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Finanzmärkte : Die Fed lastet auf Europa

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Das beeindruckende Gebäude der Federal Reserve in Washington Bild: Reuters

Die Aussicht auf eine längerfristig lockere Zinspolitik und ein optimistischerer Ausblick der amerikanischen Notenbank belasten am Donnerstag die europäischen Börsen.

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          Was für Amerika gut ist, muss nicht positiv für Europa sein: Der optimistischere Konjunkturausblick der amerikanischen Notenbank (Fed) vom Mittwochabend hat dem amerikanischen Dollar Auftrieb verliehen. Der Dollar-Index, der den Wert des Greenback im Vergleich zu einem Korb der wichtigsten Weltwährungen angibt, stieg am Donnerstag auf 93,36 Punkte. Anfang des Monats hatte er mit 92,16 Punkten seit April 2018 markiert. Gegenüber dem Euro wertete der Dollar auf zuletzt 1,772 Dollar auf. Erstmals seit gut einem Monat wird für die Gemeinschaftswährung damit weniger als 1,18 Dollar bezahlt.

          Negativ auch die Reaktion am Aktienmarkt: Nachdem in Tokio der Nikkei-Index 0,7 Prozent tiefer bei 23.319,37 Punkten aus dem Handel ging, liegt auch  der deutsche Standardwerteindex Dax mit zuletzt 13,080 Punkten 1,3 Prozent im Minus. Der europäische Aktienindex Euro Stoxx 50 gibt 1,5 Prozent auf 3.288 Zähler nach. An der Wall Street war der S&P-500-Index nach der Fed-Entscheidung eingeknickt und hatte 0,5 Prozent im Minus geschlossen.

          Die Fed hatte angekündigt, die Zinsen so lange nicht anzutasten, bis die Ziele bei Inflation und Arbeitslosigkeit erreicht seien. Ihren Prognosen nach ist das aber nicht vor 2023 der Fall. Zudem will die Fed die Wertpapierkäufe "mindestens" im bisherigen Tempo fortführen. Zwar müsse man bei Prognosen vorsichtig sein, die derart lange  in die Zukunft reichen, sagte Derek Holt, Chefanalyst der Scotiabank. „Die Märkte preisen im Prinzip ein Ergebnis ein, und das heißt wenig Inflation und keine Zinserhöhungen in den kommenden Jahren." Dennoch zeigten sich einige Marktteilnehmer enttäuscht. „Die Fed hat im Grundsatz das Minimum dessen geliefert, was am Markt erwartet worden war“, sagte Stephen Miller, Investmentstratege bei GSFM. Den „geldpolitisch verwöhnten" Anlegern reiche das nicht mehr, sagte ein Händler.

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          Einige Marktteilnehmer hätten vorsichtige Andeutungen zu einer möglichen baldigen Erhöhung der Anleihenkäufe erwartet, sagtUlrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privatbanken bei der Deutschen Bank. „Da diese ausblieben, legte der Dollar in einer ersten Reaktion moderat zu.“ Die Fachleute der Commerzbank erwarten jedoch keine Trendwende hin zu einem wieder stärkeren Greenback. „Das neue Statement hätte meiner Meinung nach kaum taubenhafter sein können“, sagte Expertin Esther Reichelt. Entscheidend sei, dass die Ziele der Fed sowohl bei Inflation als auch bei Arbeitslosigkeit erreicht sein müssten, bevor die Notenbank Zinserhöhungen überhaupt in Erwägung ziehe. Zuletzt seien beide Bedingungen von März bis Oktober 2018 und davor im Jahr 2000 erreicht worden. „Die Fed stellt Bedingungen an Zinserhöhungen, die in der Vergangenheit nur äußerst selten erfüllt wurden.“ 

          AIn den nächsten drei Jahren daher keine Zinsschritte zu erwarten, schreibt auch Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner, zumal sich die Notenbank auch intern sehr geschlossen zeige. Obendrein habe sich die amerikanische Wirtschaft in den vergangenen Monaten unerwartet kräftig erholt. Ging man im Juni noch von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr um 6,5 Prozent aus, wird jetzt nur noch ein Rückgang von 3,7 Prozent unterstellt. Die Projektion der Arbeitslosenquote wurde von 9,3 auf 7,6 Prozent nach unten revidiert.

          Indes sind die Marktreaktionen allesamt nicht dramatisch. Der Euro etwa handelt weiter in der seit Ende Juli gültigen Spanne zwischen 1,17 und 1,20 Dollar. Der Dax hat seinen Schwung schon vor acht Wochen verloren, und seine jüngste Aufwärtstendenz wird durch die Kursverluste vom Donnerstag nicht in Frage gestellt.

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