https://www.faz.net/-gv6-a2hnx

Anleger investieren wieder : Fonds erholen sich vom Corona-Schock

Bild: Picture-Alliance

Nach den heftigen Kurseinbrüchen zogen Anleger ihr Geld im Frühjahr aus Fonds ab. Jetzt sind zumindest die Privaten wieder zurück - andere noch nicht.

          2 Min.

          Deutsche Privatanleger haben nach dem Corona-Schock im ersten Quartal im zweiten Vierteljahr wieder kräftig in Fonds investiert. Im ersten Quartal des Jahres, als die sich ausbreitende Pandemie vor allem im März die Kurse auf der ganzen Welt hatte einbrechen lassen, hatten die Anleger 11,4 Milliarden Euro aus offenen Publikumsfonds abgezogen. Von April bis Juni investierten sie dann aber insgesamt wieder 15,7 Milliarden Euro, wie der Branchenverband BVI nun mitteilte. Der Corona-Rückgang wurde für die Branche damit überkompensiert.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor allem Aktienfonds waren wieder gefragt. In sie steckten Anleger 9,8 Milliarden Euro, nachdem sie hier im ersten Quartal 12,3 Milliarden Euro abgezogen hatten. Mischfonds, in denen sowohl Aktien als auch andere Anlageklassen enthalten sind, legten um 5,8 Milliarden Euro zu, nach Abflüssen von 1,2 Milliarden Euro im ersten Quartal. Eingetrübt hat sich das Geschäft mit offenen Immobilienfonds. Das Neugeschäft brach hier um mehr als zwei Drittel ein auf noch 1,2 Milliarden Euro. Hintergrund dürfte sein, dass solche Fonds häufig in Gewerbeimmobilien investieren, die durch die Corona-Krise auch nachhaltig unter Druck geraten könnten.

          Deutscher ETF-Markt noch relativ klein 

          In passive Indexfonds, also ETF, haben deutsche Privatanleger aktuell 143 Milliarden Euro investiert. Verglichen mit der Gesamtsumme von gut 1 Billion Euro, die Deutsche in Publikumsfonds investiert haben, ist die Bedeutung dieser günstigen Anlagevehikel, die schlicht einen Index wie den Dax nachverfolgen, also nach wie vor überschaubar. In den Vereinigten Staaten ist ihr Anteil weit höher. Die zuletzt stark nachgefragten Gold-ETF fließen in die Statistik des BVI nicht ein, weil sie nicht in Deutschland, sondern beispielsweise in der Schweiz oder den Vereinigten Staaten zugelassen sind. In Deutschland findet der Handel über sogenannte ETC (Exchange Traded Commodities) statt, die aber keine Fonds, sondern Schuldverschreibungen sind.

          Während die Privatanleger nach dem Corona-Crash rasch wieder an die Finanzmärkte zurückgekehrt sind, zeichnet sich bei institutionellen Anlegern wie Versicherern, Kirchen und Großunternehmen ein anderes Bild. Sie investieren ihr Vermögen häufig über sogenannte Spezialfonds. Mit einem verwalteten Vermögen von 3,3 Billionen ist dieses Geschäft für die Fondsbranche noch bedeutender als das mit Privatanlegern.

          Vereine und Unternehmen brauchen ihr Geld

          Erstmals seit Jahren konnten die Fondsgesellschaften in dem Geschäft mit offenen Spezialfonds im zweiten Quartal kein Wachstum ausweisen. Im April flossen 2,5 Milliarden Euro und im Mai 0,8 Milliarden Euro aus solchen Fonds ab. Vor allem Kirchen, Vereine und Großunternehmen zogen Mittel ab, was der BVI darauf zurückführt, dass sie in der Corona-Krise ihre Liquidität sichern mussten.

          Das Geschäft kommt nur langsam zurück; im Juni verzeichneten sie wieder Zuflüsse von 3,9 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Noch in den ersten drei Monaten des Jahres waren 32,7 Milliarden Euro in offene Spezialfonds geflossen. Hohe Abflüsse verzeichneten hier vor allem Metzler, Bayerninvest und die DWS.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Schülerin einer Abschlussklasse wird im Impfzentrum an der Messe München geimpft.

          Leopoldina-Forscher Falk : „Klappe halten, impfen lassen“

          Spitzenforscher Armin Falk fordert eine Impfpflicht und findet, dass der Impfstatus bei der Triage eine Rolle spielen sollte. An Politiker, die sich nicht impfen lassen, hat er eine klare Ansage.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.