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Nebenwerte 2019 (1) : Berentzen hat Rausch und Kater überstanden

  • -Aktualisiert am

So kennt man Berentzen: als Hersteller von Hochprozentigem. Bild: dpa

Der Aktienkurs des Getränke-Herstellers Berentzen flog hoch und fiel tief. Mittlerweile hat sie sich wieder gefangen.

          Schnaps ist nicht das letzte Wort in puncto Zukunftsfähigkeit der Berentzen-Gruppe. Das Unternehmen aus dem emsländischen Haselünne ist mit Markenspirituosen wie Puschkin, Handelsmarken, alkoholfreien Getränken und sogar frisch gepresstem Orangensaft breit aufgestellt.

          Ausgerechnet der O-Saft versetzte Anleger Mitte 2017 nahezu in einen Vollrausch. Große Hoffnungen richteten sich auf das Geschäft mit Geräten der Marke Citrocasa, die für Kunden in Supermärkten oder Hotels Saft pressen. Nach der Übernahme des österreichischen Start-ups im Jahr 2014 lief das Geschäft gut an; die Anleger honorierten das.

          „Im Frühjahr 2017 gab es sehr hohe Wachstumserwartungen auf Grund von Citrocasa“, sagt der Vorstandsvorsitzende Oliver Schwegmann. Damals hatte sich der Kurs innerhalb von gut zwölf Monaten etwa verdoppelt. Doch nach Vorlage von Geschäftszahlen und nach einer späteren Ergebniskorrektur fiel er an jeweils nur einem Tag um 15 Prozent beziehungsweise um 11 Prozent. Erst nach einem Minus von mehr als 40 Prozent beruhigte sich die Notierung. Vor allem kurzfristig orientierte Investoren seien abgesprungen, sagt Schwegmann.

          BERENTZEN-GRP.AG

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          Der Umsatz der Frischsaftsysteme habe an die anfänglichen, hohen zweistelligen Zuwachsraten nicht anknüpfen können. Ein Grund dafür seien schlechte Orangenernten und eine fragile Beschaffungslogistik gewesen. Inzwischen habe man aber mehr als dreimal so viele Bezugsquellen wie zuvor.

          In den vergangenen neun Monaten lag der Kurs auch stabil etwa zwischen 6 und 7 Euro. „Im ersten Quartal 2019 haben sich erste Signale der Erholung bei Citrocasa gezeigt. Darüber hinaus kennen wir nach wie vor unsere Hausaufgaben“, sagt Schwegmann. Er sieht Wachstumspotential bei den Frischsaftsystemen, aber auch bei den Spirituosen. Trotz stagnierenden Konsums gebe es eine „unglaubliche Dynamik“ innerhalb des Marktes. Trends spielten eine wichtige Rolle.

          Berentzen setzt auf Innovationen wie den Premium-Likör „Signature“. Bei den alkoholfreien Getränken verspricht etwa das Mate-Tee-basierte Erfrischungsgetränk „Mio Mio“ Wachstum. „Wir sind hier mittlerweile im sechsten Jahr mit hohen zweistelligen Wachstumsraten“, sagt Schwegmann.

          2018 hat der Konzern den Betriebsgewinn um rund 6 Prozent auf knapp zehn Millionen Euro gesteigert. Für Finanzvorstand Ralf Brühöfner ist die Aktie mit einer Marktkapitalisierung von aktuell 64 Millionen Euro zu niedrig bewertet. Für das laufende Jahr erwartet Berentzen ein ähnliches Ergebnis wie im Vorjahr.

          Alexander Langhorst, Analyst von GSC Research, hält dies für erreichbar: „Wir halten das 15-Fache des Gewinns für eine angemessene Bewertung. Daraus ergibt sich ein Kursziel von 8,50 Euro.“ Er empfiehlt, die Aktie zu kaufen, die am Freitag rund um 6,70 Euro notierte. Die Dividendenrendite von 4 Prozent sollte den Kurs nach unten gut absichern, sagt Langhorst.

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