https://www.faz.net/-gv6-a8xap

„Altersvorsorge sanieren“ : Fondsverband fordert Reform des Sparerfreibetrags

Sanierungsbedarf: Das Altersvorsorge-Sparschwein ist ziemlich angeschlagen. Bild: dpa

Nach einem erfolgreichen Jahr 2020 wendet sich die deutsche Fondsbranche verstärkt dem Thema Altersvorsorge zu. Diese sei „auf allen Ebenen sanierungsbedürftig“.

          2 Min.

          Die deutsche Fondsbranche kann trotz oder vielleicht gerade wegen der Corona-Krise auf ein erfolgreiches Jahr 2020 zurückblicken. Mit einem Mittelzufluss von 127 Milliarden Euro war es das drittbeste Absatz Jahr für Fonds seit mindestens 1997. Seit 2010 hat sich das verwaltete Vermögen auf 3,5 Billionen Euro und verdoppelt. Auffällig ist, dass sich der Netto-Mittelzufluss in offene Publikumsfonds gegenüber dem Vorjahr auf 43 Milliarden mehr als verdoppelt hat, während institutionellen Spezialfonds mit 80 Milliarden Euro ein Fünftel weniger zufloss. „Da Sparbücher keine Erträge mehr abwerfen, beobachten wir ein zunehmendes Interesse an Fondssparplänen“, sagte Alexander Schindler, Präsident des Branchenverbandes BVI anlässlich der Jahrespressekonferenz. „Die niedrigen Zinsen schaffen das, woran jahrelange Finanzbildung oder die Förderung der Aktienkultur gescheitert sind.“

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Thema Nachhaltigkeit dominierte auch 2020. Private Anleger steckten wie 2019 fast die Hälfte des neuen Geldes in als nachhaltig anlegend gekennzeichnete Produkte. 2017 waren es noch gerade einmal 6 Prozent gewesen. Dagegen konnten nachhaltige Spezialfonds netto keine Mittelzuflüsse verzeichnen. BVI-Geschäftsführer Thomas Richter führt dies darauf zurück, dass institutionelle Investoren seit einiger Zeit darauf warten, dass endlich klar werde, wie nachhaltige Geldanlagen definiert seien. Verschiedene EU-Regeln Nachhaltigkeit definierten dies immer wieder unterschiedlich, sagte Richter. Auch 2021 wird Nachhaltigkeit Inhalt der Verbandsarbeit sein.

          Tatsächlich aber treibt den BVI mit Blick auf die Bundestagswahl das Thema Altersvorsorge stärker um. „Stellt man sich die Altersvorsorge in Deutschland als ein Haus mit drei Stockwerken vor, dann sind alle drei sanierungsbedürftig – gesetzliche Rentenversicherung, Zusatzversorgung durch die Betriebs- und Riester-Rente und die private kapitalgedeckte Altersvorsorge“, sagt Richter. Und so fordert der BVI zum einen, die gesetzliche Rentenversicherung um eine kapitalgedeckte Komponente zu ergänzen. Hier könnte auch ein Staatsfonds eine Rolle spielen. In der privaten Altersvorsorge sei dieser allerdings ein Irrweg, denn dies würde nach Ansicht des Verbandes zu einer Wettbewerbsverzerrung führen. Zum einen genösse ein Staatsfonds einen Vertrauensvorschuss, zum anderen könne dieser mittels Quersubventionierung aus Steuermitteln gleichsam zu Dumpingpreisen anbieten.

          Eine staatlich organisierte ergänzende Vorsorge hält man dagegen für sinnvoll und plädiert weiter dafür, die Riester-Rente mit ihren 13 Millionen aktiven Sparverträgen zu reformieren. Vor allem fordert der BVI eine Flexibilisierung der Garantien, weil die aktuelle Ausgestaltung dazu führe, dass viel in renditeschwache Papiere investiert werden müsse. Allerdings ist der Verband nicht sehr optimistisch, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarte Reform kommen wird – jedenfalls nicht bis zur Bundestagswahl. Eine mögliche neue Form der privaten Zusatzversorgung müsse auf alle Erwerbstätigen ausgeweitet werden und eine faire Kostenteilung zwischen Anbietern und Sparern gewährleisten.

          Darüber hinaus fordert der BVI eine einschneidende Reform des Sparerpauschbetrags. So seien zwar etwa Grundfreibetrag und Beitragsbemessungsgrenzen regelmäßig erhöht worden, der Sparerpauschbetrag aber liege heute noch auf dem Niveau von 2007 und betrage nur noch ein Viertel des Wertes von 1993. Der Verband fordert daher eine moderate Erhöhung um rund 20 Prozent, vor allem aber eine Kopplung an Preise und Löhne sowie die Übertragbarkeit nicht in Anspruch genommener Beträge auf künftige Steuerjahre.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Einer Ärztin wird am Freitag in der Hauptstadt von Paraguay der russische Impfstoff Sputnik V verabreicht.

          Sputnik V : Einer der gefragtesten Impfstoffe der Welt

          Allein vergangene Woche haben fünf weitere Länder Russlands Corona-Impfstoff zugelassen. Auch ein EU-Land hat das Vakzin schon registriert. War die Skepsis des Westens unangebracht?
          Am Boden und vor dem Absturz: Schalke 04 zerstört sich selbst.

          Selbstzerstörung in Bundesliga : Vergifteter Boden bei Schalke 04

          Die Rauswurforgie ist die jüngste Wendung einer sagenhaften Geschichte der Selbstzerstörung. Dass drei Spieler, die erst kurz im Klub sind, so etwas anzetteln können, zeigt, wie kontaminiert die Schalker Erde ist.
          Der frühere spanische König Juan Carlos (Archivbild)

          Juan Carlos : Königliche Schande

          In Spanien wächst der Unmut gegen den früheren König Juan Carlos. Der hat mehr als 5 Millionen an den Fiskus nachgezahlt – doch ist damit alles geklärt?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.