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Differenzkontrakte : Geldanlage soll noch stärker eingeschränkt werden

An der Börse wird viel gehandelt, Privatanleger können künftig aber nicht mehr alles machen. Bild: Reuters

Unter dem Schlagwort „Anlegerschutz“ will nun die europäische Regulierungsbehörde ESMA Ernst machen. Vor allem bei den sogenannten Differenzkontrakten. Was passiert mit Hebelzertifikaten?

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          Die europäische Regulierungsbehörde ESMA konkretisiert ihre Pläne, bestimmte Finanzprodukte verbieten zu wollen oder stark einzuschränken. Demnach sollen binäre Optionen in der EU für den Vertrieb an Privatanleger verboten werden. Hierbei konnten Anleger entweder einen großen Gewinn erzielen oder ihr angelegtes Geld komplett verlieren. Riskante Differenzkontrakte (CFD) sollen stark eingeschränkt werden. Werbung mit Neukundenprämien oder kostenlosen Handelsaktionen sind künftig verboten. Zudem wird das Risiko beschränkt. Konnten Anleger bisher ihren Einsatz mit dem Hebel 500 vermehren oder eben schnell verlieren, sind die Hebel künftig auf 30 zu 1 bei Währungen, auf 20 zu 1 bei Aktienindizes, auf 5 zu 1 bei Aktien und auf 2 zu 1 bei Kryptowährungen beschränkt.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Bislang hatte die ESMA keine Produktverbotsmöglichkeiten. Sie konnte den Mitgliedsländern nur Empfehlungen geben. Dies hat sich zum Jahreswechsel mit der Einführung von Mifid II geändert. Nun werden in der Finanzbranche die Durchgriffsmöglichkeiten der ESMA stärker eingeschätzt, so dass mit einer Umsetzung ihrer Maßnahmen in den Mitgliedsländern zu rechnen ist. Noch sind die Vorhaben im CFD-Bereich nicht endgültig beschlossen. Mit größeren Änderungen wird aber nicht mehr gerechnet.

          Die Regeln gelten nur für Privatkunden

          Aus Großbritannien, wo CFD zu den Standardprodukten gehören, aber auch aus Deutschland, wo einige zehntausend Anleger mit CFD handeln, waren zahlreiche Eingaben im Konsultationsverfahren der ESMA gemacht worden. Der Tenor der meisten Anleger ist, dass sie Erfahrungen mit diesen Produkten haben und ob der Risiken wissen und sie auch gerne weiter wie bisher handeln würden. Die ESMA änderte jedoch nichts Wesentliches an ihren kurz vor Weihnachten publizierten Plänen (F.A.Z. vom 19. Dezember). Die Regeln gelten nur für Privatkunden, denn nur diese gelten als schützenswert. Viele Anbieter wollen ihren Kunden daher die Möglichkeit bieten, sich als professionelle Anleger einstufen zu lassen und so die Einschränkungen zu umgehen.

          Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin wurde im Zuge der verstärkten Anlegerschutzbemühungen durch das Kleinanlegerschutzgesetz mit Produktverbotsbefugnissen ausgestattet. Im Sommer 2016 plante sie ein Verbot von Bonitätsanleihen, einer Untergruppe des Zertifikatemarktes. Später kippte sie die Verbotspläne, schränkte aber den Vertrieb der Zertifikate ein und erwirkte eine Umbenennung in „bonitätsabhängige Schuldverschreibungen“. Mit Spannung wird nun beobachtet, wie die Bafin auf den Vorstoß der ESMA reagiert. Denn in Deutschland gibt es viel stärker als in anderen Ländern Hebelzertifikate, die den CFD im Risiko ähneln und teilweise deutlich höhere Hebel haben, als die ESMA sie nun für privatanlegerverträglich hält.

          Die Aktienkurse von CFD-Anbietern wie IG Group und CMC Markets haben auf die Regulierungsvorhaben mit Abschlägen reagiert. Mit Ayondo wagte dennoch ein weiterer CFD-Anbieter mit Schwerpunkt in Deutschland in diesem Umfeld seinen Börsengang. Der Großteil des Umsatzes wird jedoch nicht mit dem CFD-Handel, sondern im Social Trading erwirtschaftet. Hier können Anleger anderen Anlegern bei der Geldanlage zuschauen und deren Transaktionen auf dem eigenen Konto nachvollziehen lassen. Diese Art zu handeln wächst stark. Ayondo ist einer der Vorreiter und der erste börsennotierte Social-Trading-Anbieter überhaupt. Der Börsengang fand auf Initiative des Großaktionärs aus Singapur auch dort statt. Es ist das erste Fintech, das dort börsennotiert ist. Der Stadtstaat will diesen Bereich aber stark entwickeln und veranstaltet Fintech-Festivals. Der Erlös für Ayondo aus der Kapitalerhöhung beträgt umgerechnet 11 Millionen Euro, der Börsenwert gut 70 Millionen Euro.

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