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Geldanlage in Wertpapiere : Amerikas Gesundheitsaktien als sicherer Hafen

Ein unscheinbares Labor in Wisconsin von Exact Sciences Laboratories, die Aktie des Unternehmens ist im Fokus von Anlageexperten. Bild: Reuters

Die britische Investment-Boutique Artemis hält das amerikanische Gesundheitssystem trotz aller Diskussionen für stabil. Bestimmte Unternehmen in diesem Bereich haben für Aktienanleger Potenzial.

          Geht es um die Vereinigten Staaten, so reduziert sich das Themenspektrum derzeit sehr rasch: Alles scheint sich um Präsident Donald Trump zu drehen – was diesem vermutlich recht ist. Auch Cormac Weldon, Fondsmanager bei der britischen Investment-Boutique Artemis, kommt an diesem Thema nicht vorbei. Insgesamt aber gibt er sich gelassen. „Die größeren Risiken wie Trumps Handelspolitik sind zumindest teilweise eingepreist“, meint er. „Und im Falle einer Wiederwahl wird Trump den Handelskonflikt beilegen.“

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Obwohl sich Weldon in dieser Hinsicht nicht ganz sicher ist. Schließlich gehe es in Wirklichkeit um Fragen des geistigen Eigentums, und da lägen die Ansichten der Kontrahenten weit auseinander. „Das Hauptrisiko ist, dass sich der Konflikt fortsetzt oder gar verschlimmert. Ein umfassendes Embargo auf amerikanische Technik ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.“

          Derzeit müsse man sich wohl auch damit anfreunden, dass Trump wiedergewählt werde. Letztlich komme es darauf an, wen die Demokraten ins Rennen schickten. „Linke wie Elizabeth Warren oder Bernie Sanders werden gegen Trump nicht gewinnen. Das ist zwar auch den Demokraten klar, aber an dieser Stelle sind mittlerweile auch ideologische Standpunkte von Bedeutung.“

          In diesem Fall würde Trumps Wiederwahl auch erst recht als positiv für den Aktienmarkt gesehen. Insgesamt erwartet Weldon für 2020 keine Rezession, aber ein schwächeres Wachstum, so dass auch seine Hoffnungen für den Aktienmarkt moderat sind. „Fünf bis zehn Prozent Plus sind möglich, wobei die Lösung des Handelskonflikts hilfreich wäre.“

          Das Gesundheitswesen - ein latentes Streitthema in Amerika

          Weldon sieht in Gesundheitsaktien eine gute Möglichkeit, sich entsprechend zu positionieren. Das Gesundheitswesen sei zwar ein latentes Streitthema zwischen Trump und den Demokraten. Ein Großteil der Opposition strebe eine fundamentale Änderung an, bis hin zu Sanders, dem ein universelles Gesundheitssystem nach europäischem Vorbild vorschwebe. Aber Weldon glaubt nicht, dass sich damit eine Präsidentenwahl gewinnen lässt. „Man kennt im Ausland vor allem Medicare für sozial benachteiligte Gruppen und Medicaid für Ruheständler. Doch die große Mehrheit der Amerikaner ist über den Arbeitgeber steuerfrei krankenversichert und damit letztlich sehr zufrieden.“

          In diesem System komme den Krankenversicherungen eine zentrale Rolle bei der Bestimmung der Kosten zu, die letztlich mit den Anbietern die Preise aushandelten. Dass der Staat hier kaum Einfluss nehmen könne, behage vielen Demokraten nicht. Doch dieses System wird bestehen bleiben, denkt Weldon. Deswegen hält Weldon auch Aktien von Krankenversicherern. Denn diese spielten darin eine zentrale, positive Rolle. Dass das System verbessert werden kann, will Weldon gar nicht bestreiten. „Obamacare“ sei durchaus ein Schritt nach vorn gewesen. „Es hat das Netz in einem System erweitert, in dem einige eher rudimentär versichert sind.“ Deswegen sei „Obamacare“ letztlich auch populär, und darum habe Trump auch die wiederholten Versuche aufgegeben, es zu beseitigen.

          Das existierende amerikanische Gesundheitswesen sei unstreitig das innovativste der Welt und subventioniere über die hohen Kosten den Rest der Welt durch die bessere Amortisation von Forschungs- und Entwicklungskosten. Aus diesem Grund setzt Weldon nicht zuletzt auch auf kleine, innovative Gesundheits-Unternehmen, vor allem wenn deren Technik die Dauer einer stationären Behandlung senken könne. Diese sei stets die teuerste unter den Gesundheitsleistungen, und so hätten diese Techniken gute Chancen, sich durchzusetzen.

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          Als Beispiele nennt er etwa Intuitive Surgical, deren Produkte aus der Roboterchirurgie Eingriffe minimalinvasiv möglich machen und damit Klinikaufenthalte verkürzen können. Dexcom, ein Hersteller von Systemen zur kontinuierlichen Blutzuckerüberwachung, gehört für ihn ebenso dazu wie Exact Sciences aus dem Bereich der Krebsfrühdiagnostik. Diese Unternehmen könnten vergleichsweise enorme Fortschritte bewirken. „Man muss bedenken, dass man vor fünf bis zehn Jahren noch minimale Verbesserungen von Medikamenten für den höchsten medizinischen Fortschritt hielt.“

          Weniger gut seien derzeit die Aussichten für Unternehmen, deren Patente auf Medikamente ausliefen oder die in den großen Anwendungsfeldern unterwegs seien, wo sich alle tummelten. „Auch die großen Pharmaunternehmen sind tendenziell weniger innovativ. Aber für eine defensive Positionierung sind sie immer noch gut, Aktien von Krankenversicherern sind hier ebenso hilfreich.“

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