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Deutsche und Commerzbank : Europas Bankenaufsicht zweifelt an Fusion

  • Aktualisiert am

Bankzentralen in Frankfurt am Main Bild: Bloomberg/Foto: Frank Rumpenhorst

Der Deutschen Bank könnte es an der „rabiaten Brutalität“ mangeln, die für eine Ehe mit der Commerzbank nötig sei. Auch andernorts regt sich Widerstand, nachdem Finanzminister Scholz erstmals Gespräche bestätigt hat.

          Europas Bankaufsicht stellen offenbar den Erfolg einer möglichen Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank in Frage. Einige Vertreter der für eine Genehmigung zuständigen Behörde bezweifeln, dass der Zusammenschluss erfolgreich verlaufen kann. Dem größten deutschen Geldhaus könnte es an der „rabiaten Brutalität“ mangeln, die dafür nötig sei, berichtet die „Financial Times“ am Dienstag unter Berufung auf Vertreter der Behörden.

          Es gebe Sorge, dass ein Scheitern einer Fusion der Bankenaufsicht die Probleme vergrößern würde, denen sich die Aufsicht in Europa derzeit gegenüber sieht. Weder die EZB noch die Bafin wollten den Bericht kommentieren, hieß es.

          Aktienmärkte sehen Fusion positiv

          An den Aktienmärkten waren die wieder aufgenommenen Gespräche am Montag zwar positiv aufgenommen. Der Aktienkurs der Deutschen Bank legte um 5 Prozent zu, die Notierung der Commerzbank führte mit einem Plus von 7,15 Prozent die Liste der Tagesgewinner im Index der mittelgroßen Börsenwerte, dem M-Dax, an.

          Von ihren Tiefstständen von Ende Dezember sind beide Notierungen inzwischen wieder ein ganzes Stück entfernt, die Deutsche Bank fast 20, die Commerzbank sogar 27 Prozent. Offensichtlich versprechen sich die Anleger von einem Zusammengehen der beiden Häuser mehr Nutzen für die Commerzbank als für die Deutsche Bank. Formal müsste das größere Institut wohl ein Übernahmeangebot für das kleinere abgeben. Analysten rechnen damit, dass dabei Preisaufschläge zwischen 20 und 30 Prozent geboten würden.

          Furcht vor jahrelanger Lähmung

          Bei den größeren Investoren der beiden Banken überwiegt aber weiter die Skepsis, unter den Mitarbeitern wächst die Angst und wichtige Kunden reagieren unterschiedlich auf die neuen Annäherungsversuche. „Für den Auftrieb in den Aktienkursen sorgt sicher nicht die Aussicht auf eine Großfusion, die die beiden Institute auf Jahre hinaus lähmen wird“, sagte ein Vertreter eines wichtigen Investors der Deutschen Bank der F.A.Z. „Aber dass sich die Bundesregierung so intensiv um die beiden Banken bemüht, wird als implizite Staatsgarantie verstanden; das scheint einige Anleger anzulocken.“

          Erstmals äußert sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) am Montag zu der Fusion, die dem Vernehmen nach vor allem von ihm und seinem Staatssekretär Jörg Kukies vorangetrieben wird. „Es gibt Beratungen über die Situation wie sie ist. Die Bundesregierung ist ein fairer Begleiter von privatwirtschaftlichen Diskussionen“, sagte Scholz am Rande des Treffens der Euro-Finanzminister in Brüssel. „Mehr gibt es da gegenwärtig nicht zu sagen.“ Am Wochenende war bekanntgeworden, dass die Chefs der beiden Banken, Christian Sewing und Martin Zielke, „informelle Gespräche“ zum Ausloten einer Fusion aufgenommen haben.

          DT. BANK

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          Je größer die Bank, desto größer das Risiko

          Scholz verspricht sich von dem Zusammengehen einen verlässlicheren, weil stabileren, Finanzpartner für die deutsche Wirtschaft. Doch von den Verbänden sind hier durchaus unterschiedliche Stimmen zu vernehmen. Der Außenhandelsverband BGA kann einer Fusion etwas Positives abgewinnen. Präsident Holger Bingmann sagte am Montag, viele Unternehmen bräuchten „zwingend einen starken Partner, einen globalen Player als Finanzinstitut an ihrer Seite, der sie versteht und ihre Sprache spricht“.

          Nicht wenige Mittelständler sehen das hingegen skeptisch, weil mit einer Fusion die Optionen sinken. „Mehr Wettbewerb ist grundsätzlich zu begrüßen“, sagte etwa der Präsident des Verbandes der Familienunternehmer, Reinhold von Eben-Worlée. „Von daher sehen wir keinen Grund, warum die beiden Banken fusionieren sollten.“

          Die Gewerkschaften bringen sich schon einmal in Stellung, um gegen die mögliche Fusion Front zu machen. Denn die erwünschte Kostenersparnis ließe sich nur durch einen erheblichen Stellenabbau erzielen. Analysten spekulieren über den Wegfall von bis zu 30.000 Stellen. Ein Sprecher des in der Deutschen Bank stark vertretenen Deutschen Bankangestellten Verbands sagte der F.A.Z: „Die Erfahrung mit früheren Bankenfusionen wie der von Commerzbank und Dresdner Bank haben gezeigt, dass sie keineswegs automatisch in eine goldene Zukunft führen. Sollte die Fusion kommen mit dem erwartbaren großen Stellenabbau, würden wir sicher mit unseren Mitteln dagegen vorgehen.“

          COMMERZBANK

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          Vor solchen „Umsetzungsrisiken“ warnen auch Analysten. Es drohe ein großer Aufwand für einen geringen Ertrag, schrieb Jacques-Henri Gaulard vom Analysehaus Kepler-Chevreux am Montag. Sean Harrison von Globaldata schrieb, es sei weiter unklar, wie sich dadurch die schlechte Profitabilität der Banken verbessern solle.

          Auch die Opposition in Berlin gibt sich kritisch. Nach den Grünen bezog nun mit Otto Fricke auch ein FDP-Finanzexperte Stellung dagegen. „Je größer eine Bank ist, umso größer ist das systemische Risiko dieser einen Bank, umso größer muss ich sie regulieren“, sagte er im Deutschlandfunk. Die Idee der Bundesregierung, nationale Champions formen zu wollen, sei veraltet.

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