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Verschuldung in Europa : Frankreichs Unternehmen lassen kräftig anschreiben

Nicht nur Joghurt: Danone-Vorstandschef Franck Riboud setzt auf Schulden. Bild: Reuters

Seit Jahren steigt ihre Verschuldung und ist jetzt doppelt so hoch wie die der deutschen Konzerne. Drohen neue Risiken, oder werden damit sinnvolle Projekte finanziert?

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          In Frankreich steigt nicht nur die Staatsverschuldung, in noch größerem Tempo verschuldet sich der Privatsektor. Dafür verantwortlich sind in der zweitgrößten Volkswirtschaft des Euroraumes vor allem große Unternehmen, die bei den aktuellen Niedrigzinsen viel Fremdkapital aufnehmen; aber auch die Haushalte erhöhen die Kreditaufnahme infolge der gestiegenen Immobilienpreise. So kletterte die Verschuldung des französischen Privatsektors im vergangenen Jahr um 6 Prozentpunkte auf fast 130 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) – eine Zunahme oberhalb des Wirtschaftswachstums, wie die Banque de France in ihrem jüngsten Schuldenbericht betont. „Das Risiko stark steigender Zinsen könnte dazu beitragen, dass einige Firmen Schwierigkeiten haben, zahlungsfähig zu bleiben“, warnen die Analysten von Crédit Agricole in einer Studie. Denn fast zwei Drittel der französischen Unternehmensschulden beruhen auf variablen Zinsen. Kurzfristige Anleihen haben deutlich zugenommen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Dass die französischen Unternehmen stark auf Fremdkapital setzen, zeigt sich besonders in der längerfristigen Betrachtung: Die Firmen jenseits des Finanzsektors sind heute mit 72 Prozent des BIP verschuldet – etwa 20 Prozentpunkte oder 750 Milliarden Euro mehr als zehn Jahre früher vor Ausbruch der Finanzkrise. Für günstige Zinskonditionen sorgt die Europäische Zentralbank, die seit mehr als einem Jahr auch Unternehmenanleihen kauft. Davon profitieren vor allem französische Unternehmen, deren Schuldenstand, gemessen an der Wirtschaftsleistung, heute doppelt so hoch ist wie der von deutschen Unternehmen und auch höher als in Italien und in Großbritannien. Nur die spanischen Firmen übertreffen noch die französischen, doch sie bauen ihre Schulden derzeit ab.

          Zu höherer Verschuldung gezwungen

          Rechnet man alle Schulden Frankreichs aus dem öffentlichen und dem privaten Sektor zusammen, so kommt das Land auf eine Verschuldungsquote von mehr als 228 Prozent des BIP – ein historischer Rekord, wie die Ökonomen der Pariser Beratungsgesellschaft Xerfi anmerken. Das Hauptaugenmerk richtet sich in den Debatten meist auf die staatliche Verschuldung, zumal sie seit Jahrzehnten nicht zu klettern aufhört und den beunruhigenden Stand von fast 99 Prozent des BIP erreicht hat. Doch ein Blick auf die privaten Schulden der Haushalte und der Unternehmen gebietet sich auch, denn sie können wie bei der in den Vereinigten Staaten ausgelösten Finanzkrise 2008/2009 bedrohliche Schieflagen zur Folge haben. Die private Verschuldung Frankreichs ist in den vergangenen zwanzig Jahren in ähnlichem Maße gewachsen wie die öffentlichen Schulden.

          Mit Schulden verhält es sich freilich so wie mit Cholesterin: Es kann für das Herz gesund und schlecht sein. Wenn sich Unternehmen bei Banken und auf dem Kapitalmarkt Geld besorgen, um Expansionsprojekte zur Einnahme- und Gewinnerhöhung zu finanzieren, so kann das sinnvoll sein. Auch staatliche Schulden können nützlich sein, wenn sie für Investitionen mit Breitenwirkung eingesetzt werden. Bei den französischen Unternehmen ergibt sich indes ein gemischtes Bild: Teilweise wurden sie zu höherer Verschuldung gezwungen, weil die Gewinnmargen längere Zeit wegen schwachen Wachstums sowie hoher Steuern und Sozialabgaben sanken.

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