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Geldanlage in Rohstoffe : Fondsinvestoren drängen in Silber

Seit Anfang Juli hat Silber deutlich an Wert gewonnen. Die Industrie stellt mit 56 Prozent die größte Nachfrage und braucht das Edelmetall vor allem für technische Entwicklungen. Doch auch Fonds haben momentan ein gesteigertes Interesse. Bild: Reuters

Das Edelmetall Silber erhält seit Anfang Juli hohe Mittelzuflüsse in ETFs und kann inzwischen ein Rekordvolumen vorweisen. Doch Analysten warnen bereits vor zu großem Optimismus beim Silberpreis.

          An den einzelnen Edelmetallen scheiden sich zuweilen die Geister, vor allem wenn es um Schmuck geht. Manche Menschen lieben den kühlen, dezenten Charme des Silbers. Für andere muss es dagegen unbedingt das glänzende, prachtvolle Gold sein. Im Preis machen solcherlei Vorlieben einen wirklich großen Unterschied. Während die Feinunze (31,1 Gramm) Silber am Donnerstag rund 16,50 Dollar kostete, waren es für Gold etwa 1420 Dollar.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Ähnlich teuer wie in den vergangenen Tagen war Silber vor rund einem Jahr. Der Goldpreis bewegt sich dagegen auf einem Niveau wie zuletzt zur Jahresmitte 2013. Während sich die Präferenzen für Schmuck eher selten ändern, hat unter Investoren nun jedoch offenbar ein Favoritenwechsel hin zu Silber stattgefunden. Der Silberpreis sei im Juli aus seinem Dornröschenschlaf erwacht, sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Denn binnen weniger Tage seien die Notierungen für Silber deutlich gestiegen, nachdem zu Monatsbeginn die Marke von 15 Dollar und die in der technischen Analyse beachteten 100-Tage- und 200-Tage-Linien gehalten hätten. Zeitweise habe der Preis mit 16,6 Dollar das höchste Niveau seit 13 Monaten erreicht.

          Gold-Silber-Ratio so hoch wie zuletzt 1992

          Einen solch rasanten Preisanstieg für Silber binnen kurzer Zeit habe es schon lange nicht mehr gegeben, sagt Frank Schallenberger, Rohstoffanalyst der Landesbank Baden Württemberg (LBBW). Innerhalb von drei Wochen sei es um rund 10 Prozent aufwärtsgegangen. Während dagegen Gold in diesem Jahr im Preis so richtig Gas gegeben habe, seien die Notierungen für Silber dem gelben Edelmetall lange hinterhergehinkt, sagt Schallenberger. Dadurch sei Silber im Vergleich zu Gold deutlich unterbewertet gewesen oder, anders ausgedrückt, relativ billig.

          Ein Maß hierfür ist das Verhältnis der Preise der beiden Edelmetalle, die sogenannte Gold-Silber-Ratio. Am 5. Juli ist dieses Verhältnis auf mehr als 93 gestiegen – der höchste Wert seit dem Jahr 1992. Das heißt: Silber war gegenüber Gold so preiswert wie seit dem Anfang der neunziger Jahre nicht mehr. Es könne daher durchaus sein, dass Marktteilnehmer nach dem deutlichen Preisanstieg von Gold auf der Suche nach günstigeren Alternativen auf das zuvor lange vernachlässigte Silber aufmerksam geworden seien, sagt Fritsch. Aktuell sei dieses Verhältnis auf 86 gefallen – noch immer ein außerordentlich hohes Niveau. Ein fallendes Gold-Silber-Verhältnis zeige an, dass sich Silber besser als Gold entwickele wie zuletzt. Der langjährige Durchschnitt betrage 63. Daher bestehe für Silber weiter Aufholpotential, sagt Fritsch.

          Die Preise für Silber und Gold verliefen oft parallel, sagt Raphael Scherer, Geschäftsführer von Degussa Goldhandel. In den letzten zwei Jahren sei Silber charttechnisch in einem negativen Korridor gewesen. Nun sei das Edelmetall stark nach oben ausgebrochen – mit einem längeren Zeitversatz zum Gold als sonst üblich.

          Wie beliebt Silber unter Anlegern ist, zeigen die hohen Mittelzuflüsse in börsengehandelten Fonds (ETF) auf das Edelmetall. Seit Juni hätten diese Fonds einen Mittelzufluss in Höhe von 15 Prozent verzeichnet, sagt Schallenberger. Für Gold-ETF belaufe sich das Plus seit Jahresbeginn dagegen nur auf 6 Prozent. Seit Anfang Juli sei viermal so viel in die von Bloomberg erfassten ETF geflossen wie im gesamten Juni, sagt Fritsch.

          Volumen der Silberfonds ist gestiegen

          Damals habe es mit fast 470 Tonnen schon die stärksten ETF-Zuflüsse innerhalb eines Monats seit gut zwei Jahren gegeben. Ein annähernd starker Monatszufluss wie derzeit sei zuletzt vor mehr als 13 Jahren zu beobachten gewesen, sagt Fritsch. Zu dieser Zeit seien die ersten Silber-ETFs aufgelegt worden. Auch spekulative Investoren setzten seit Mitte Juni mehrheitlich auf steigende Notierungen.

          Die hohen Mittelzuflüsse haben auch das Volumen der Silberfonds auf ein neues Hoch steigen lassen. Inzwischen befänden sich in den Silber-ETF rund 588,4 Millionen Unzen des Edelmetalls, sagt Schallenberger. Das entspreche einem Gegenwert von rund 10 Milliarden Dollar – ein Rekord. Dennoch spielten die Goldfonds noch immer in einer ganz anderen Liga. Hier seien es zwar nur 75 Millionen Unzen Gold, aber durch den deutlich höheren Preis des gelben Edelmetalls insgesamt etwa 100 Milliarden Dollar.

          Wie sieht es mit Münzen und Barren aus? Die Nachfrage nach physischem Silber steige seit April, aber einen wirklichen Ansturm sehe man noch nicht, sagt Dominik Lochmann, Geschäftsführer von ESG Edelmetall-Service.

          Silber wird in der Hauptsache in der Industrie nachgefragt. Anders jedoch als früher findet dieses Edelmetall durch die zunehmende Digitalisierung der Fotografie hier kaum noch Verwendung. Auch silberne Bestecke gebe es seltener, sagt Schallenberger. Silber werde heute in ganz verschiedenen industriellen Bereichen eingesetzt wie in Solarzellen oder Handys, weil es Strom sehr gut leite. Während derzeit 56 Prozent der Weltnachfrage auf die Industrie entfielen, mache Schmuck ein gutes Fünftel aus und Münzen sowie Barren vielleicht 17 Prozent.

          Die hohe industrielle Nachfrage ist auch der Hauptgrund, warum der LBBW-Analyst wenig optimistisch ist, was einen weiteren Preisanstieg von Silber anbelangt. Angesichts der mauen Konjunktur sei eher mit einer fallenden als mit einer steigenden industriellen Nachfrage zu rechnen.

          Dennoch sei der jüngste Preisanstieg nicht nur technisch getrieben, sondern durch eine überraschend hohe Nachfrage nach Fonds unterlegt. Silber sei auf dem besten Wege, sich wie Gold aus einem lange Seitwärtstrend zu befreien, sagt dagegen Fritsch. 18 Euro sind nun das neue Jahresendziel. Um aber wie Gold ein Sechs-Jahres-Hoch zu erreichen, müsste Silber aber auf 25 Dollar steigen. Das käme einem Plus um 50 Prozent gleich.

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