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Verschuldung in Europa : Frankreichs Unternehmen lassen kräftig anschreiben

„Mehrere Elemente geben Anlass, die starke Erhöhung der Verschuldung zu relativieren.“

„Die eigene Kraft reichte nicht aus, um Investitionen und den laufenden Betrieb zu finanzieren“, wie die Analysten von Crédit Agricole meinen. Französische Unternehmen sind auch für hohe Dividendenausschüttungen bekannt, denn mangels französischer Pensionsfonds oder anderer heimischer Anleger müssen sie Auslandsinvestoren anlocken, und zusätzlich werden die französischen Investoren mit hohen Steuern auf die Kapitalrendite belegt.

Bild: Banque de France/ Private Debt Project / F.A.Z.-Grafik

Auf der anderen Seite verbessert sich die Nachfrage im In- und Ausland derzeit auf breiter Ebene. Gleichzeitig greifen die von der sozialistischen Regierung ab 2014 eingeführten Steuererleichterungen „langsam“, so der Crédit Agricole. Mit höheren Gewinnmargen ausgestattet, wittern die französischen Unternehmen somit neue Marktchancen. Die Unternehmen haben ihre Schulden auch abgesichert, weil sie oft für den Erwerb von Kapitalbeteiligungen eingesetzt werden. Das Verhältnis zwischen Verschuldung und Eigenkapital habe 2015 wie 2008 rund 85 Prozent betragen, die Schulden scheinen somit „unter Kontrolle“, meinen die Analysten von Crédit Agricole. „Mehrere Elemente geben Anlass, die starke Erhöhung der Verschuldung zu relativieren.“

Von 8 auf 18 Milliarden Euro

Die Schulden tragen besonders die Großunternehmen Frankreichs, die oft börsennotiert sind; demgegenüber halten sich der Mittelstand und die Kleinbetriebe zurück. Die französischen Konzerne genießen auf den internationalen Finanzmärkten meist einen privilegierten Zugang und damit günstige Finanzierungsbedingungen. Ihre Stärke zeigt sich etwa darin, dass zur aktuellen Fortune-Liste der 500 weltweit umsatzstärksten Unternehmen 29 französische Konzerne gehören – neun mehr als aus Deutschland.

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Ein erheblicher Teil der französischen Unternehmensverschuldung stammt aus Übernahmen und Fusionen. Wie zum Beispiel beim Nahrungsmittelkonzern Danone. Er hat in diesem Jahr den amerikanischen Bio-Nahrungsmittelkonzern White Wave übernommen, der mit 12,5 Milliarden Dollar bewertet wurde. Den Zukauf finanzierten die Franzosen zu 100 Prozent mit neuen Schulden, die sich damit von 8 auf 18 Milliarden Euro erhöhten – ein Stand fast auf der Höhe des Jahresumsatzes. Die Anleger scheinen überwiegend zu glauben, dass die Expansion auf dem zukunftsträchtigen Bio-Nahrungsmittelmarkt Amerikas sinnvoll ist. Die Danone-Aktie stieg seit Jahresbeginn um rund ein Zehntel. Auf ähnliche Art begab LVMH eine Anleihe über 4,5 Milliarden Euro, um Christian Dior Couture zu finanzieren. Das Geld ist billig. Der Pharmakonzern Sanofi war im vergangenen Jahr zusammen mit Henkel das erste europäische Unternehmen, das bei der Emission einer dreijährigen Anleihe negative Zinsen genoss, also daran noch verdiente. Im Immobiliensektor ist die Verschuldung besonders hoch, eine Folge der hohen Preise für Büroimmobilien. Die Immobiliengesellschaft Gecina besorgte sich in diesem Jahr zum Beispiel 1,5 Milliarden Euro auf dem Kapitalmarkt für den Kauf des Konkurrenten Eurosic.

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