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Fusionen und Übernahmen : Aktivisten treiben Abspaltungen voran

2018 wurde die Übernahme von Unitymedia durch Vodafone angekündigt. Bild: dpa

Die Investmentbank Goldman Sachs erwartet wenige Fusionen und Übernahmen im nächsten Jahr. Das hat auch mit dem Niedrig- und Negativzinsumfeld zu tun.

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          Nach einem relativ starken Jahr 2018 haben sich Unternehmen in Deutschland im laufenden Jahr mit Fusionen und Übernahmen sehr zurückgehalten. Hatte die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs im vergangenen Jahr solche Kapitalmarkttransaktionen im Wert von 257 Milliarden Euro verzeichnet, so waren es im bisherigen Jahresverlauf gerade einmal 131 Milliarden Euro – auf das Jahr hochgerechnet kommen die Banker auf einen Wert von 157 Milliarden Euro. In ganz Europa lief es mau, hier sind die Volumina auf das Jahr hochgerechnet um 30 Prozent auf 1,3 Billionen Euro zurückgegangen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es fehle schlicht an außerordentlich großen Vorhaben, wie Tibor Kossa und Christopher Droege, Ko-Leiter dieses Geschäftsfelds für die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs in Deutschland, am Dienstag vor Journalisten erläuterten. Im Jahr 2018 waren mit der Übernahme von Sprint durch T-Mobile, dem Zusammenschluss von Eon und Innogy sowie der Übernahme von Unitymedia durch Vodafone gleich drei Transaktionen im Wert von mehr als 20 Milliarden Euro angekündigt worden. In diesem Jahr war das bislang größte Projekt die Übernahme des Halbleiterherstellers Cypress durch Infineon im Wert von 10,4 Milliarden Euro.

          Auch für das nächste Jahr erwarten Kossa und Droege wenig Bewegung. Zum einen würden die unklaren Aussichten für die Konjunktur es für Käufer und Verkäufer schwierig machen, sich auf einen Preis zu einigen. Das Niedrig- und Negativzinsumfeld führe zudem dazu, dass klassische Bewertungsmodelle für Unternehmen ganz andere Ergebnisse brächten als ihre derzeitige Marktkapitalisierung an der Börse. Hinzu kämen die unklaren Aussichten im Zollstreit zwischen den Vereinigten Staaten und dem Rest der Welt. Chinesische Investoren haben zuletzt kaum noch in Deutschland zugeschlagen.

          Doch die beiden Banker machen auch noch eine andere Entwicklung aus, die Fusionen und Übernahmen erschwere, nämlich eine veränderte Aktionärsstruktur. Auf der einen Seite gebe es sehr viele passive Investoren, also Kapitalsammelstellen wie Blackrock und Vanguard, die über börsengehandelte Indexfonds (ETFs) in alle möglichen Unternehmen investieren, ohne sich zu sehr für deren eigentliches Geschäft zu interessieren.

          Auf der anderen Seite stehen die aktivistischen Investoren, die bei Unternehmen einsteigen, um dort Abspaltungen oder andere Transaktionen zu forcieren. Wenn Manager nun eigene Ideen umsetzen wollten, sei es deutlich schwerer geworden, die Zustimmung der Aktionäre dafür zu erhalten, sagte Tibor. In einigen Märkten stünden passive Fonds schon für die Hälfte der gesamten Marktkapitalisierung. Damit bekommt die Haltung eines passiven Fonds zu einem Vorhaben ein schweres Gewicht.

          Die Aktivisten haben aber noch andere Folgen: Abspaltungen von Konzernteilen wie etwa Siemens Healthineers oder Traton von Volkswagen nehmen rasant zu. Hatte es im Jahr 2016 solche Abspaltungen noch im Wert von 29 Milliarden Euro gegeben, so waren es im bisherigen Jahresverlauf 2019 schon 83 Milliarden Euro. Zum einen liegt das daran, dass aktivistische Investoren tatsächlich Druck auf die Unternehmen ausüben. Zum anderen ließen sich Konzernlenker aber auch zunehmend dazu beraten, was solche Aktivisten fordern könnten, sagte Droege. Dem griffen sie dann lieber vorweg.

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