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Europawahl : Kaum kurzfristige Impulse, langfristig eine Last

Blick auf die Dax-Tafel. Bild: Reuters

Die Europawahl wird am Montag an den Finanzmärkten eher wenig bewegen. Eher wird Erleichterung herrschen. Über den Tag hinaus aber ist das Gesamtergebnis eher eine Belastung.

          Die Europawahlen wurden im Vorfeld als so etwas wie eine Schicksalswahl für Europa angesehen. Langfristig politisch sind sie sicher ein Teil davon, am Tag danach scheinen sie aber erst einmal wenig zu bewegen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit 1,12 Dollar zeigt sich der Eurokurs wenig verändert. Der Devisenmarkt reagiere moderat erleichtert, weil die Gewinne der EU-Gegner geringer ausfielen als befürchtet, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

          Auch an den Aktienbörsen zeigt sich zunächst Erleichterung. der europäische Auswahlindex Eurostoxx 50 legt 0,6 Prozent auf 3778 Punkte zu. In Deutschland gewinnt der den Aktienmarkt in seiner Breite abbildende F.A.Z.-Index 0,8 Prozent auf 2240 Zähler hinzu, der Standardwerteindex Dax ebenso stark auf 12.105 Stellen.

          Die Nachricht des Tages kam aus dem Autosektor, wo das Konsolidierungskarussell um eine Option reicher wird. Zu den größten Gewinnern gehörten hierbei die Autobauer BMW, Daimler und Volkswagen, deren Aktien sich um bis zu 2,1 Prozent verteuerten. Dass der italienisch-amerikanische Autobauer Fiat Chrysler eine Verschmelzung mit Renault vorschlug, sorgt im ganzen Sektor für Phantasie.

          EUR/USD

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          Die Gewinne für die Rechten seien im Rahmen der Erwartungen geblieben, meint Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Das sei alles in allem kein Ergebnis, das ihnen die Möglichkeit gebe, die Politik in Europa nennenswert zu beeinflussen. Die Märkte dürften daher auf das Wahlergebnis nicht groß reagieren.

           Allgemein droht es ein impulsarmer Handelstag zu werden, da die Tagesagenda kaum etwas hergibt, zumal die für das Geschehen an den Finanzmärkten besonders wichtigen Börsen in London und New York am Montag wegen Feiertagen geschlossen bleiben. Laut Analyst Michael McCarthy vom Broker CMC Markets dürfte das deutsche Aktiengeschäft darum von deutlich geringeren Börsenumsätzen geprägt sein, was allerdings hier und dort zu Kursausschlägen führen könnte.

          Die Anleger seien über den Ausgang der Wahl erleichtert, weil die rechtspopulistischen Parteien nicht so stark zugelegt haben wie befürchtet. Markus Schön, Geschäftsführer der DVAM Vermögensverwaltung, ist dennoch besorgt. Der europäische Gedanke dürfte nach den Zugewinnen der Rechtspopulisten und –konservativen immer kritischer hinterfragt werden.

          Klimaschutz ist nur ein deutsches Thema

          Ohne EU habe Europa aber international kaum eine Stimme und so dürfte auch Deutschland allein bei internationalen Verhandlungen zunehmend irrelevant werden. Ein starkes Europa sei existenziell für die Sicherung des Lebensstandards in Deutschland, aber das erkennten die deutschen Parteien nicht und rückten stattdessen den Klimaschutz in den Fokus. Doch außerhalb Deutschlands seien die Erfolge der Klimaschutz-Parteien aber überschaubar gewesen. Wenn Deutschland nur noch 1 Prozent der Weltbevölkerung stelle und von einer starken wirtschaftlichen Basis lebe, stelle sich die Frage, wie dann die Rettung des Weltklimas gelingen solle.

          Aufgrund eines  „im Saldo deutlich gegen Europa gerichtetes, aber in Deutschland noch nicht so wahrgenommenes Wahlergebnis“ rechnet Schön mit verstärkten Schwankungen der Aktienkurse und einem Eurokurs von möglicherweise weniger als 1,10 Dollar. Das werde Amerikas Präsident Trump zusätzliche Argumente für seinen handelsfeindlichen Kurs liefern.

          Krämer sieht eine Fortschreibung bekannter, problematischer Trends. Es werde in der EU noch schwieriger, Mehrheiten zu finden und das werde die Handelsgespräche mit den Vereinigte Staaten belasten. Krämer rechnet daher mit amerikanischen Autozöllen.

          Noch spannender werde die Entwicklung der Anleihekurse der Eurostaaten. Angesichts eines zunehmend EU-feindlichen Parlaments werde sich die Frage stellen, wie lange die EZB noch eine Euro-freundliche Geldpolitik werde betreiben können. Schon jetzt seien die Differenzen zwischen Deutschland und beispielsweise Italien auf dem Weg zu den höchsten Ständen seit der Eurokrise gewesen.

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