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Geldanlage in Aktien : Millionen mit Hanf

Bringt es Cannabis noch? Bild: dpa

Die Aktienkurse vieler Cannabis-Konzerne sind abgestürzt. Ein deutsches Start-up sammelt trotzdem noch Millionen ein.

          3 Min.

          Eine Zeitlang hat Hanf (botanischer Name: cannabis sativa) die Anleger an der Börse in schiere Verzückung versetzt. Weil mehr und mehr Länder den Cannabis-Konsum legalisierten – sei es nur zum medizinischen Gebrauch für Schmerzpatienten wie in Deutschland, sei es ganz allgemein wie in Kanada –, stiegen die Aktienkurse nordamerikanischer Cannabis-Anbauer wie Aphria, Aurora und Canopy Growth raketenartig. Tabakkonzerne und Getränkehersteller kauften sich in der Hoffnung auf glänzende Geschäfte mit der einst als Kiffer-Kraut verrufenen Ware für sehr viel Geld in die neu entstehende Branche ein. Das frische Kapital wollte investiert sein. So übernahm erst im Frühjahr Canopy Growth für satte 226 Millionen Euro den bis dato größten deutschen Anbieter, die Cannabis-Sparte des in der Oberpfalz beheimateten Naturheilmittelherstellers Bionorica.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun aber ist Ernüchterung an die Stelle der Begeisterung getreten, der Goldrausch ist erst einmal vorbei. Um fast die Hälfte sind zuletzt die Kurse der vierzig großen börsennotierten Cannabis-Anbieter gesunken, die im Indexfonds „Alternative Harvest“ vertreten sind. Dafür gibt es gute Gründe. Erstens kommen nach dem großen Legalisierungsschwung der beiden vergangenen Jahren nicht mehr so viele neue Absatzmärkte dazu. Zweitens ist dort, wo Cannabis nur zu medizinischen Zwecken freigegeben wurde, der Verkauf von strengen Auflagen begrenzt. Und drittens sind die Anbauflächen und damit die Erntemengen viel stärker gewachsen als die Nachfrage. Nach Auskunft der dortigen Gesundheitsbehörde haben sich die in Kanada eingelagerten Hanfbestände innerhalb eines Jahres fast vervierfacht, auf rund 400 Tonnen. Das entspricht der Menge, die in Kanada in zweieinhalb Jahren konsumiert wird.

          Auch in Deutschland haben sich nicht alle Hoffnungen erfüllt. Der mit großem Tamtam angetretene, aber schnell in den Verdacht mangelnder Seriosität geratene Frankfurter Cannabis-Händler Farmako hatte seinen Marktwert auf 100 Millionen Euro veranschlagt, ist dann aber bloß für einen Bruchteil davon übernommen worden. Als Privatanleger sollte man also lieber einen großen Bogen um alles machen, was mit Hanf zu tun hat.

          Profi-Investoren sehen noch Chancen

          Profi-Investoren sehen hingegen durchaus noch einige Chancen. Zum Beispiel bei Finn Hänsel. Er ist erst Mitte dreißig, zählt unter den Vorkämpfern für die Entkriminalisierung von Cannabis in Deutschland aber schon zu den Veteranen. Mit 17, damals war er noch Vorsitzender des Flensburger Kreisverbands der Jungen Union, machte er mit einem forschen Legalisierungs-Antrag von sich reden, der auf dem Landesparteitag der Nachwuchsorganisation von CDU und CSU indes keine Mehrheit fand. Die Zeit war noch nicht reif dafür. Hänsel verdingte sich zwischenzeitlich beim Internethändler Zalando, führte dann die Geschäfte des Umzugsunternehmens Movinga und machte sich in der Berliner Digital-Start-up-Szene einen Namen.

          Vor einem Jahr fand er, inzwischen in die Erwachsenen-Abteilung der Union übergewechselt, zu seinem alten Thema zurück und gründete zusammen mit einem Kompagnon das Unternehmen Sanity Group. Geschäftsmodell: Import von medizinischem Cannabis nach Deutschland sowie Vertrieb von hanfhaltigen, aber nicht verschreibungspflichtigen Kosmetik- und Lifestyle-Produkten wie Badezusätzen. „Außerdem arbeiten wir an neuen Darreichungsformen für Cannabis-Patienten“, sagt Hänsel. Worum es dabei genau geht, will er noch nicht verraten. Es ist aber leicht vorstellbar, dass es fürs Inhalieren auch Hilfsmittel geben könnte, die einen komfortableren Umgang mit der Pflanze ermöglichen.

          Derzeit sucht Hänsel für seine Firma nach neuen Investoren. Der neue Realismus auf dem Cannabis-Markt mache ihm dabei nicht zu schaffen, behauptet er. Viele Wettbewerber hätten unverhältnismäßig viel Geld in den Aufbau großer Gewächshäuser in Kanada und Dänemark gesteckt, wo die klimatischen Bedingungen für den Cannabis-Anbau nicht besonders günstig seien. „In Kanada liegen die Produktionskosten für ein Gramm bei 3 Euro“, rechnet er vor. „In Israel sind es nur 20 Cent.“ Daher würden sich auf Dauer Produktionsstätten im Mittelmeerraum durchsetzen, und genau von dort wolle Sanity hauptsächlich Ware beziehen. Das Argument scheint zu verfangen. Zehn Millionen Euro zusätzliches Kapital seien schon zugesagt, versichert Hänsel, noch einmal so viel soll in den kommenden Wochen dazukommen. Ein Börsengang jedoch, räumt Hänsel ein, sei derzeit nicht vorstellbar. Dazu sei die Stimmung unter den Anlegern zu mies.

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