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Gefährdetes Wachstum : Finanzmärkte in Sorge über Konjunktur und Italien

Der unklare künftige Kurs der italienischen Regierung beunruhigt die Märkte. Doch Bedenken gibt es auch wegen anderer, eigentlich stabilerer Länder.

          Die Finanzmärkte finden nicht mehr zur Ruhe zurück. Zu den Sorgen über den künftigen Kurs Italiens traten Zweifel an der Nachhaltigkeit des Konjunkturaufschwungs hinzu, nachdem Stimmungsindikatoren besonders für Deutschland und Frankreich unerwartet schlecht ausgefallen waren. Bisher galt die unerwartet niedrige deutsche Rate des Wirtschaftswachstums von 0,3 Prozent im ersten Quartal als eine vorübergehende Delle, an die sich ab dem zweiten Quartal wieder höhere Wachstumsraten anschließen würden.

          Auch wenn diese Überzeugung immer noch in zahlreichen Finanzhäusern vertreten ist, sind doch zunehmend Zweifel an dieser Prognose zu hören. „Das Wirtschaftswachstum erfährt derzeit erheblichen Gegenwind unter anderem durch die Furcht, dass Italien eine neue Finanzkrise auslösen wird sowie durch die Sorge vor mehr Protektionismus in der Welt“, schreibt das Analysehaus Oxford Economics. Allerdings geht man derzeit nicht davon aus, dass ein unerwartet schwaches Wachstum die Europäische Zentralbank (EZB) davon abhalten wird, ihr Anleihekaufprogramm spätestens zum Jahresende einzustellen. In diesem Sinne äußerte sich am Donnerstag EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré.

          Der deutsche Aktienmarkt wurde von den Konjunktursorgen stärker erfasst als andere Aktienmärkte der Region. Der Dax lag am Mittwoch 1,5 Prozent im Minus, nach Erholung sah es auch am Donnerstagmorgen nicht aus. Die Nachricht, dass die Deutsche Bank den Abbau von rund 10.000 Arbeitsplätzen plant, half dem Aktienkurs der Bank nur wenig. Die Deutsche Bank hält an diesem Donnerstag ihre mit Spannung erwartete Hauptversammlung ab.

          Der Euro litt unter den schlechten Konjunkturaussichten

          Immer wenn an den Finanzmärkten die Unruhe zunimmt, steigt die Nachfrage nach Staatsanleihen aus Ländern, die als sichere Anlage gelten. Die steigenden Kurse dieser Anleihen schlagen sich in fallenden Renditen nieder. So fiel die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf 0,50 Prozent. Angesichts der Unsicherheit über die politische Entwicklung Italiens legte die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen deutlich auf 2,40 Prozent zu. Der Renditeabstand zwischen den beiden Papieren erreichte mit knapp 2 Prozent seinen höchsten Stand seit Juni 2017.

          Am Devisenmarkt litt der Euro unter den schlechten Konjunkturaussichten und der Unsicherheit über Italien. Der Wechselkurs fiel mit vorübergehend 1,1685 Dollar auf seinen niedrigsten Wert seit November 2017.

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