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Doppelstrategie am Aktienmarkt : Manche Standardwerte zeigen ein gemischtes Bild

  • -Aktualisiert am

Arbeiten an der Zukunft: Forschungslabor des Schweizer Pharmakonzerns Roche Bild: AP Photo/Keystone, Steffen Schmidt

Zu Jahresbeginn haben manche Aktienindizes eine Rally hinter sich gebracht. Wer nun Aktien kaufen oder verkaufen will, muss genau hinschauen.

          Nach den ausgeprägten Kursverlusten besonders im vierten Quartal 2018 haben die global wichtigen Aktienmärkte eine Jahresauftaktrally durchlaufen. Hierdurch ist ein Teil der mittelfristig überverkauften Lage abgearbeitet, die im vergangenen Jahr entstanden war. Mit Blick auf den Euro Stoxx 50 und den Dax schwächen sich derartige Kursrallys nach ungefähr 10 Prozent Anstieg im Regelfall deutlich ab, und die europäischen und deutschen Standardwerte liefern danach eine differenzierte Kursentwicklung.

          Aktuell befindet sich zum Beispiel der Schweizer Pharmakonzern Roche auf der technischen Kaufliste. Im Falle der Rückversicherung Münchener Rück bietet sich aktuell eine technische Doppelstrategie an. Demgegenüber bleibt das britische Mobilfunkunternehmen Vodafone auf der Verkaufsliste.

          Die Münchener Rück, die im Euro Stoxx 50 und im Dax vertreten ist, bietet neben Rückversicherungen eine umfangreiche Palette von weiteren Finanzdiensten an. Aus technischer Sicht hat diese Aktie im Vergleich zu den Standardwerteindizes eine Reihe von Besonderheiten.

          Hoffnung auf ein neues Allzeithoch

          So befindet sich der Titel seit dem April 2003 und Kursen um 47,90 Euro in einer sehr langfristigen, moderaten Aufwärtsbewegung, wobei sich seit September 2011 und Startkursen um 77,80 Euro eine moderate Hausse-Beschleunigung ergeben hat. Seit dem bisherigen Hausse-Top um 206,50 Euro (April 2015; Widerstandszone) bewegt sich der Titel jedoch in einer Seitwärtspendelbewegung. Diese hat in den letzten 17 Monaten die charttechnische Form eines Aufwärtsdreiecks (Aufwärtstrend startete im September 2017 bei 166,60 Euro und liegt jetzt bei 180 Euro; waagerechte Widerstandszone um 200 Euro) herausgebildet.

          Da dieses Aufwärtsdreieck einen trendbestätigenden Charakter nach oben aufweist, deutet sich für die Münchener Rück, die eine (Brutto-)Jahresdividendenrendite von mehr als 4,5 Prozent aufweist, eine Fortsetzung der technischen Hausse an. Als Konsequenz sollte eine Doppelstrategie gewählt werden. Zuerst sollte eine Anfangsposition aufgebaut werden.

          Kommt es zu einem neuen Investment-Kaufsignal (entsteht beim Sprung über die Widerstandszone von 200 bis 206,50 Euro) sollte diese (Anfangs-)Position zum Beispiel ab Kursen von mehr als 207 Euro ausgebaut werden. Dieses neue Investment-Kaufsignal würde als technisches Etappenziel den Bereich um 225 Euro liefern. Der strategische Sicherungsstopp für eine Münchener-Rück-Position wird bei 158 Euro gesetzt.

          Der Schweizer Pharmakonzern Roche, der mit seinen Roche Holding AG Genussscheinen (kurz Roche) im Euro Stoxx 50 enthalten ist, gehört dort zu den nach Marktkapitalisierung im Streubesitz größten Aktien. Der Titel zählt aus übergeordneter technischer Sicht zu den europäischen Marathonläufern. Hierbei handelt es sich um Titel, die sich in sehr langfristigen Aufwärtsbewegungen befinden und im Regelfall in einer Gesamtmarkthausse in der Lage sind, neue Allzeithochs zu liefern.

          Langfristiges Kurspotential bei Roche

          Seit dem Jahr 2000 hat sich bei Roche – weiter innerhalb der sehr langfristigen Aufwärtsbewegung – ein Wechselspiel von „normalen“ Hausse-Trends und „normalen“ (Zwischen-)Baisse-Trends ergeben. Ausgehend vom bisherigen Allzeithoch um 295,80 Schweizer Franken (Dezember 2014), ergab sich bei Roche wieder eine (Zwischen-)Baisse mit der charttechnischen Form eines Abwärtskanals. Hierbei läuft der Kurs einer Aktie zwischen zwei parallelen Abwärtstrends nach unten.

          Ausgehend vom Zwischenbaisse-Tief bei 206,30 Schweizer Franken (Juni 2018) etablierte der Wert einen mittelfristigen Aufwärtstrend, der den Titel zunächst an die obere Abwärtstrendkanallinie bei ungefähr 260 Schweizer Franken geführt hat. Zuletzt ist Roche mit einem neuen Investment-Kaufsignal aus dem (Zwischen-)Baisse-Trendkanal herausgelaufen.

          Damit deutet sich für den Titel, der eine (Brutto-)Jahresdividendenrendite von ungefähr 3,3 Prozent aufweist, ein mittel- bis langfristiges technisches Kurspotential bis zur gestaffelten Widerstandszone von 290 bis 296 Schweizer Franken an. Der strategische Sicherungsstopp für eine Roche-Position sollte bei 205 Schweizer Franken liegen.

          Seitwärtspendelbewegung bei Vodafone

          Der britische Mobilfunkriese Vodafone, der auch im Euro Stoxx 50 enthalten ist, ist ein technisches Musterbeispiel für die Stabilität eines Baisse-Trends. Nachdem die Aktie, ausgehend von Kursen um 130 britische Pence im Jahr 2010, einen Hausse-Trend etabliert hatte und dieser den Titel bis auf 258 Pence im Jahr 2015 geführt hatte, ergab sich eine mehrjährige Seitwärtspendelbewegung. Diese wurde durch die gestaffelte Unterstützungszone von 179 bis 190 Pence und die gestaffelte Widerstandszone ab 240 Pence begrenzt.

          Aus übergeordneter technischer Sicht hatte diese Seitwärtspendelbewegung schon den Charakter einer Top-Formation. Im vergangenen Jahr etablierte Vodafone einen mittelfristigen Abwärtstrend, der bei 240 Pence startete. Mit Hilfe dieses Abwärtstrends wurde Vodafone mit einem neuen Verkaufssignal durch die Unterstützungszone gedrückt. In den vergangenen Wochen hat die Aktie mit deutlichen Kursverlusten ein negatives langfristiges technisches Gesamtbild herausgebildet.

          Auch wenn der gegenwärtige Abwärtstrend (Abwärtstrendlinie bei 160 Pence) im Bereich der alten Unterstützungszone um 130 Pence eine Stabilisierungschance aufweist, kann es viele Quartale dauern, bevor sich eine technische Bodenformation herausbildet. Die Aktie bleibt ein technischer Verkauf beziehungsweise ein Tausch in attraktivere Standardwerte.

          Der Autor leitet in der Commerzbank den Bereich Technische Analyse & Index Research.

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