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Gemischte Portfolios : Die Gießkanne bringt es auch nicht immer

  • -Aktualisiert am

Bild: HAW Hamburg

Wer sein Vermögen in Aktien und Anleihen aufteilt, fühlt sich für alle Eventualitäten gewappnet. Schön wär’s.

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          Ein 35-jähriger Mann, nennen wir ihn Frank, stellt sich im Juli 2007 ein Depot für den Vermögensaufbau zusammen. Frank ist Ingenieur, ein sorgfältiger Typ. Er hat viel über die Börse gelesen. Diversifikation ist darum kein Fremdwort für ihn: Er weiß, dass er das Geld auf mehrere Anlagen verteilen muss, um Risiko und Rendite auszubalancieren. Also steckt er es zu 80 Prozent in den Weltaktienindex MSCI World und damit in rund 1600 Aktien aus den Industriestaaten. Die restlichen 20 Prozent legt er in einen breiten Rohstoffindex an. Aber nicht einfach so. Er rechnet sogar nach: Zwischen Juli 2002 und Juli 2007 hat ein solches Portfolio maximal 15 Prozent verloren – wenn man zum ungünstigsten Zeitpunkt ein- und ausgestiegen wäre. Klingt beruhigend. Der Dax ist in diesem Zeitraum maximal um 50 Prozent eingebrochen. Mit seinem Portfolio fühlt sich Frank daher gut gewappnet für Börsenturbulenzen.

          Dennoch ist er 20 Monate später, im Januar 2009, am Boden zerstört. 50 Prozent Verlust hat er gemacht – viel mehr, als er je gedacht hätte. Weil die amerikanische Hypothekenkrise die Finanzwelt erschütterte und weil an den Weltbörsen mehr als 16 Billionen Dollar an Wert verlorengingen.

          Wie Frank erging es damals vielen Investoren, Privatanlegern wie Profis. Reihenweise rauschten global diversifizierte Portfolios in der Finanzkrise fast ungebremst in die Tiefe. Auch solche, die ihr Vermögen noch viel breiter gestreut hatten: zusätzlich in Immobilien, in Hedgefonds und in Schwellenländeraktien beispielsweise. Wie kann das sein? Die Diversifikation soll doch vor großen Verlusten schützen. Und ausgerechnet dann, wenn man sie am dringendsten braucht, versagt sie. Wird sie überschätzt?

          Starinvestor Buffett kein Freund der Diversifikation

          Warren Buffett, der wohl berühmteste Investor der Welt, ist jedenfalls kein Freund der Diversifikation. „Konzentrieren Sie Ihre Investments“, rät der Staranleger. „Wenn Sie über einen Harem mit 40 Frauen verfügen, lernen Sie keine richtig kennen.“ Für Börsenlaien mögen die Verheißungen der Diversifikation zumindest wundersam klingen. Sie besagen zum Beispiel, dass das Verlustrisiko in einem Anleihendepot sinken kann, wenn man ein paar Aktien beimischt. Intuitiv ist das kaum zu verstehen. Aktien sind schließlich viel riskanter als Anleihen, ihre Kurse schwanken stärker.

          Wer dem Geheimnis auf die Spur kommen will, muss das Zusammenspiel von Wertpapieren genauer unter die Lupe nehmen. Erforscht hat es der amerikanische Ökonom Harry Markowitz schon in den 1950er Jahren. Er stellte fest: Wie gut ein zusätzliches Investment das Risiko in einem Depot dämpft, hängt von den Korrelationen ab. Sie sind ein Maß für den Gleichlauf von zwei Wertpapieren und können Werte zwischen minus eins und plus eins annehmen. Plus eins bedeutet perfekter Gleichlauf. Minus eins dagegen heißt, dass das eine Investment fällt, wann immer das andere steigt. Bei null erscheinen beide Kursverläufe unabhängig voneinander.

          Nehmen wir nun an, dass sich die Kurse von zwei Investments A und B nicht parallel bewegen. Dann gleichen die Gewinne von A etwaige Verluste von B zumindest teilweise aus. Dabei gilt die Faustregel: Je geringer der Gleichlauf, desto stärker werden die Verluste gedämpft, desto deutlicher sinkt also das Risiko im Portfolio. Das leuchtet ein.

          Ein Beispiel: Ölaktien schwanken stark mit dem Ölpreis. Deshalb fällt ein Depot aus zwei Öltiteln deutlich, wenn der Preis für Öl einbricht. Aktien von Fluglinien profitieren dagegen üblicherweise von einem Ölpreisverfall, weil dadurch Kerosin billiger wird. Ein Portfolio aus einer Öl- und einer Fluglinienaktien federt einen Einbruch des Ölpreises deshalb eher ab und ist risikoärmer.

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