https://www.faz.net/-gv6-936gu

Technische Analyse : Warum Australien für Anleger interessant ist

  • -Aktualisiert am

Australien ist für Anleger weiterhin ein aussichtsreiches Investment. Bild: AFP

In Australien dürfte es sich auszahlen, dass der größte Aktienindex von Rohstoffen abhängig ist. In Deutschland sieht es etwas anders aus.

          3 Min.

          Bild: Staud Research Bad Homburg /F.A.Z.-Grafik

          In jungen Jahren war ich einst in Australien. Rückblickend betrachtet, habe ich dort, mit dem Rest eines jugendlichen Unbezwingbarkeitswahns ausgestattet, so ziemlich alles gemacht, was man tunlichst vermeiden sollte: Ich bin in Sandalen durch den Busch gelaufen, habe gebadet, wo kein Australier baden würde und getaucht, wo man es als unerfahrener Europäer lieber sein lassen sollte. Ein paar Jahrzehnte später schüttelt mich allein der Gedanke daran durch, und ich danke dem Herrgott, dass er seine Hand über mich gehalten hat. Der Besuch eines Konzerts in der Oper in Sydney in Wanderschuhen und gegerbtem T-Shirt oder der Besuch im gleichen Outfit in der australischen Niederlassung meines damaligen Arbeitsgebers waren dagegen von der verzeihlichen Sorte.

          Die Liste der Dinge, die ich, rückblickend, ruhig hätte versuchen können, aber nicht getan habe, ist kürzer: Ich habe nicht nach Opalen oder anderen Edelsteinen gebuddelt. Auch da waren meine Reisevorbereitungen nicht optimal. In der Erde Australiens gibt es so gut wie nichts, was es nicht gibt: Australien besitzt die größten Vorkommen der Welt an Zink, Blei und Uran. Mehr Diamanten werden nur in Russland gefördert. Down Under ist der Exporteur von Steinkohle und der Produzent von Bauxit. Darüber hinaus gibt es unter anderem reichlich Gold, Silber, Öl, Kupfer, Silber, Öl oder Eisenerz.

          Weiterer Anstieg ist wahrscheinlich

          Es verwundert deshalb nicht, dass der bekannteste und damit auch wichtigste australische Aktienindex, der All Ordinaries, ziemlich rohstofflastig ist. Mit ein paar Abstrichen kann deshalb gelten, dass steigende Rohstoffpreise dem australischen Aktienleitindex fast immer guttun, weil sie den rohstofffördernden und -verarbeitenden Unternehmen guttun. Das Spannende: Derzeit sieht der All Ordinaries gut aus. Alles andere als eine Fortsetzung des Aufwärtstrends der vergangenen Jahre käme einigermaßen überraschend. Mehr noch: Gerade der Anstieg der vergangenen Wochen, das letzte „Aufwärtshäkchen“ innerhalb der grünen Ellipse im abgebildeten Chart, ist ein technischer Klassiker: So sehen Charts aus, die nicht mehr lange fackeln, sondern ihren Anstieg relativ schnell und dynamisch fortsetzen wollen. Mein Ziel für den australischen Leitindex lautet deshalb 6500 Punkte. Gemessen vom aktuellen Niveau knapp unter 6000 Punkten sollte demnach ein Anstieg von etwa 8 bis 10 Prozent gut möglich sein.

          DAX ®

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Es ist also nur schwer vorstellbar, dass dieser wahrscheinlich anstehende Anstieg des All Ordinaries an den Rohstoff-aktien völlig vorbeigehen wird. Abgesehen von den Krisenmetallen wie Gold und Silber, steigen die Rohstoffpreise im Regelfall aber vor allem dann, wenn die Weltkonjunktur oder wesentliche Teile von ihr Fahrt aufnehmen. Man könnte deshalb zu dem Ergebnis kommen, dass es um die Weltwirtschaft derzeit gar nicht so schlecht bestellt ist. Gerade die Entwicklung in Amerika unterstützt diese Einschätzung bestimmt. Beispielsweise sprechen gerade die jüngste Kursentwicklungen an Wall Street und die bisher veröffentlichten Quartalsergebnisse schon eine ziemlich klare Sprache.

          Dax kommt trotz Bestmarken nicht voran

          Anders sieht es hierzulande aus. Seit Wochen dümpeln die hiesigen Aktienindizes bei historisch niedriger Volatilität im Bereich markanter Widerstandszonen hin und her. Der Dax hat zwar neue historische Bestmarken über 13.000 Punkten erzielt, es aber darüber hinaus bisher komplett versäumt, mehr daraus zu machen. Dieses Marktverhalten ist ungewöhnlich. Neue Höchststände werden im Regelfall mit viel Freude aufgenommen. Sie versetzen die Marktteilnehmer meistens in Kauflaune und manchmal sogar in einen Kaufrausch. Charts, die trotz solch nahezu idealer Rahmenbedingungen nicht in Schwung kommen, bergen oft Risiken. Wie im richtigen Leben gilt: Wer seine Chancen nicht nutzt, dem ist nicht zu helfen. Meistens dauert es seine Zeit, bis sich vergleichbare Chancen wieder neu entwickeln können.

          Dennoch ist es bisher zu früh, über den Dax oder auch über seinen kleineren Brüder M-Dax und Tec-Dax den Stab zu brechen. Sie befinden sich unverändert in mittel- und langfristigen Aufwärtstrends, und deren Fortsetzung ist zu allen Zeiten wahrscheinlicher als deren Umkehr. Allerdings sind auch bei ihnen Hinweise nicht zu übersehen, die auf eine gewisse Erschöpfung der Hausse seit 2009 hindeuten. Gewinne von fast 550 Prozent in acht Jahren wie im Fall des Tec-Dax machen auch den überzeugtesten Bullen irgendwann nachdenklich.

          Ich gebe zu: Dieses Bild ist nicht so richtig konsistent. Wenn der All Ordinaries auch deshalb steigen dürfte, weil die Rohstoffpreise anziehen und dies auf ein Erstarken der Konjunktur hindeutet: Wie passt das mit einem nicht mehr so richtig optimistischen langfristigen Blick auf die hiesigen Indizes zusammen? Eine mögliche Lösung – so ehrlich werde ich sein müssen: Eine der beiden hier vorgestellten Prognosen ist falsch. Welche das aber ist, das wird sich wohl erst in den nächsten Monaten herausstellen. Die Zukunft hat ihre eigenen Gesetze.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jetzt sind alle ernannt: Kanzler Olaf Scholz und sein Kabinett beim Bundespräsidenten.

          Scholz-Regierung : Der Auftrag der Ampel

          Das Virus hat der neuen Bundesregierung vor dem Start eine wichtige Lektion erteilt. Sie sollte sie beherzigen.
          Der neue Gesundheitsminister Karl Lauterbach fordert die Drittimpfung für alle.

          Corona-Liveblog : Lauterbach hält Drittimpfung für alle für unumgänglich

          Bahn setzt zu Feiertagen 100 Sonderzüge ein +++ Weltweit 267 Millionen Infektionen, über 5,5 Millionen Tote +++ Gymnasiallehrer fordern Vorrang bei Booster-Impfungen +++ Ciesek: „Entwicklung eines an Omikron angepassten Impfstoffs sinnvoll“ +++ Entwicklungen zur Pandemie im Corona-Liveblog.
          Klare Sache: Thomas Müller und der FC Bayern München besiegen den FC Barcelona.

          Champions League : Barcelona erlebt Debakel beim FC Bayern

          In München geht der einstige Spitzenklub mit 0:3 unter. Weil parallel Benfica Lissabon souverän gewinnt, scheidet der FC Barcelona aus der Champions League aus. Die Bayern bejubeln ein Tor-Jubiläum von Thomas Müller.