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Reinhard Panse im Gespräch : Geldanlage in Zeiten des Populismus

Hamburg 1946: Kriege bieten Voraussetzungen zur Entschuldung. Bild: dpa

Reinhard Panse, Chefanlagestratege des Vermögensverwalters HQ Trust im Gespräch über populistische Politik, die Aktienmärkte und Parallelen zur Nachkriegsgeschichte und der 68er-Revolte.

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          Rund fünfzig Jahre ist sie her, die 68er-Revolte. Sie bescherte Deutschland eine unruhige Zeit und für Aktienanleger wurden es schwierige Jahre. Unruhig sind die Zeiten ein halbes Jahrhundert später auch wieder, und es scheint nicht wahrscheinlich, dass dies an den Finanzmärkten spurlos vorbeigeht. Ob sich indes Geschichte so einfach wiederholt, ist ebenso wenig wahrscheinlich. „Es gibt Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zwischen der Situation damals und heute“, sagt Reinhard Panse, Geschäftsführer und Chef-Anlagestratege des Multi-Family-Office HQ Trust. Und beginnt mit einem wesentlichen Unterschied: „Einer der wesentlichen Auslöser der 68er-Revolte war der Vietnamkrieg. Einen militärisch-ideologischen Konflikt dieser Größenordnung gibt es heute nicht.“

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch was Panse dann im Folgenden skizziert, erscheint trotz der anderen Ausgangssituation in der Konsequenz vertraut. „Der Krieg hat zu hohen, wenig produktiven Staatsausgaben geführt. Die Vereinigten Staaten gerieten in finanzielle Schwierigkeiten, was im Effekt dazu geführt hat, dass der Goldstandard von Bretton Woods zusammenbrach. Diese hohen Staatsausgaben bewirkten einen Inflationsdruck, dem man zunächst nicht entgegengewirkt hat, weil man wegen der Ölkrise die Unternehmen nicht zusätzlich belasten wollte.“ Selten waren die Realzinsen so tief wie Mitte der siebziger Jahre, als sie minus 5 Prozent und weniger erreichten. So habe man die Kriegslasten finanzieren können, aber auch die Ausdehnung des Sozialstaats, die seinerzeit als Reaktion auf die unruhige Lage begonnen habe.

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