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DWS-Börsengang : Geld verdienen mit Finanzprofis

Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Die Fondsgesellschaft DWS will dorthin, wo Amundi, Blackrock & Co. längst sind – an die Börse. Ein Blick auf die Konkurrenten zeigt, was für die DWS möglich ist und was nicht.

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          Demnächst wird Deutschland etwas Neuartiges erleben. Vorausgesetzt, der Markt wird in den nächsten Wochen nicht noch angespannter, wird die Deutsche Bank ihre Fondsgesellschaft DWS in Kürze zu einer eigenständigen Gesellschaft machen. Damit würde hierzulande erstmals ein großer Vermögensverwalter an die Börse gehen.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zu welchen Bedingungen, in welchem Maße und zu welcher Bewertung die Deutsche Bank sich von bestehenden Aktien trennen will, ist zwar noch vage. Marktbeobachter gehen aber davon aus, dass Deutschlands größtes Geldinstitut ein Viertel der Aktien verkauft und damit bis zu zwei Milliarden Euro erlöst. Anlegern verspricht DWS-Chef Nicolas Moreau „attraktive Renditen“. Umsatzwachstum, Kostendisziplin und eine ordentliche Dividende sollen dazu beitragen. Man darf gespannt sein.

          Was in Deutschland ein Novum sein wird, ist in anderen Ländern längst Alltag. In den Vereinigten Staaten sind eine Reihe von Fondsgesellschaften an der Börse notiert, allen voran Blackrock, mit einem verwalteten Vermögen von rund 6,3 Billionen Dollar die größte der Welt. Auch im europäischen Ausland finden sich börsengeführte Vermögensverwalter, beispielsweise Schroders und Jupiter in Großbritannien, GAM und Partners Group in der Schweiz und als inzwischen größte europäische Fondsgesellschaft Amundi.

          SCHRODERS PLC LS 1

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          Der Vermögensverwalter aus Frankreich ist im November 2015 an die Börse gegangen, und die Aktie hat sich gut entwickelt. Rund 40 Prozent hat sie seither gewonnen, vor der jüngsten Korrektur lag sie sogar 70 Prozent im Plus. Auch Jupiter und Partners Group haben deutlich an Wert gewonnen, wenn auch nicht in dem Maße wie der Marktführer aus Amerika: Die Blackrock-Aktie hat in den vergangenen zwei Jahren 80 Prozent zugelegt, das Unternehmen bringt es damit auf eine Marktkapitalisierung von rund 86 Milliarden Dollar. Ein Zehntel davon wird vermutlich der Börsenwert der DWS betragen.

          Vermögensverwalter profitieren seit Jahren davon, dass ihnen Anleger in Zeiten lockerer Notenbankpolitik immer mehr Geld anvertrauen. Je höher das verwaltete Vermögen, desto mehr nehmen Fondsgesellschaften durch Verwaltungsgebühren und gegebenenfalls Erfolgsprämien ein. Die DWS verwaltet ein Vermögen von rund 700 Milliarden Euro und hat damit in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres 600 Millionen Euro Gewinn vor Steuern gemacht. Der europäische Konkurrent Amundi hat 1,43 Billionen Euro unter seinen Fittichen, also doppelt so viel wie die DWS, und hat 2017 vor Steuern mehr als eine Milliarde Euro verdient.

          AMUNDI

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          Die Franzosen, erst 2010 als Tochtergesellschaft der Banken Société Générale und Crédit Agricole gegründet, kleckern nicht – sie klotzen. Fast 71 Milliarden Euro sind den Amundi-Fonds 2017 zugeflossen, die DWS kam auf 16 Milliarden. In den nicht einmal zweieinhalb Jahren seit dem Börsengang ist das von den Franzosen verwaltete Vermögen um 50 Prozent gestiegen.

          Das liegt auch daran, dass Amundi im vergangenen Sommer Pioneer von Uni Credit erwarb und damit Anlegergeld in Höhe von 240 Milliarden Euro übernahm. Die Erfolgsgeschichte soll sich fortsetzen, bis 2020 will Amundi Zuflüsse von 150 Milliarden Euro erreichen. Das entspricht einer Steigerung von sieben Prozent. Im Vergleich dazu muten die Ziele der DWS – ein Nettozuwachs von drei bis fünf Prozent – eher bescheiden an. Doch selbst dies halten Marktbeobachter für recht ehrgeizig.

          Blackrock

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          Dazu kommt, dass die Franzosen unter Führung ihres Chefs Yves Perrier die Kosten im Griff haben: Die Kosten-Ertrags-Quote liegt bei 52,4, im Vergleich dazu steht die DWS mit ihren 71 Prozent deutlich schlechter da. Anders ausgedrückt: Um einen Euro zu verdienen, muss Amundi knapp 52 Cent aufwenden, die DWS dagegen 71 Cent. In Zukunft sollen es bei den Frankfurtern weniger als 65 Cent sein, heißt es in der Ankündigung des Börsengangs.

          Auch beim Werben um Aktionäre hat die DWS vor allem den Konkurrenten aus Frankreich im Blick. Während beispielsweise Blackrock maximal die Hälfte seiner Gewinne an die Aktionäre ausschüttet, verwöhnt Europas Marktführer seine Eigentümer geradezu. 65 Prozent werden ausgeschüttet, was aktuell eine Dividendenrendite von rund 3,6 Prozent bedeutet. Die DWS will die französische Konkurrenz übertrumpfen, 65 und 75 Prozent der Gewinne ausschütten und mit dieser Quote Aktionäre anziehen.

          JUPITER FD MANAG. LS -,02

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          Was Anleger allerdings mit Argusaugen beobachten: Die Zeiten für Fondsgesellschaften dürften härter werden. Allmählich steigen die Zinsen, was die zum Teil hohen Bewertungen von Aktien – Blackrock hat ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18, Amundi von 14 – unter Druck bringt. Auch werden die aktuell noch ordentlichen Gewinnspannen der Vermögensverwalter künftig wohl geringer ausfallen. Den meisten Gewinn bringen aktiv verwaltete Fonds, auch bei der DWS. Weil aber immer mehr Anleger ihr Geld in die vergleichsweise günstigen Indexfonds (ETF) stecken, erhalten die Fondsgesellschaften weniger Gebühren.

          Der Börsengang der DWS fällt in eine Zeit, in der Bewegung im Markt herrscht. Standard Life und Aberdeen haben fusioniert, auch Janus und Henderson machen nun gemeinsame Sache. Die DWS schließt die eine oder andere Übernahme nicht aus. Allerdings werden sie wohl eher klein ausfallen, nimmt die deutsche Fondsgesellschaft doch durch den Börsengang zunächst kein Geld ein. Eine volle Kasse hat Amundi, das im vergangenen Jahr für Pioneer 3,5 Milliarden Euro bezahlte und immer noch Bares in Höhe von rund zwei Milliarden zur Verfügung hat. Die Analysten von J.P. Morgan sind von der Wachstumsstrategie überzeugt. Amundi erweitere sich geographisch, verbreitere die Produktpalette und kurbele den Vertrieb weiter an.

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