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Japan als warnendes Beispiel : Die EZB hat noch viele Hebel

EZB-Präsident Mario Draghi Bild: dpa

Die Fondsgesellschaft Pimco hat für Zinssparer keine guten Nachrichten. Die Ökonomen äußern sich konkret zur Inflation in der Eurozone.

          Häufig wird behauptet, die Europäische Zentralbank (EZB) habe kaum noch Instrumente, um ihre Geldpolitik im Bedarfsfall expansiver zu gestalten. Konstantin Veit von der Fondsgesellschaft Pimco teilt diese Ansicht gar nicht. Veit kann sich zwar keine bedeutende weitere Senkung des mit minus 0,4 Prozent bereits negativen Einlagenzinses vorstellen, zu dem die Geschäftsbanken bei der EZB Guthaben unterhalten. Aber sie könne zum Beispiel ihre Steuerung der Erwartungen des Marktes durch ein noch längere Zeit sehr niedriges Zinsniveau („Forward Guidance“) noch ausbauen, sagte Veit in einem Pressegespräch in Frankfurt.

          Obgleich die Guthaben der Banken bei der EZB als Folge einer großzügigen Kreditvergabe und der Programme zum Ankauf von Wertpapieren bereits sehr hoch sind, hält Veit eine Verdoppelung oder Verdreifachung der augenblicklich 735 Milliarden Euro betragenden Kredite der EZB an die Geschäftsbanken für denkbar. An den Sicherheiten, die von den Banken gestellt werden müssten, fehle es nicht.

          Ebenso könnte die EZB ihre Programme zum Ankauf von Staatsanleihen, Pfandbriefen und Unternehmensanleihen wieder aktivieren. Auch sei die EZB befugt, Aktien, Kredite, Edelmetalle oder Fremdwährungsanleihen anzukaufen. Veit kann sich sogar Versionen von Helikoptergeld vorstellen, solange sie nicht mit dem Verbot einer monetären Staatsfinanzierung in Widerspruch geraten. „Ich sage nicht, dass die EZB so etwas plant“, schränkte Veit ein. „Ich sage nur, dass dies alles möglich wäre.“

          Die größere Einschränkung lautet allerdings: Auch wenn die EZB im Prinzip noch viele Instrumente in ihrem Arsenal besitzt, so könnte sie damit aber nicht viel bewirken. Dies zeigt nach Ansicht der Fachleute von Pimco das Beispiel Japans, wo die seit langer Zeit sehr expansive Geldpolitik auch keine starken Wirkungen hinterlässt. Denn die Geldpolitik ist nicht so stark, dass sie die Kräfte, die der demographische Wandel in der Wirtschaft hinterlässt, konterkarieren könnte. Und mit Blick auf die demographische Entwicklung folgt Europa Japan im Abstand von etwa zehn Jahren.

          Der Beitrag des demografischen Wandels zu einer Welt mit niedrigem Wirtschaftswachstum, niedriger Inflation und niedrigem Zins wird im Ausland weitaus häufiger diskutiert als in Deutschland, wo die Ansicht verbreitet ist, die Zentralbank lege ihren Zins nach ihrem Gutdünken fest. Tatsächlich wird das Zinsniveau einer an der Stabilität des Preisniveaus orientierten Zentralbank stark durch das wirtschaftliche Umfeld geprägt.

          In ihrer Veranstaltung in Frankfurt stellten die Ökonomen von Pimco vor allem den Zusammenhang von Demographie und Inflation heraus. „Unsere vorläufige Schlussfolgerung lautet, dass die demografischen Trends weiterhin einen nachhaltigen und nach unten gerichteten Einfluss auf die Inflationsrate nehmen“, sagten Veit und sein Kollege Andy Bosomworth. Die Aussicht auf eine lange Zeit sehr niedrige Inflationsrate ist einerseits sehr erfreulich, aber das Umfeld beschränkt auch den Handlungsspielraum der Geldpolitik:

          „Wir sehen ein nicht triviales Risiko, dass sich die Inflationserwartungen in kommenden Jahrzehnten allmählich von der Marke von 2 Prozent nach unten entfernen.“ Bis zur nächsten Rezession werde die EZB daher nicht die Gelegenheit erhalten, ihre Geldpolitik zu normalisieren. An den Zinssätzen am Terminmarkt sei erkennbar, dass an den Finanzmärkten ein solches Szenario bereits erkannt werde.

          Gibt es überhaupt eine Möglichkeit für die Politik, die Inflationsrate in Richtung der gewünschten 2 Prozent zu schubsen? Ja, sagen die Pimco-Ökonomen, aber die Antwort stammt nicht von der Geldpolitik. Geschaffen werden könnte ein solches Umfeld stattdessen durch eine Politik, die in den kommenden Jahrzehnten Möglichkeiten für ältere Menschen erleichtert, länger zu arbeiten.

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