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Flughafen Wien : Attraktives Drehkreuz nach Osteuropa

Wächst rasant und fungiert als wichtiges Drehkreuz nach Osteuropa: Der Flughafen Wien. Bild: dpa

Der Flughafen Wien boomt. Das starke Aufkommen der Billiugfluganbieter ist einer der Gründe für das große Wachstum. Wie interessant ist die Aktie für Anleger?

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          Reisen wird für immer größere Teile der Weltbevölkerung erschwinglich. Davon profitieren auch das Transportgewerbe und damit die Flughäfen. Einer davon ist der Flughafen Wien (VIE). Die Aktie hat im März ein Allzeithoch von 38,60 Euro erreicht und ist wieder zurückgefallen – hat sich jedoch seit ihrem tiefsten Niveau von vor zehn Jahren versiebenfacht. Damit ist sie in diesem Zeitraum eine der erfolgreichsten Aktien auf dem Wiener Parkett.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Er ist zwar in Europa vergleichsweise klein, gemessen am Passagieraufkommen. Doch wächst er rasant und fungiert als wichtiges Drehkreuz nach Osteuropa: VIE ist einer von vier Knoten im Lufthansa-Verbund (neben München, Frankfurt und Zürich). AUA und der ungarische Diskontflieger Wizz Air betreiben ein ausgeprägtes Streckennetz in die postkommunistische Region. Zudem setzt VIE auf eine hohe Servicequalität. Dazu gehören rasche Abfertigungsprozesse, kurze Umsteigezeiten und hohe Servicequalität im Terminal.

          Überdies bietet Wien ein attraktives Tarif- und Anreizmodell für die Luftfahrt – die Tarife am Flughafen Wien gelten für alle Linien gleichermaßen. Zusätzlich bietet der Flughafen Wien verschiedene Vergünstigungen für verschiedene Kriterien an, die den Tarif letztlich wieder begünstigen. Damit liegt er preislich unter dem EU-Schnitt. Anreize gibt es etwa für neue Destinationen, für Umsteigeverkehr, ab einer bestimmten Anzahl von Frequenzen in der Woche.

          Zahl der Flugbewegungen nimmt wieder zu

          Neben der Steigerung der Langstrecke ab Wien konzentriert sich das Management auf die Stärkung des Drehkreuzes und die Entwicklung des Billigflieger-Segments. Das starke Aufkommen der Billiugfluganbieter ist einer der Gründe für dieses enorme Wachstum des VIE. Mehr als ein Dutzend Billigfluglinien starten und landen derzeit in Wien-Schwechat. Die größten davon sind hier Eurowings, Wizz Air, Laudamotion und Easyjet. Der Hauptgrund:

          Nach dem Zusammenbruch von Air-Berlin wurden diese Flugbewegungen aufgefangen und von den Airlines erweitert. Low Cost ist im vergangenen Jahr um rund 60 Prozent gewachsen. Das Segment wird nach Einschätzung des Managements in diesem Jahr weiter steigen – auf etwa 25 bis 30 Prozent des gesamten Passagieraufkommens am VIE. Im vergangenen Jahr wurden 27 Millionen Passagiere abgefertigt, zehn Prozent mehr als im Jahr davor. Die Sitzplatzauslastung (Sitzladefaktor) betrug zuletzt 76 Prozent.

          Der Sitzladefaktor ist bereits recht hoch, weswegen auch die Zahl der Flugbewegungen wieder zunimmt (weil die Flugzeuge immer voller werden und Airlines daher mehr Flugzeuge einsetzen). Das ist langfristig für die geplante dritte Piste wichtig. Heute können in der Spitzenstunde rund 72 Starts und Landungen abgewickelt werden, mit einem entsprechenden Ausbau werden es bis zu 100 Bewegungen in der Spitzenstunde sein. Der Vorstand rechnet, dass ab 35 bis 40 Millionen Passagiere eine dritte Piste notwendig sein wird, diese Zahl könnte ab 2025 erreicht sein. Bereits für kommendes Jahr werden 30 Millionen Passagiere erwartet.

          Zugute kommt dem Unternehmen, dass nicht nur die Billigfluglinien florieren, sondern auch die Langstrecke Rückenwind hat. Die Langstrecke ist im zurückliegenden Jahr um fast ein Viertel mehr Passagiere gewachsen, in diesem Jahr erwartet das Management ein weiteres Wachstum um etwa 20 Prozent. Homecarrier AUA hat 2018 um 8,9 Prozent an Passagieren zugelegt, erwartet auch im Jahr 2019 Wachstum – die gesamte Lufthansa-Gruppe hat am VIE um 8,3 Prozent zugelegt.

          Aktie interessiert nur wenige Analysten

          So nett das alles klingt, VIE interessiert nur wenige Analysten. Der Streubesitz ist mit gut einem Zehntel mickrig, die öffentliche Hand über die Bundesländer Niederösterreich und Wien hält beträchtliche Anteile von rund 40 Prozent. Größter Aktionär mit mehr als einem Drittel der Anteile ist der australische Fonds IFM Global Infrastructure Fund (IFM), nach eigenen Angaben einer der weltgrößten Investmentmanager in Infrastruktur.

          Das Wertpapierhaus Kempen sieht VIE neutral, weil das starke Wachstum und die mittelfristigen Aussichten bereits im Kurs eingepreist sind. HSBC hält Wien für einen der bestgeführten börsennotierten Flughäfen Europas. Bezweifelt wird indes, ob das starke Wachstum der Vergangenheit auch in Zukunft erreicht werden kann. Verglichen mit seinen gelisteten Konkurrenten wird VIE teuer gehandelt. Bei 35 Euro gilt die Aktie als fair bewertet.

          FLUGHAFEN WIEN AG

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          Erste Group hingegen sieht für die Aktie Potential bis 39,50 Euro. Analystin Vladimira Urbankova begründet das nach Veröffentlichung der Bilanzzahlen erhöhte Kursziel mit der robusten Entwicklung der Passagierzahlen, die vor allem durch eine Geschäftsausweitung der Interkontinental- und Billigflüge getrieben werde. Damit habe der Flughafen Wien alle Grundvoraussetzungen gelegt, um seine Einnahmen weiterhin zu steigern. Auch die Raiffeisen Centrobank (RCB) hat ihr Kursziel von 38 auf 40 Euro hinaufgeschraubt.

          Die Kaufempfehlung wurde von RCB-Analyst Bernd Maurer gleichzeitig bekräftigt. Das höhere Kursziel wurde mit angehobenen Prognosen begründet. Das Momentum der jüngsten Treiber – wie starkes Wachstum der Passagierzahlen, beträchtliche Margenverbesserungen und eine deutliche Reduktion der Nettoverschuldung – könnte in den kommenden Quartalen aber ihren Höhepunkt erreichen, heißt es. Dennoch wird noch ein Potential für die Aktie gesehen.

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