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Geldanlage : Warum Gold nicht immer ein sicherer Hafen ist

  • -Aktualisiert am

Angesichts niedriger Leitzinsen bleibt der Goldpreis auf einem hohen Niveau - wie attraktiv ist Gold für Anleger? Bild: dpa

Physisches Gold ist für manchen Anleger eine attraktive Anlage-Alternative, die einem das Gefühl von Sicherheit gibt. Stimmt das eigentlich? Eine Umfrage zeigt andere Ergebnisse.

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          Der Goldpreis bleibt auf einem hohen Niveau. Vergangene Woche wurde das Edelmetall an der Börse in London zeitweise für 1453 Dollar je Feinunze gehandelt. Der Goldpreis erreichte damit den höchsten Stand seit sechs Jahren. Allein seit Anfang Juni ist der Preis für das Edelmetall um etwa 12 Prozent gestiegen. Entsprechend schauen auch viele Anleger auf Gold, das von Experten immer wieder als „Krisenwährung“ oder als „sicherer Hafen“ bezeichnet wird.

          Doch wie sicher ist ein Engagement in Gold eigentlich? Dies hängt davon ab, wie ein Anleger Gold betrachtet - ob eher als Rohstoff oder eher als Währung. Die meisten Anleger investieren in Gold nicht in physischer Form, sondern in Form von Fonds oder Terminkontrakten sowie indirekt über beispielsweise Aktien von Goldminen-Unternehmen.

          Wer Gold hingegen als „Krisenwährung“ sieht, ist eher Anhänger des physischen Gold, sprich die Anlage erfolgt in kleinen Barren oder Münzen. Wer dies tut, sieht in Gold eine Art langfristige Versicherung gegen geopolitische Worst-case-Szenarien. Die Tatsache, dass das Investment keine laufenden Erträge wie eine Dividende oder Zinsen abwirft, ist für solche Investoren zweitrangig. Es geht einfach nur um Sicherheit und das Gefühl, zu wissen, dass da im eigenen Tresor etwas Werthaltiges liegt.

          Beschwerden über Verkauf überteuerter Kleinstmengen

          Genau diese Anlagen in physisches Gold können aber nach Ansicht der Verbraucherzentrale Hessen ein riskantes Geschäft sein. Laut einer Umfrage der Organisation unterschätzen viele Verbraucher die Risiken. „Anbieter von Gold-Investments feiern den aktuell hohen Goldpreis und werben für das Edelmetall als krisenfeste Geldanlage“, berichtet Wolf Brandes, Teamleiter Grauer Kapitalmarkt beim Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hessen.

          Der Haken sei jedoch, dass physische Gold-Investments nicht durch Anlegerschutzgesetze geregelt sind und damit zum sogenannten Grauen Kapitalmarkt gehören. Viele Produkte, mit denen Verbraucher in Gold investieren können, sind mit hohen Kosten für Vertrieb, Versicherung und Lagerung verbunden. Im Frühwarnnetzwerk der Verbraucherzentralen würden Beschwerden über überhöhte Preise, überhöhte Gebühren beim Verkauf von Kleinstmengen und zu irreführender Werbung mit der Sicherheit auftauchen.

          Gold

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          Die Umfrage zeigt deutliche Unterschiede in der Überzeugung auf. Von den nur 28 Prozent der Befragten, die sich vorstellen konnten, in physisches Gold zu investieren, stimmten 87 Prozent der Aussage zu, Gold sei in unsicheren Zeiten eine sichere Anlageform. Es habe selbst dann noch einen Wert, wenn das Finanzsystem zusammenbrechen sollte, meinen sogar 92 Prozent, so die Umfrage.

          Gold als Kapitalanlage nicht flexibel genug

          Doch die 71 Prozent, die sich ein Investment in Gold nicht vorstellen konnten, gaben dafür am häufigsten als Grund an, die Idee überzeuge sie nicht. Für 54 Prozent war Gold als Kapitalanlage nicht flexibel genug, und für knapp die Hälfte waren hohe Umwelt- und Sozialkosten des Abbaus ein Argument gegen Gold.

          Tatsächlich in Gold investiert haben laut der Umfrage nur 10 Prozent aller Befragten, dagegen hatte ein Viertel schon einmal in geschlossene Fonds und jeder Achte in nicht börsengehandelte Beteiligungen investiert. „Die Ergebnisse der Umfrage deuten darauf hin, dass die teils irreführende Werbung der Anbieter von Gold als sichere und krisenfeste Geldanlage greift“, meint Brandes.

          Investments in Golddepots oder den Kauf von Münzen und Barren als Geldanlage sind nicht gesondert reguliert - knapp drei Viertel (74 Prozent) der an Gold Interessierten fänden es aber wichtig. „Gold ist keinesfalls der sichere Hafen, als der es oft verkauft wird, sondern eine riskante und spekulative Geldanlage“, meint Brandes. Wie wichtig derweil die Konditionen beim Goldkauf sind zeigt dieses Teilergebnis der Umfrage: 93 Prozent der an Gold interessierten Verbraucher wollen, dass die Kosten nachvollziehbar und angemessen dargestellt werden.

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