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Corona-Pandemie : Garantien für Mittelstandsanleihen?

Druckluftnagler von J.F. Behrens im Einsatz (Archivbild) Bild: Joh. Friedrich Behrens AG

Die Corona-Pandemie bringt manches mittelständische Unternehmen unter Druck. Doch nur für große Anleihen sind Strukturhilfen vorgesehen. Doch darüber gehen die Meinungen auseinander.

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          Die Corona-Pandemie bringt auch Emittenten sogenannter Mittelstandsanleihen unter Druck. So droht dem Hersteller von Befestigungstechnik für Holz, J. F. Behrens, die Insolvenz. Im ersten Halbjahr war der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 12 Prozent auf 54 Millionen Euro gesunken, und zwar hauptsächlich im April und vor allem in stark von der Pandemie betroffenen Ländern wie Amerika oder Italien. Auch wenn der Umsatz im Juni wieder stieg, verdreifachte sich der Reinverlust auf 1,2 Millionen Euro. Trotz der Erholung rechnet Behrens nicht damit die ursprüngliche Planung zu erreichen. Aktuell seien belastbare Prognosen aber kaum möglich.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Behrens hat zwei Anleihen ausstehen, von denen die eine, mit einem Volumen von rund 16 Millionen Euro, im November fällig wird. Die Begebung einer neuen Anleihe wie im Vorjahr scheint derzeit wohl nicht ohne weiteres möglich. Die soll zwar im vierten Quartal folgen. Dennoch hat das Unternehmen Anfang Juli beim Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) einen Antrag auf Garantieunterlegung einer neuen Anleihe oder eine stille Beteiligung aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) gestellt. Man sei aufgrund positiver Rückmeldungen nun zuversichtlich, letztere in einstelliger Millionenhöhe zu erhalten.

          Die Garantie einer Anleihe durch den WSF war wohl nicht möglich, weil diese erst für Anleihevolumina ab 100 Millionen Euro vorgesehen ist. Das BMWi hatte das gegenteilige Ansinnen des Interessenverbandes kapitalmarktorientierter KMU noch vor wenigen Wochen zunächst abschlägig beschieden. „Anleihen können schnell und kostengünstig am Kapitalmarkt plaziert werden“, argumentiert Verbandspräsident Ingo Wegerich. „Mittelständler könnten an diesen über eine Garantie herangeführt werden.“ Ob eine mögliche Fülle stiller Beteiligungen zielführender ist, bezweifeln manche Beobachter. Daher ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit hier womöglich noch nicht gesprochen.

          Im laufenden Jahr werden nur wenige Anleihen mittelständischer Unternehmen fällig, so noch im September die des Nahrungsmittelherstellers Schneekoppe im Volumen von rund 1 Million Euro. Die Rückzahlung soll laut früherer Verlautbarung aus Liquidität und einem zusätzlichen Bankdarlehen erfolgen. Es ist davon auszugehen, dass die Entwicklung für Schneekoppe während des Lockdowns nicht günstig war. Bei einem Umsatz von rund 3,3 Millionen Euro im Vorjahr ist eine Million viel Geld. Im Juni fällig war eine Fünf-Millionen-Anleihe des Anbieters von Luxusvillen, Timeless Homes. Dieser hatte im Juli erfolglos versucht, die Gläubiger zu einer Verlängerung der Fälligkeit bis 2022 zu bewegen. Wie es nun weitergehen wird, ist nicht bekannt. Bei beiden Unternehmen war am Montag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

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