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Geldanlage in Aktien : Diese Industrie-Aktien springen an

  • -Aktualisiert am

Eine Frau testet ein VR-Display von Schneider Electric. Bild: EPA

Trotz Konjunktursorgen gibt es bei zwei europäischen Industrie-Aktien neue Kaufsignale. Die technische Analyse.

          3 Min.

          Bei den deutlichen Kursgewinnen an den amerikanischen und europäischen Aktienmärkten fallen die grundlegenden technischen Verbesserungen besonders bei den Industriewerten auf. Ganz im Gegensatz zur schlechten Stimmung in der europäischen und deutschen Industrie und der Diskussion über „technische Rezessionen“ glänzt der Sektorindex Stoxx Europe Industrial Goods & Services sogar mit neuen Allzeithochs. Hier spiegelt sich die Erwartung der Marktteilnehmer wider, dass es für viele Unternehmen im Jahr 2020 wieder bergauf gehen sollte. Innerhalb des Sektors stellen mit Blick auf die Sektorschwergewichte jetzt Deutsche Post, die französischen Safran und Schneider Electric sowie Siemens technische Käufe dar. Auch die lange Zeit unter Druck stehende Schweizer ABB werden jetzt aufgrund der Verbesserungen als technische Halteposition eingestuft.

          Der Stoxx Europe Industrial Goods & Services umfasst aktuell 104 Titel aus dem Stoxx 600. Dieser Sektorindex, ein Kursindex, startete im Dezember 1991 bei 100 Punkten. Einerseits verdeutlicht die hohe Zahl der Aktien, dass viele Sektorwerte ein „technisches Eigenleben“ führen. Aktuell sind es aber die technischen Verbesserungen bei Sektorschwergewichten, die für ein Anspringen des Sektorindex verantwortlich sind. Der Sektor, der im Vergleich der 19 Stoxx-Sektoren – trotz seiner zyklischen Aspekte – eine langfristige relative Stärke aufweist, konnte auch den Euro Stoxx 50 in den letzten knapp 30 Jahren deutlich überflügeln.

          Der Index befindet sich seit 1987 (Start bei 66,20) in einer sehr langfristigen Hausse-Bewegung, die nur aus drei technischen Phasen besteht. Zuerst die Hausse von November 1987 bis Februar 2000 mit einem Kursanstieg bis auf 417. Die zweite Phase war von Februar 2000 bis April 2013 eine von hohen Schwankungen begleitete Seitwärtspendelbewegung. Die dritte Phase ist der laufende technische Hausse-Zyklus. Dieser startete im März 2009 bei 146,60.

          Seit Oktober 2011 (Start um 236) liegt ein klassischer Hausse-Trend (zentrale Hausse-Trendlinie zurzeit bei 513) vor. Mit Hilfe dieses Trends war der Sektorindex zunächst aus der vorherigen, 13-jährigen Seitwärtspendelbewegung und dann bis Januar 2018 auf neue Allzeithochs (Widerstandszone um 564) gelaufen. Seitdem bewegte sich der Index in einem Trading-Markt und einer Korrektur unterhalb dieser Widerstandszone. Diese technische Korrektur hatte bereits einen trendbestätigenden Charakter (nach oben). Deshalb überrascht es nicht, dass der Index zuletzt mit einem neuen Investment-Kaufsignal (Überwinden von 564) angesprungen ist und die Fortsetzung der Hausse mit einem mittelfristigen technischen Kurspotential bis 650 ansteht.

          Neues Kaufsignal bei Schneider Electric

          Der französische Euro Stoxx 50 Titel Schneider Electric entwickelt, produziert, vermarktet und verkauft weltweite eine umfangreiche Palette von Produkten mit Elektro- und Industriebezug. Die Aktie von Schneider Electric gehört aus technischer Sicht zu den moderaten Wachstumswerten, allerdings mit einer hohen Schwankungsintensität. Seit dem Kurstief bei 11,10 Euro im Dezember 1992, bereinigt um zwischenzeitliche Kapitalmarktaktivitäten wie Aktiensplits, befindet sich der Titel in eine moderaten Hausse-Bewegung, die seit dem Jahreswechsel 2010/2011 (Start bei 35 Euro) an Aufwärtsmomentum gewinnt. Der seit knapp 9 Jahren bestehende zentrale Hausse-Trend liefert zurzeit eine Hausse-Trendlinie bei 62 Euro.

          Seit dem Jahreswechsel 2018/2019 und Kursen um 60,20 Euro hat Schneider Electric wieder einen neuen mittelfristigen Aufwärtstrend etabliert, der die Aktie zunächst an die Widerstandszone im Umfeld der alten Allzeithochs um 78,60 Euro geführt hat. In den letzten Handelstagen ist der Titel aus der trendbestätigenden Mini-Konsolidierung im Umfeld der alten Allzeithochs mit einem neuen Investment-Kaufsignal angesprungen. Hier deutet sich jetzt die Chance auf eine technische Neubewertung der Aktie. Da das nächste technische Etappenziel bei 95 Euro liegen sollte, stellt Schneider Electric, die aktuell eine (Brutto-)Jahresdividendenrendite von 2,6 Prozent bieten, einen technischen (Zu-)Kauf dar.

          Siemens ein technischer Kauf

          Siemens war mit Hilfe des feinen mittelfristigen Hausse-Trends von Oktober 2015 bis Mai 2017 von 78 Euro bis 133,50 Euro (Widerstandszone) gestiegen. Danach drehte die technische Lage von Siemens. Begleitet von mehreren (Trading-)Verkaufssignalen etablierte der Titel einen Abwärtstrend, der sich in den Folgemonaten zu einem Baisse-Kanal ausgeweitet hatte. Bei einem Baisse-Kanal läuft der Kurs einer Aktie zwischen zwei parallelen Abwärtstrendlinien für einen längeren Zeitraum nach unten.

          SIEMENS

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          Bei Siemens weitete sich die dabei entstandene relative Schwäche kontinuierlich aus, und der Kursverfall mündete in einen technischen Ausverkauf (August 2019) bei Kursen um 84,40 Euro. Vor dem Hintergrund der mittelfristig überverkauften Lage ist der Kurs von Siemens nach oben umgeschlagen. Seitdem hat Siemens einen kurzfristigen, steilen Aufwärtstrend etabliert. In den letzten Handelstagen ist der Titel aus dem vorherigen, zweieinhalbjährigen Baisse-Trendkanal mit einem neuen Investment-Kaufsignal herausgesprungen. Siemens stellt damit wieder einen konservativen technischen Kauf dar.

          Der Autor leitet den Bereich Technische Analyse & Index Research der Commerzbank.

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