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Amerikas Geldpolitik : Fed-Aussagen treiben Börsenkurse auf Rekordstände

  • Aktualisiert am

Jerome Powell, Chef der amerikanischen Notenbank Fed. Bild: AP

Die Fed lässt weiter die Tür für eine Leitzinssenkung in den Vereinigten Staaten offen. Investoren beruhigt das, Amerikas Börsenkurse steigen nach den Aussagen von Notenbankchef Jerome Powell in ungeahnte Höhen.

          Amerikas Notenbankchef Jerome Powell hat die Tür für eine baldige Leitzinssenkung weit offen gelassen. „Die Unsicherheit um Handelskonflikte und Sorgen um die Weltwirtschaft lasteten zuletzt auf dem Ausblick für die Wirtschaft“ der Vereinigten Staaten, sagte Powell am Mittwoch laut einem vorab veröffentlichten Redemanuskript in Washington vor Vertretern des Repräsentantenhauses. „Der Inflationsdruck bleibt verhalten.“

          Zuletzt hatten die überraschend guten Arbeitsmarktdaten die Zinssenkungsfantasien deutlich gedämpft. Die jüngsten Aussagen könnten nun darauf hindeuten, dass die Notenbank keine allzu strikte Geldpolitik anstrebt. An den Märkten gilt vielmehr eine Zinssenkung um einen Viertel Prozentpunkt am 31. Juli praktisch als ausgemachte Sache. 2018 hatte die Fed den Schlüsselsatz vier Mal angehoben - zuletzt im Dezember auf die Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent, bevor sie eine Pause einlegte.

          Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner sprach von einem „deutlichen Signal“ für eine baldige Leitzinssenkung. Ökonom Michael Pond vom Finanzhaus Barclays sieht die Fed auf einen Zinsschritt zusteuern, der als Absicherung gedacht sein könne: „Falls sich die Wirtschaft abkühlt und die Fed den Zins senkt, tut sie eigentlich nichts anderes als das schwächere Wachstum auszugleichen.“ James McCann, Senior Global Economist bei Aberdeen Standard Investment, kommentierte die Aussagen von Powell ebenfalls: „Eine Zinssenkung im Juli ist nun so gut wie sicher. Die Stärke der Arbeitsmarktzahlen der letzten Woche führte einige zu der Annahme, dass die Fed eine Denkpause einlegen könnte. Nun ist offensichtlich, dass sie dies nicht tun wird, so McCann.

          Elemente von Powells Aussage würden darauf schließen lassen, dass die Fed Präventivmaßnahmen ergreifen will. Mit Blick auf die Inflation erscheine das Bild sicherlich so schlecht, dass eine Reaktion gerechtfertigt  sei, so der Experte weiter. Mit Blick auf das Wachstum jedoch gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass eine Zinssenkung unbedingt notwendig ist. Es gehe wohl mehr um die Befürchtung, was mit dem Wachstum in der Zukunft passieren könnte. „Das ist ein wenig beunruhigend, weil die Fed auf das reagiere, was passieren könnte, anstatt auf das, was tatsächlich passiert, aber sie geht wahrscheinlich davon aus, wenig zu verlieren, wenn sie in diesem Stadium proaktiv handelt“, so der Investment-Experte von Aberdeen Standard Investment weiter.

          Amerikanische Staatsanleihen sind im frühen Handel nach den Aussagen von Jerome Powell  leicht gestiegen. Im Gegenzug fielen die Renditen. Nur Papiere mit sehr langen Laufzeiten von 30 Jahren gaben nach. Zweijährige Anleihen legten um 2/32 auf 99 17/32 Punkte zu. Sie rentierten mit 1,86 Prozent. Fünfjährige Anleihen stiegen 4/32 Punkte auf 99 17/32 Punkte. Sie rentierten mit 1,85 Prozent. Richtungweisende zehnjährige Anleihen erhöhten sich um 2/32 Punkte auf 102 25/32 Punkte. Sie rentierten mit 2,06 Prozent. Longbonds mit einer Laufzeit von dreißig Jahren gaben um 1/32 Punkte auf 106 28/32 Punkte nach. Sie rentierten mit 2,53 Prozent.

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          Die Aussagen des Notenbankchefs befeuerten derweil die Aktienbörsen. In der Folge erreichten der Dow-Jones-Indes, der marktbreite S&P 500 und der technologielastige Nasdaq 100 Rekordmarken. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um 0,3 Prozent auf 26.860 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 erhöhte sich um 0,4 Prozent auf 2993 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verbesserte sich um 0,7 Prozent auf 8202 Punkte und ließ die 8000er Marke hinter sich.

          An den Finanzmärkten wird weiterhin fest mit einer Zinssenkung Ende Juli gerechnet. Präsident Donald Trump hatte Powell zuletzt immer wieder heftig kritisiert und ihn zu Zinssenkungen aufgefordert. Powell sah sich auch kurz vor seinem Auftritt vor dem Kongress mit Forderungen aus dem Weißen Haus nach einer Zinssenkung konfrontiert. Die letzte liegt mehr als zehn Jahre zurück - im Dezember 2008. Trump hat der Fed immer wieder vorgeworfen, mit zu hohen Zinsen den Aufschwung zu gefährden. Er hält die unabhängigen Währungshüter für ahnungslos.

          Trump ist der Ansicht, dass er Powell absetzen könne, auch wenn er dies derzeit nicht vorhabe. Powell hat indes deutlich gemacht, dass er sich gegen eine mögliche Abberufung stemmen werde. „Meine Antwort wäre nein“, sagte der amerikanischen Notenbankpräsident am Mittwoch bei einer Kongressanhörung in Washington. Das Gesetz sehe eindeutig eine vierjährige Amtszeit vor - und er habe vor, diese zu erfüllen.

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