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Nach der Finanzkrise : Zertifikate feiern ihr Comeback

Bild: dpa

Zertifikate finden so reißenden Absatz wie seit Jahren nicht mehr. Sie haben den höchsten Stand seit der Lehman-Insolvenz erreicht. Die Anleger kehren in die alten Strukturen vor der Finanzkrise zurück.

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          Die Lehman-Insolvenz und die Niedrigzinsen haben den Zertifikatemarkt schwer belastet. Sie haben ihm aber nicht den Garaus gemacht. Im Gegenteil: Einige Produkte finden so reißenden Absatz wie seit Jahren nicht mehr. Das durch Lehman offenbar gewordene Emittentenrisiko von Zertifikaten spielt keine große Rolle mehr.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Besonders gefragt sind Expresszertifikate. Fast 15 Milliarden Euro waren dort Ende 2007 bei den Mitgliedsbanken im Deutschen Derivate Verband (DDV) angelegt. Bis 2014 sackte das Volumen auf 4,5 Milliarden Euro ab. Nun hat es wieder mehr als 12 Milliarden Euro erreicht. Das ist ein sattes Wachstum um 170 Prozent in zweieinhalb Jahren. Und es sind nicht irgendwelche Zocker, die in diesen Papieren anlegen. Expresszertifikate werden überwiegend im Filialvertrieb verkauft. Marktführer ist die DZ Bank, deren Produkte vor allem in den Volks- und Raiffeisenbanken vertrieben werden. Es folgen die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die Dekabank, die überwiegend vom Vertrieb in Sparkassen profitieren. Offenbar gelingt es den Beratern in den Filialen, den Anlegern zumindest ein gewisses Aktienrisiko schmackhaft zu machen. Ein Expresszertifikat ist ideal geeignet für seitwärts gerichtete Märkte. Bei starken Aktienmarktrückgängen drohen Verluste. Nach oben ist die Rendite begrenzt. Wie immer im Zertifikatemarkt ist für jeden Geschmack etwas dabei: von sehr sicher mit geringen Renditechancen bis hin zu höheren Renditechancen und mehr Risiko.

          Ähnlich ist die Grundausrichtung der Aktienanleihen. Auch hier kann es bei größeren Kursrückschlägen zu Verlusten kommen. Ansonsten winken ordentliche Renditen. Da sie regelmäßig in Form von Kupons ausgezahlt werden, die deutlich höher sind als bei herkömmlichen Anleihen, haben sie für viele Anleger Charme. Diese Zertifikategattung ist mit aktuell knapp 10 Milliarden Euro sogar auf ein Rekordhoch gestiegen. Aber auch Zertifikate, die weniger in Filialen vertrieben werden, sondern überwiegend von Selbstentscheidern gekauft werden, wie Discountzertifikate, haben sich von ihrem Tief um ein Drittel auf fast 5 Milliarden Euro erholt. Bonuszertifikate stabilisieren sich auf 2,3 Milliarden Euro, bleiben aber ein Schatten früherer Tage, als noch mehr als 20 Milliarden Euro investiert waren. Hier wirken offenbar die vielen negativen Erfahrungen im Dax-Rutsch der Finanzkrise nach.

          In der Summe haben Zertifikate, bei denen der Anleger über keinen Kapitalschutz verfügt, seit ihrem Tief bei knapp 27 Milliarden Euro vor zweieinhalb Jahren auf nun gut 39 Milliarden Euro zugelegt. Höhere Werte gab es nur vor Lehman. Das Wachstum kann aber das Schrumpfen des Gesamtmarktes nicht kompensieren. Zertifikate mit Kapitalschutz, also ohne Aktienrisiko, die nach Lehman sehr gefragt waren und die Branche gerettet haben, sind in der Niedrigzinsphase kaum mehr verzinst und werden kaum noch vertrieben. Von mehr als 60 Milliarden Euro ist der Markt auf 22 Milliarden Euro abgesackt.

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