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Geldanlage : Die Rückkehr der Zertifikate

Bild: iStock

Sparkassen und Volksbanken verkaufen wieder Zertifikate in großem Stil. Für die Banken lohnt sich das. Für die Kunden eher weniger.

          Kein normaler Mensch käme wohl von sich aus auf die Idee, seinen Bankberater nach einem Express-Zertifikat mit Memory-Funktion und Airbag zu fragen. Genauso wenig, wie man sich vorstellen kann, dass es das erste Anliegen eines Bankkunden ist, sich nach den Konditionen für die neue Lanxess-Aktienanleihe zu erkundigen. Umso mehr mag es verwundern, dass in diesen Tagen eine erstaunliche Zahl aus den Sparkassen sowie den Volks- und Raiffeisenbanken nach außen dringt: So ungewöhnliche Wertpapiere wie Express-Zertifikate und Aktienanleihen verkaufen sich derzeit prächtig. Bei der Deka-Bank, die für die deutschen Sparkassenkunden Wertpapiere aller Art auflegt, waren im Juli fast zwei Drittel aller verkauften Zertifikate entweder Express-Zertifikate oder Aktienanleihen. Die DZ Bank, die vor allem für die Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken Wertpapiere entwickelt, berichtet Ähnliches.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zunächst genügt es zu wissen, dass es sich bei beiden Wertpapieren tatsächlich um Vertreter jener Anlageart handelt, die manch einer schon für ausgestorben halten dürfte – um Zertifikate nämlich, die seit den Tagen der Lehman-Krise im Jahr 2008 einen zweifelhaften Ruf genießen. Damals fielen in der Finanzkrise viele dieser Papiere aus, auch deutsche Anleger waren betroffen. Genau das ist es ja, was Erstaunen auslöst: Wie kommt es, dass ganz normale Kunden der Sparkassen und Volksbanken wieder Gefallen an diesen komplizierten Papieren finden? Ganz grob gesagt funktionieren Aktienanleihen und Express-Zertifikate so: Anleger verdienen mit ihnen Geld, wenn sich die Börsenkurse nur wenig bewegen. Sonst eher nicht.

          Man könnte es sich jetzt einfach machen und sich die Sache so zusammenreimen: Wieder einmal, so ginge dann die Erzählung, drehen die Banken unbedarften Kunden irgendwelche schwer verständlichen Wertpapiere an. Doch die Wahrheit ist, dass zwei Dinge zu der wundersamen Vermehrung der Zertifikate geführt haben. Zum einen ist da ein Gefühl, das jeder kennt, der ein Tages- oder Festgeldkonto hat: Es gibt einfach keine Zinsen mehr – eine Folge der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Das ist der wunde Punkt jedes Sparers in der heutigen Zeit: Wird irgendwo mehr geboten als die ansonsten üblichen Magerzinsen, kann man schon mal schwach werden.

          Transparenz bei Zertifikaten ist gestiegen

          Hier kommt der zweite Punkt ins Spiel: Betritt ein Kunde mit diesem Gefühl die Filialen der Sparkassen oder der Volksbanken, wird er zwar nicht als Erstes nach einer Aktienanleihe fragen. Aber wenn ihm der Berater solche Papiere als gute Alternative in Niedrigzinszeiten vorstellt, wird sie der Kunde am Ende des Gesprächs vielleicht kaufen. Das klappt derzeit so gut, dass DZ Bank und Deka-Bank mittlerweile die größten Spieler auf dem deutschen Zertifikatemarkt geworden sind: Mit einem Marktanteil von rund 17 Prozent ist die DZ Bank auf Platz eins, gefolgt von der Deka-Bank mit rund 14 Prozent. Aber ist es wirklich die Aufgabe von Volksbanken und Sparkassen, den Kunden die umstrittenen Wertpapiere feilzubieten?

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