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Geldanlage : Die Rückkehr der Zertifikate

Die Banken können kein Problem darin erkennen. „Ein Grund für unseren Erfolg in diesem Markt ist die Beratungsleistung vor Ort in den Volks- und Raiffeisenbanken“, heißt es bei der DZ Bank. „Die Berater können dabei helfen, die Produkte zu verstehen.“ Hussam Masri, Leiter Produktmanagement bei der Deka-Bank, sagt: „Wir sind so erfolgreich, weil wir einen anderen Ansatz verfolgen. Wir bieten nur ausgewählte Anlageprodukte an, sehr oft auch mit einem Sicherheits-Feature.“ Man produziere keine Massenware, sondern nur rund 150 „handverlesene und attraktive“ Zertifikate im Monat. Es wird klar, was die Absicht der Banken ist: Nichts soll mehr an jene üblen Erlebnisse erinnern, die Anleger zu früheren Zeiten mit Zertifikaten gehabt haben. Die Banken grenzen sich so weit wie möglich davon ab.

Tatsächlich muss man anerkennen: Seit der großen Krise hat sich für den Kunden so einiges zum Besseren gewendet. Niemand kann mehr behaupten, er habe nicht wissen können, was für ein Zertifikat ihm da verkauft worden sei. Die Produktinformationsblätter, die die Banken heutzutage jedem Anleger zur Verfügung stellen müssen, mögen zwar noch die ein oder andere komplizierte Formulierung enthalten. Aber sie erklären anhand von beispielhaften Szenarien recht gut, worauf der Anleger sich einlässt. Auch der Branchenverband DDV stellt viel Erklärungsmaterial ins Netz.

Sogar die Höhe der Marge, die die Banken in etwa an einem Zertifikat verdienen, ist heute einsehbar. Auf den Produktinformationsblättern legen sie den sogenannten Issuer Estimated Value offen – ein Betrag in Euro, der den tatsächlichen Wert des Zertifikates angeben soll. Vergleichen Anleger diesen Wert mit dem aktuellen Verkaufspreis des Zertifikates, wissen sie grob, wie viel die Bank daran verdient. Auch wenn die Banken die Kennzahl bislang nicht nach einheitlichen Kriterien berechnen, schafft sie doch ein hohes Maß an Transparenz.

Gewinn oder Verlust abzuschätzen, ist noch immer schwer

Alles wunderbar also? Leider nicht. Mag Anlegern die Mechanik der Papiere heute besser erklärt werden, bleibt eine wichtige Frage nach wie vor unbeantwortet: Wie soll man sinnvoll einschätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, mit einem Zertifikat Gewinn oder Verlust zu machen? Simon Ullrich, der als Chef des Berliner Fintechs Smart Trade regelmäßig Zertifikate analysiert, sagt: „Die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Kursbewegungen einzuschätzen ist eine der schwierigsten Aufgaben für Investoren. Selbst professionelle Händler müssen ihre Einschätzungen häufig anpassen.“ Anders ausgedrückt: Was die Zukunft an den Märkten bringt, weiß niemand.

Um zu verstehen, wie kompliziert die Aufgabe ist, muss man sich ein einzelnes Zertifikat im Detail ansehen. Stefan Mittnik, Professor für Finanzökonometrie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, hat für die F.A.S. eine Aktienanleihe der Deka-Bank auf den Spezialchemiekonzern Lanxess betrachtet, die gerade in Zeichnung ist (WKN: DK0NB6). Aktienanleihen der DZ Bank folgen übrigens einem ähnlichen Muster.

Grundsätzlich funktionieren Aktienanleihen so: Der Käufer erhält bis zum Ende der Laufzeit einen zuvor festgelegten Zins. Im Falle des Lanxess-Zertifikats sind dies bei einer Laufzeit von sechs Monaten zwei Prozent. Diesen Zins erhalten Anleger immer. Anders sieht das mit dem Betrag aus, den die Anleger in das Zertifikat investiert haben (in unserem Beispiel sind dies mindestens 1000 Euro). Dieses Geld erhalten Anleger nur unter einer bestimmten Bedingung zurück: nämlich dann, wenn der Kurs der Aktie, die dem Zertifikat zugrundeliegt, eine zuvor festgelegte Untergrenze nicht unterschreitet.

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