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Geldanlage : Reich mit Aktienrückkäufen

Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender des Versicherungskonzerns Allianz, hat ein Aktienrückkaufprogramm seinen Aktionären angekündigt. Bild: dpa

Wenn Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen, gilt das als ideenlos. Anleger können dabei aber viel Geld verdienen.

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          Für manche Anleger war es eine Ungeheuerlichkeit, was Allianz-Chef Oliver Bäte neulich verkündete: Sein Dax-Konzern will den Aktionären Gutes tun, oder spitzer formuliert, ein Geschenk machen. Denn der Versicherungskonzern kauft massenhaft eigene Aktien zurück. Das müsste eigentlich alle Anleger freuen, denn die Aktien werden danach in aller Regel vernichtet. Sind fortan weniger Aktien in Umlauf, steigt der Gewinn je Aktie.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch eine Reihe professioneller Investoren, unter anderem von der Fondsgesellschaft Union Investment, lehnen solche Aktienrückkäufe ab. Bei ihnen stehen Konzerne, die ihr Geld für derartige Programme einsetzen, in einem schlechten Ruf: Einfallslos seien die Unternehmen, weil sie das Kapital nicht investieren, um ihr Geschäftsfeld zu erweitern und langfristig zu wachsen. Kurspflege würden die Konzerne betreiben, um dem Aktienkurs künstlich Auftrieb zu verleihen.

          Rückkäufe können zu einem Problem werden

          Tatsächlich lehren Erfahrungen aus der Vergangenheit, dass Rückkäufe zu einem Problem werden können. 2008 hatten deutsche Unternehmen Aktien im Wert von 16,9 Milliarden Euro zurückgekauft. Nachdem kurz darauf die Finanzkrise ausbrach, brachen ihre Gewinne und die Aktienkurse ein, den Firmen fehlte das Geld.

          Die Nöte von gestern sind vergessen. Aktienrückkäufe werden inzwischen weniger als Tabu empfunden, sondern zunehmend von Anlegern anerkannt. „Wenn man das eigene Unternehmen am günstigsten bewertet findet, halte ich Aktienrückkäufe für eine legitime Maßnahme“, sagt Jan Ehrhardt, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der von seinem Vater Jens Ehrhardt gegründeten Vermögensverwaltung DJE.

          Alternativ zu Rückkäufen könnten Unternehmen zwar auch die Dividende spürbar erhöhen. Dabei laufen sie aber Gefahr, die höhere Ausschüttung zwei, drei Jahre später nicht mehr aufrechterhalten zu können. Müssten die Unternehmen die Dividende wieder senken, ist der Verdruss der Aktionäre groß.

          Wohin mit dem vielen Geld

          Dass sich Unternehmen von ihren Eigentümern reihenweise Aktienrückkäufe genehmigen lassen, liegt vor allem daran, dass Konzerne nicht wissen, wohin mit dem vielen Geld. Es fällt ihnen schwer, Konkurrenten zu übernehmen: Zu hoch seien die Preise für Zukäufe, betont beispielsweise Allianz-Chef Bäte. Dabei gesteht er immerhin ein, dass Aktienrückkäufe eher eine phantasielose Maßnahme sind.

          Damit das Budget nicht überbordend wird und viele Milliarden nutzlos herumliegen, hat die Allianz zum dritten Mal innerhalb von nur eineinhalb Jahren ein Rückkaufprogramm gestartet. Sechs Milliarden Euro wird sie am Ende ausgegeben haben. Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp findet so etwas gut: „Wenn ein Geschäftsmodell auf hohem Niveau stagniert, sind Rückkäufe allemal besser, als einen Konkurrenten für sehr viel Geld zu übernehmen.“ Vorsicht geboten sei aber bei Unternehmen, die stark wachsen und trotzdem eigene Aktien kaufen – womöglich auf Pump.

          Deutsche Konzerne sind noch relativ zurückhaltend. In Amerika gehören Aktienrückkäufe („Buybacks“) fast zur Tagesordnung. Dort knausern die Konzerne oft an der Dividende und beteiligen ihre Eigentümer lieber über Rückkäufe am Unternehmenserfolg. Für dieses Jahr werden die Firmen aus dem Aktienindex S&P 500 schätzungsweise eigene Aktien im Wert von 800 Milliarden Dollar zurückkaufen – es wären 150 Milliarden Dollar mehr als im bisherigen Rekordjahr 2007.

          Rekordrückkäufe in Amerika

          Allein Apple erwirbt eigene Papiere für 100 Milliarden Dollar; schon in den fünf Jahren zuvor seit 2012 hatte der Technologiekonzern dafür 200 Milliarden Dollar aufgewendet. Dass amerikanische Unternehmen so viel Geld haben, um eigene Aktien zurückzukaufen, hat vor allem zwei Gründe. Zum einen sprudeln die Gewinne aufgrund der guten Konjunktur. Zum anderen nutzen sie die Anreize der jüngsten Steuerreform, um Kapital aus dem Ausland zurückzuholen.

          Zumindest kurzfristig entfalten Rückkaufprogramme eine Wirkung, hat die Investmentbank Morgan Stanley herausgefunden: In den zwölf Monaten nach Ankündigung eines Programms steige der Kurs der entsprechenden Aktie elf Prozent stärker als der Markt. Welchen Schwung Kaufprogramme geben können, zeigt das Beispiel Adidas: Der Sportartikelhersteller hat am 1. Oktober 2014 sein erstes Aktienrückkaufprogramm über drei Jahre angekündigt, im vergangenen März ein zweites. Der Aktienkurs hat sich seit 2014 verdreifacht.

          Aber auch wer sich nicht an ein einzelnes Unternehmen binden will, kann an Rückkäufen mitverdienen. So werden im „S&P 500 Buyback Index“ 100 Unternehmen geführt, die die meisten Aktienrückkäufe im Verhältnis zum Börsenwert getätigt haben. Der Index hat in den vergangenen fünf Jahren um mehr als elf Prozent jährlich zugelegt, einen halben Prozentpunkt mehr als der S&P 500 als Ganzes. Die französische Fondsgesellschaft Amundi bietet einen ETF auf diesen Index, den S&P 500 Buyback ETF (ISIN: FR0012395473).

          Erst vor sieben Monaten aufgelegt hat der Vermögensverwalter DJE seinen Fonds „Buyback & Dividend“ (ISIN: LU1681425010). Der Fonds investiert in Konzerne, die durch hohe Dividenden, Aktienrückkäufe und Kurssteigerungen eine hohe Rendite versprechen. Zweitgrößter Wert mit einem Anteil von vier Prozent ist Apple. Seit Dezember ist der Fonds 2,5 Prozent im Plus.

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