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Die Börsenwoche : Gibt es Gespenster auf dem Börsenparkett?

Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse Bild: Wolfgang Eilmes

Zwar erreichte der Dax in der vergangenen Börsenwoche ein Allzeithoch, doch dem Bullen war keine lange Verweildauer vergönnt. Ist es die Angst vor Inflation, die Anleger zum Verkaufen treibt?

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          Manchmal wünscht man sich die guten alten Zeiten herbei. Bloß, dass sie nicht immer gut waren. Vor einem Jahr etwa hatte der F.A.Z.-Aktienindex, der mit 100 Werten den deutschen Aktienmarkt in seiner Breite abbildet, gerade binnen acht Handelstagen um stattliche 14 Prozent nachgegeben. Und was man damals nicht wusste: Das war die bessere Hälfte. Denn in den folgenden acht Handelstagen ging es noch einmal um 30 Prozent abwärts.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine Erfahrung, auf die wohl kaum ein Anleger nicht gern verzichtet hätte. Da ist 2021 doch schöner. Und was hätte die Woche schön sein können, kletterte der Dax am Mittwoch doch auf ein Allzeithoch. Aber wie war das mit der Fahrradkette: Am Freitag lag der Index unter dem Ausgangsniveau vom Montag. Aber, hey! Gegenüber der Vorwoche 1 Prozent mehr ist doch auch was. Und auch in Amerika beendete der S&P-500-Index die Woche dann doch noch mit einem Plus von 0,8 Prozent.

          Es ist kaum anzunehmen, dass sich in diese Woche etwas an den Umständen ändert, die das zittrige Auf und Ab (mit etwas Netto-Auf) der Kurse dominieren. So könnte es im Dax also auch in dieser Woche wieder ein Allzeithoch geben oder auch ein, zwei Prozent weniger.

          Und was treibt den Marktteilnehmern derzeit die Farbe aus dem Gesicht und immer wieder die Röte ins Depot? Das Inflationsgespenst. Nicht, dass sie sich einig wären, wie es genau aussieht und ob es überhaupt Gespenster gibt. Einigkeit besteht weitgehend nur auf kurze Sicht, nämlich dass es im Zuge der Lockerung der Corona-Beschränkungen zu einem Preisauftrieb kommen wird. Das führt zu einer Situation des „Ich-weiß-nicht-so-recht“.

          Anfang der Vorwoche hatten sich die Anleger im Vorfeld der amerikanischen Arbeitsmarktdaten vom Mittwoch ein wenig beruhigt. Doch dann machten sie diese nervös. Nach Lesart der Märkte ließen diese der Fed wenig Spielraum für Zinserhöhung zur Inflationsbekämpfung. Als dann am Donnerstag Fed-Gouverneur Jerome Powell klarmachte, dass die Fed ihre lockere Zinspolitik nicht zu ändern gedenkt, war alles vorbei. Anleihen wurden auf den Markt geworfen, und die Rendite der zehnjährigen Anleihe stieg auf das Vor-Corona-Niveau von knapp 1,6 Prozent.

          DAX ®

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          Zwar gibt es Bullen, die einen Inflationsanstieg als Begleiterscheinung eines stärkeren Wachstums sehen, doch es überwog offenbar die Ansicht, die Fed habe die Dinge nicht im Griff. Das sorgt für Unsicherheit, und so nimmt man Gewinne mit, sei es bei Aktien oder bei Rohstoffen. Dass einige deutlich höhere Inflationsraten als vorübergehende Erscheinung betrachten und die immer häufiger zu hörende Ansicht, dass Notenbanken und Regierungen im Verein eine höhere Inflation zur Entwertung der Staatsschulden anstreben, macht nichts besser. Es sorgt vielmehr für Unsicherheit. Und was macht man dann? Man geht auf Nummer sicher und verkauft – gerade nach dem jüngsten Bullenmarkt.

          Aber am Freitag ging dann ja wieder alles gut. Die offiziellen Arbeitsmarktdaten beruhigten zwar die Inflationsängste nicht, waren aber noch gut genug, damit man an eine starke Erholung glauben konnte. Und so bleiben die Renditen hoch, aber die Aktienkurse stiegen auch wieder.

          Und da will man ja schließlich dabei sein. FOMO - die Angst etwas zu verpasssen! NATS - keine Alternative zu Aktien! Also aufspringen und mitfahren, man kann ja immer noch rechtzeitig abspringen. Zumindest glauben es die meisten, auch wenn sie sich dann am Ende doch ein Bein brechen. Aber der Glaube daran, die Hoffnung auf Gewinne und die Liebe zum maximalen Gewinn sind stärker als Vorsicht und Vernunft, und meistens auch nach dem Beweis des Gegenteils. Aus Schaden wird man klug - an der Börse eher selten anzutreffen.

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