger als Apple vom chinesischen Markt abhängig, weil sie dort in der scharfen Konkurrenz chinesischer Hersteller in den vergangenen Jahren schon kräftig an Marktanteil eingebüsst hatten. Dennoch trifft die allmähliche Sättigung des Smartphone-Markts das südkoreanische Vorzeigeunternehmen zweifach.

          Zum einen verkauft der südkoreanische globale Marktführer selbst weniger der technisch hochgerüsteten Handys. Zum anderen verkauft Samsung als Lieferant weniger Bauteile wie Bildschirme oder Speicherchips, wenn Apple, Huawei und andere Konkurrenten weniger Handys verkaufen. Samsung will der sich abschwächenden Handy-Nachfrage in diesem Jahr mit Innovationen wie einem Smartphone mit faltbarem Display und Modellen der 5G-Technik entgegenwirken.

          Die Aktie von Samsung Electronics fiel am Dienstag zweitweise um 2,1 Prozent, holte bis Mittag Ortszeit die Verluste aber wieder auf.

          Weitere Themen

          Dow dreht nach Powell-Aussagen ins Minus

          New Yorker Börse : Dow dreht nach Powell-Aussagen ins Minus

          Die Achterbahnfahrt der US-Börsen setzt sich fort: Erst befand sich der Leitindex Dow Jones auf Erholungskurs. Doch dann sorgte Fed-Chef Powell mit einer Antwort in seiner Pressekonferenz für Verunsicherung.

          Topmeldungen

          Liefert, was erwartet wurde: Fed-Chef Jerome Powell

          Zinsentscheidung der Fed : Geldpolitik im Inflations-Nebel

          Leitzinserhöhung im März und beschleunigter Ausstieg aus dem Anleihekaufprogramm: Fed-Chef Jerome Powell liefert wie erwartet. Gleichzeitig darf die Zinswende im März als Eingeständnis der Notenbanker gewertet werden.