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Geldpolitik : Die Fed ist unsicher

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Die amerikanische Notenbank Federal Reserve in Washington Bild: Reuters

Das Protokoll der jüngsten Sitzung der amerikanischen Notenbank offenbart: Auch Notenbanker sind sich über die aktuelle Entwicklung im Unklaren.

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          Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat  Ende Januar signalisiert, eine vorsichtige Haltung in der Geldpolitik einzunehmen und ist damit von ihrem ursprünglichen Zinserhöhungskurs abgerückt.

          Am Mittwochabend wurde nun das Protokoll der jüngsten Zinssitzung veröffentlicht. Dies offenbart, dass innerhalb der Notenbank Unsicherheit herrscht. Für die Finanzmärkte ist das keine gute Nachricht. Sie sind durch den Brexit, die Spannungen in Europa und dem Euroraum, der konjunkturellen Abschwächung in China und dem Handelskonflikt schon verunsichert.

          In solchen Phasen blicken Investoren gern auf die Notenbanken und besonders die der Vereinigten Staaten und erhoffen sich von denen, wenn nicht direkte Unterstützung, so doch mindestens mehr Klarheit über die wirtschaftliche Entwicklung.

          Wachstum oder Inflation?

          Doch jetzt heißt es von vielen Notenbankern aus der Fed, sie seien sich noch nicht im Klaren darüber, welcher Zinskurs in diesem Jahr angebracht sei. Einige Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses FOMC könnten sich weitere Zinsanhebungen nur dann vorstellen, wenn auch die Inflation anzieht. Andere Notenbanker nennen eine anhaltend solide Konjunktur als Voraussetzung für weitere Zinsanhebungen.

          Der Fed-Vorsitzende Jerome Powell hatte das dann so formuliert: Es gebe konjunkturelle Risiken, unter anderem eben das schwächere Wachstum der chinesischen Wirtschaft, die Inflation entwickele sich doch eher verhaltene und die Finanzmärkte zeigten sich schwankungsanfällig. Letzteres ist weit weniger als Kotau oder Vetternwirtschaft zu sehen. Viel mehr hat die jüngste Finanzkrise gezeigt, welche Folgen eine Krise der Märkte für die Gesamtwirtschaft haben kann.

          Zudem zeigen sich trotz Donald Trumps prozyklischem Konjunkturprogramm Schwächen in der Binnenwirtschaft. Das Geschäftsklima ist abgekühlt, Finanzierungen sind nicht mehr so leicht zu haben und der Wachstumsbeitrag aus dem Ausland ist zurückgegangen.

          Mehr als nur einen Gang zurück

          Powell formulierte die Kursänderung seinerzeit so: Statt einen moderaten Straffungskurs mit regelmäßigen Zinshebungen zu verfolgen, werde man künftig bei Zinsanhebungen „geduldig“ vorgehen

          Allerdings schaltet die Fed dabei nicht nur einen Gang zurück. Und darüber ist man sich wiederum wohl einig gewesen. Fast alle Teilnehmer plädierten dafür, den im Herbst 2017 begonnen Abbau der Bilanzsumme von vier Billionen Dollar noch 2019 zu beenden. Das hatte die Notenbank Ende Januar schon angedeutet. Einen genauen Plan lässt das Protokoll aber auch nicht erkennen.

          Zurzeit schmilzt die Bilanzsumme der Fed um monatlich bis zu 50 Milliarden Dollar. In dieser Höhe lässt die Zentralbank Wertpapiere, die sie in der Finanzkrise erworben hatte, auslaufen, ohne sie durch neue Papiere zu ersetzen.

          Würde die Fed diesen Abbau tatsächlich in diesem Jahr stoppen, wäre ihre Bilanzsumme weiter wesentlich größer als vor der Finanzkrise. Seinerzeit hatte die Bilanz einen Umfang von 800 bis 900 Milliarden Dollar.

          Folge dieser Anhebung der Bilanzsumme ist, dass die Fed ihre Geldpolitik heute anders durchführt als vor der Finanzkrise. Früher waren kleine Wertpapieroperationen die Regel, heute spielen sie kaum mehr eine Rolle. Dafür zahlt die Fed den Geschäftsbanken Zinsen für deren Guthaben bei ihr und steuert dadurch den Marktzins.

          An den Finanzmärkten sorgte die Mitschrift der Fed für moderate Reaktionen. Der Dollar wertete leicht auf, die Renditen stiegen moderat und an den Aktienbörsen legten die Kurse leicht zu.

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          Die Lage ist eben unsicher und daran haben sich die Finanzmärkte in gewisser Weise gewöhnt. Für sie reicht das Ergebnis aus: Der Kurs der Fed ist weniger restriktiv. Dass sich die Notenbanker nicht ganz sicher sind, ob sie mehr auf die Inflation oder mehr auf das Wachstum schauen sollen, sind Details und die sind letztlich nicht so wichtig.

          Wichtig ist, dass die Fed bald einen Plan vorlegt, wie sie mit der Bilanzsumme umgeht, der nicht (negativ) überrascht. Damit können die Märkte umgehen.

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