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Geldanlage in Aktien : Die kleinen Franzosen enttäuschen

Bessere Stimmung, mehr Anlegervertrauen: Frankreichs Aktienmarkt lief zuletzt gut. Bild: Matthias Lüdecke

Der Index CAC Small läuft schlechter als sein großer Bruder – das ist ungewöhnlich. Immerhin zeichnet sich eine gewisse Rückkehr der Investoren ab.

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          Die größte Aktieneinführung Frankreichs seit vier Jahren ist geglückt. Die Glücksspiel- und Lotterie-Aktie Française des Jeux (FDJ) fand vor zwei Wochen viele Abnehmer und konnte daher am oberen Ende der vereinbarten Preisspanne buchstäblich unters Volk gebracht werden. Die Privatisierung von FDJ sollte nach dem Wunsch der französischen Regierung eine Volksaktie hervorbringen. Finanz- und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire rief die Bürger immer wieder zur Zeichnung der „sicheren Aktie“ auf und bot Sonderkonditionen in Form eines Preisabschlags von 2 Prozent sowie einer Gratisaktie bei langem Halten.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          So sprang der FDJ-Kurs am ersten Handelstag um 16 Prozent nach oben. Der Staat reduzierte seinen Kapitalanteil von gut 72 auf 22 Prozent. Mehr als 500 000 Privatanleger griffen zu. In Frankreich, wo sich die ohnehin ausgeprägte Abneigung gegenüber dem Direktbesitz von Aktien seit der Finanzkrise noch verstärkt hat, ist dies ein schöner Erfolg. Fehlerfolge früherer „Volksaktien“ wegen schlechter Kursentwicklung wie die von Électricité de France oder France Télécom-Orange scheinen die Franzosen abgehakt zu haben.

          Die Aktien von Lotterie-Betreibern gelten als stabile, aber unspektakuläre Werte, ähnlich wie Versorgungsbetriebe. Die Menschen spielen einfach immer Lotto – in guten wie in schlechten Zeiten. Wer dann noch wie FDJ langjährige Monopolrechte besitzt und in Europa die Nummer zwei nach dem italienischen Anbieter Lottomatica ist, kann gelassener in die Zukunft blicken als viele andere.

          Aktien von Lotterie-Betreibern gelten als stabil

          FDJ dürfte mit einer Marktkapitalisierung von rund 4,2 Milliarden Euro bald zum Index SBF 120 gehören. Das ist der weitergefasste Börsenkorb der 120 höchstbewerteten Unternehmen Frankreichs. Derzeit gilt an der französischen Börse die Regel: Je weiter man sich von Frankreichs Spitzenunternehmen entfernt und auf kleinere Unternehmen blickt, desto schlechter ist das Abschneiden. So hat der führende Index CAC 40 der vierzig größten Unternehmen seit Jahresbeginn um rund 25 Prozent zugelegt. Der breitere SBF 120 liegt bei 23 Prozent, doch der Index der kleineren Unternehmen – der CAC Small mit seinen rund 180 Aktien im Marktwert von jeweils maximal 780 Millionen Euro – hat seit Anfang 2019 nur um 11 Prozent zugelegt.

          CAC 40

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          Es ist schon das zweite Jahr in Folge, dass die kleinen Aktien schwächer tendieren als die großen. Im vergangenen Jahr verlor der CAC Small 27 Prozent, während sich beim CAC 40 die Verluste auf 11 Prozent beschränkten. „Die Unterbewertung in den vergangenen 18 Monaten beläuft sich auf rund 30 Prozent“, sagte Sébastien Lalevée, Generaldirektor des Vermögensverwalters Financière Arbevel, dem „Figaro“.

          Traditionell verhält es sich oft umgekehrt. Man muss in Frankreich bis auf die Jahre 2011 und 2012 zurückgehen, um eine ähnliche Entwicklung über einen derart langen Zeitraum zu finden. Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) haben oft noch viel Wachstumsspielraum nach oben, der bei den großen Konzernen weitgehend ausgereizt ist, berichten Analysten. Die KMU sind in Nischenmärkten tätig, wo die Konkurrenz schwächer ausgeprägt ist. Auch wenn es bei den Kleinen immer wieder zu Totalausfällen kommen kann, legen sie im Durchschnitt häufig gute Kursentwicklungen hin. Dass sie gern Kandidaten für Aufkäufe durch große Unternehmen sind, steigert ihren Wert zusätzlich.

          Viele Aktionäre bevorzugen die großen Werte

          Doch über weite Strecken dieses Jahres herrschte eine andere Logik. Die Anleger blicken auf die große weltpolitische Wetterlage und werden die Sorgen nicht los. Protektionismus, chinesisch-amerikanische Spannungen, die Wachstumsschwäche Europas und der Brexit sind nur einige der Schlagworte, die zur Zurückhaltung mahnen. Daher bevorzugen viele Aktionäre derzeit die großen Werte, weil sie als sicherer gelten. Sie haben vorhersehbare Einkommensströme und sind meist stark diversifiziert – wenn nicht im Hinblick auf die Produkte, dann in Bezug auf ihre geographische Präsenz. Wenn es an einer Stelle einbricht, geht es anderswo aufwärts.

          Die französischen KMU dagegen sind oft nur auf Europa konzentriert und spüren mit voller Wucht die europäische Flaute, gerade wenn sie auf das benachbarte Deutschland angewiesen sind. Die Aktien der KMU sind auch weniger liquide – ein weiterer Grund zur Vorsicht in unsicheren Zeiten. Aktiensparpläne, die sich in Frankreich auf KMU spezialisierten, verzeichneten in diesem Jahr trotz der noch erreichten Kurssteigerungen im Saldo einen Abfluss von Investorengeldern. Deren Umfang übersteigt sogar noch jene des Vorjahres. Verschiedene Kurseinbrüche sorgten für Abschreckung, etwa beim Zweitverwerter von Kleidermarken Showroomprivé, beim Anislikörhersteller Marie Brizard oder beim Anbieter medizinischer Bildgebung EAO.

          Immerhin zeichnet sich seit Herbst dieses Jahres eine gewisse Rückkehr der Investoren ab. Angesichts des vielen billigen Geldes und der Suche nach Alternativen zu den Großkonzernen sind die KMU für manchen Anleger wieder interessant geworden. Doch ob das Comeback dauerhaft ist, will in Paris derzeit niemand sagen.

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