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Investor und Spender : Soros warnt vor neuer globaler Finanzkrise

  • Aktualisiert am

Investor George Soros schlägt bei seiner Rede in Paris laute Töne an. Bild: dpa

Aufgrund vieler ungelöster Probleme steht laut George Soros bald eine neue Finanzkrise ins Haus. Auch der Europäischen Union stellt der Investor kein gutes Zeugnis aus. Für die EU-Mitgliedschaft hat er einen Vorschlag.

          Ein starker Anstieg des Dollar und die Kapitalflucht aus den Schwellenländern können dem Investor George Soros zufolge zu einer weiteren „großen“ Finanzkrise führen. Bei seiner gewohnt scharfen Rede auf einem Treffen der Expertenkommission „European Council on Foreign Relations“ in Paris warnte er die Europäische Union, dass sie mit einer bevorstehenden existentiellen Bedrohung konfrontiert sei.

          Die „Beendigung“ des Atomabkommens mit Iran und die „Zerstörung“ der transatlantischen Beziehung zwischen der EU und den Vereinigten Staaten „haben zwangsläufig einen negativen Effekt auf die Wirtschaft Europas und verursachen zusätzlich andere Verwerfungen“. Ihm zufolge beinhalte dies auch eine Abwertung der Währungen von Schwellenländern. „Es kann gut sein, dass wir auf die nächste große Finanzkrise zusteuern“, sagte Soros.

          Die warnenden Worte des Milliarden-Managers kommen in einer Zeit, in der italienische Anleihenrenditen auf Höchststände gestiegen sind, die sie seit vielen Jahren nicht erreicht haben, und in der große Schwellenländer wie die Türkei und Argentinien damit zu kämpfen haben, ihre Hyperinflation aufzuhalten.

          Kürzlich wurde bekannt, dass der gebürtige Ungare Soros sich mit seiner pro-Europäischen Stiftung Open Society Foundation aus Ungarn zurückziehen will, nachdem er seit Jahren von Ministerpräsident Viktor Orbán kritisiert und die Arbeit der Stiftung von der ungarischen Regierung eingeschränkt wurde.

          „Alles, was hätte schief laufen können, ist schief gelaufen“

          Seinen düstersten Ausblick hob sich der Investor daher für die Europäische Union auf: „Alles, was hätte schief laufen können, ist schief gelaufen“, sagte Soros. Er bezog sich damit sowohl auf die Flüchtlingskrise als auch auf die Austeritätspolitik, die die Populisten in vielen europäischen Ländern an die Macht katapultiert habe. „Es ist keine Redewendung mehr, auszusprechen, dass die Existenz Europas in Gefahr ist; es ist die bittere Realität.“

          Zudem nannte er die „territoriale Desintegration“ und den Brexit als Exempel. Obwohl das ökonomische Interesse in der EU zu bleiben für Großbritannien weiterhin groß sei, müsse sich die Gemeinschaft „in eine Organisation verwandeln, in der Länder wie Großbritannien beitreten wollen“. Um dies zu erreichen, schlug er eine radikale Transformation der Europäischen Union vor. So solle etwa die EU mehr zwischen der EU und der Euro-Zone unterscheiden und auch die Klausel abschaffen, welche die EU-Mitgliedstaaten dazu zwingt, dem Euro als einziger Währung beizutreten. „Der Euro bringt viele ungelöste Probleme mit sich, und man darf nicht zulassen, dass diese die Europäische Union zerstören“, sagt Soros.

          Abhilfe gegen einige Leiden Europas soll Soros Vorschlag zufolge auch ein EU-finanzierter Marshall Plan für Afrika im Wert von 30 Milliarden Euro pro Jahr bringen, der den Wanderungsdruck auf den Kontinent abmildern soll.

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