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Für mindestens ein Jahr : Peking stellt Versicherer unter Staatsaufsicht

Chinas Versicherer Anbang kommt unter Staatsaufsicht. Bild: Reuters

Noch vor einem Jahr sollte die chinesische Anbang die deutsche HSH Nordbank retten. Dann wurde der Konzernchef verhaftet. Nun stellt Chinas Staat das Unternehmen unter Zwangsverwaltung. Braut sich im Reich der Mitte die nächste Finanzkrise zusammen?

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          Es gab mal eine Zeit, in der deutsche Manager und Politiker zu glauben schienen, in China wachse das Geld auf den Bäumen. Gerade mal ein knappes Jahr ist das nun her. Was in Deutschlands Bankenbranche auch zum Verkauf stand oder nach Investoren suchte, die Namen von Großkonzernen aus China fielen mit Sicherheit.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Bei der Deutschen Bank stieg der als Fluglinie gestartete Mischkonzern HNA von Chinas Tropeninsel Hainan ein und kurz darauf zum größten Anteilseigner auf. Mittlerweile hat die schuldenbeladene HNA so große Probleme flüssig zu bleiben, dass der Konzern überall auf der Welt hektisch Beteiligungen verkauft und seinen Anteil an der Deutschen Bank wieder reduziert hat, was dem Aktienkurs der Deutschen nicht gut getan hat.

          Auch der Pekinger Versicherer Anbang, der in einer ebenso kurzen wie spektakulären Einkaufstour rund um den Erdball Beteiligungen zusammengerafft hatte wie die Übernahme des New Yorker Traditionshotels Waldorf Astoria, galt in Deutschland als Retter in der Not.

          Mindestens ein Jahr unter staatliche Zwangsverwaltung

          Ausgerechnet die marode Staatsbank der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein, die HSH Nordbank, wollte die deutsche Politik den Chinesen verkaufen. Stefan Ermisch, Vorstandschef der deutschen Landesbank, die bis 2018 auf Anordnung der Europäischen Kommission bis 2018 verkauft werden muss, reiste nach Peking und ließ anschließend verlauten, chinesische Investoren hätten „großes Interesse“ gezeigt. Überhaupt habe China eine langfristige Perspektive und schaue weniger aufs Klein-Klein.

          Kurz darauf wurde der Gründer von Anbang, Wu Xiaohui, ohne Angabe von Gründen verhaftet. Acht Monate später kündigt Chinas Staat nun an, offiziell Anklage wegen „Wirtschaftsverbrechen“ gegen den früheren Chef des Versicherers zu erheben – und stellt das private Unternehmen für mindestens ein Jahr unter staatliche Zwangsverwaltung.

          HNA ist aus einer Fluggesellschaft erwachsen.

          Wie die staatliche Versicherungsaufsicht China Insurance Regulatory Commission (CIRC) am Freitag mitteilte, werde die Behörde für ein Jahr die Kontrolle bei Anbang übernehmen. Dafür wird eine 31 Personen starke Arbeitsgruppe gebildet, deren Vorsitz He Xiaofeng hat, ein CIRC-Beamter. Beim Regulator leitet He die Abteilung für Entwicklung und Reform. Weitere Details über seine Qualifikation, ein privates Versicherungsunternehmen wie Anbang zu führen, sind nicht bekannt.

          CIRC betont, dass es den Privatkonzern Anbang nicht verstaatlichen wolle. Dennoch ist die Zwangsverwaltung selbst für das von Planwirtschaft und staatlicher Kontrolle geprägte China ein höchst ungewöhnlicher Schritt. In der Mitteilung heißt es, dass sämtliche Aktivitäten von Anbang, die außerhalb dem Verkauf klassischer Versicherungen lägen, ab sofort dem Staat unterstellt seien.

          Das Lehman-Déjà-vu

          Das nicht börsennotierte Anbang hatte allein im Jahr 2016 umgerechnet 66 Milliarden Euro an Prämien eingesammelt – drei Jahre zuvor war es gerade einmal ein Zwanzigstel dieser Summe gewesen. Die gigantische Umsatzsteigerung war nicht Ergebnis gesteigerter Verkäufe langfristiger Lebensversicherungen, sondern oft nur ein paar Monate laufender Vermögensanlageprodukte (Wealth Management Products), die oft doppelt so viele Zinsen versprachen wie auf einem Bankkonto. Das hatte im vergangenen Jahr in China Befürchtungen ausgelöst, dass der Versicherer irgendwann die Ansprüche seiner Kunden nicht mehr bedienen könne und eine neue Finanzkrise auslösen könnte.

          DT. BANK

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          Wie Deutsche-Bank-Aktionär HNA hatte auch Anbang seine riesigen Auslandsakquisitionen vor allem über Schulden finanziert. In letzter Minute hatten Pekings Regulatoren bereits ein Jahr zuvor verhindert, dass Anbang-Chef Wu für die konkurrenzlose Summe von 14 Milliarden Dollar dem Bieter Marriott die Übernahme der amerikanischen Hotelkette Starwood vor der Nase wegschnappen konnte.

          Anbang könne sich zu einem chinesischen Lehman entwickeln, hatte es im vergangenen Jahr in Anspielung auf den Fall der amerikanischen Investmentbank im September 2008 geheißen. Ende Januar hatte der frühere chinesische Finanzminister Lou Jiwei gewarnt, im Vergleich zu Amerikas Finanzmarkt vor Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren sei das chinesische Finanzsystem noch „chaotischer“. Damals seien die riskanten Finanzprodukte wenigstens bei den Behörden registriert gewesen. In China hingegen seien die realen Risiken völlig undurchschaubar und könnten nur beziffert werden nach einer gründlichen Prüfung durch den Staat.

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