https://www.faz.net/-gv6-9kax2

Alternativen zu Übernahmen : Finanzinvestoren suchen neue Anlageziele

Offen für mehrere Anlagenklassen: Apollo-Chef Leon Black. Bild: Reuters

Amerikas große Finanzinvestoren suchen nach neuen Möglichkeiten Geld anzulegen. Alternative Anlagen rücken hierbei in das Blickfeld.

          3 Min.

          Egal ob Aktie oder Fonds – der Chef des amerikanischen Finanzinvestors Apollo, Leon Black, würde beides kaufen. Er ist am Mittwoch auf der Private-Equity-Konferenz „Super Return“ in Berlin gefragt worden, ob er eher in die Apollo-Aktie oder in die Fonds der Gesellschaft investieren würde. Die Frage hatte kein Geringerer als David Rubinstein gestellt. Der Gründer von Carlyle, einer der größten Beteiligunsgesellschaften der Welt, durfte seine Erfahrungen als Moderator einer Bloomberg-Fernsehsendung nutzen, um den ähnlich bekannten Finanzinvestor Black zu befragen. Doch es ging dabei weniger um die Aussichten und Chancen für Private Equity. Der Dialog zwischen Rubinstein und Black erinnerte eher an eine Leistungsschau der amerikanischen Finanzinvestoren.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          So durfte der Apollo-Gründer weiterhin mit Renditen von mehr als 20 Prozent werben, und nebenbei noch von seiner Kunstsammlung erzählen. Der Milliardär hatte vor Jahren das Gemälde „Der Schrei“ des norwegischen Malers Edvard Munch für 120 Millionen Dollar gekauft. Natürlich hält es Black für möglich, dass junge Finanzinvestoren einen ähnlichen Erfolg wie er erzielen können. Doch über das Wie schwieg er, zu seiner aktuellen Anlagepolitik äußerte er sich kaum. Die Vereinigten Staaten bieten seiner Ansicht nach noch immer hervorragende Chancen. Apollo würde 80 Prozent dort investieren, den Rest überwiegend in Westeuropa.

          Doch rosig ist das Umfeld derzeit nicht. In seiner späteren Rede deutete Rubinstein auf das schwächere Wachstum der amerikanischen Wirtschaft. Er legte sich aber auf keine Prognose fest, wie wahrscheinlich eine Rezession in den nächsten Jahren ist.

          Dass die amerikanische Notenbank Fed von weiteren Zinserhöhungen Abstand genommen hat, begründete Joseph Baratta, Private-Equity-Chef von Blackstone, mit der konjunkturellen Abkühlung. Auch die hohen Aktienrückkäufe amerikanischer Unternehmen seien kein gutes Zeichen, weil es ihnen an attraktiven Investitionsalternativen mangele. Zwar sitzen die Finanzinvestoren in der ganzen Welt auf reichlich liquiden Mitteln, doch die müssen angelegt werden.

          Wachsende Bedeutung alternativer Anlagen

          Das „trockene Pulver“ bezifferte Lennart Blecher vom schwedischen Finanzinvestor EQT sogar auf 1,7 Billionen Dollar und damit höher als die Fachleute der Beratungsgesellschaft PWC, die in ihrer jüngsten Analyse den Bestand auf „mehr als eine Billion Dollar“ geschätzt hatten. Blecher hat mit der Zunahme der liquiden Mittel kein Problem, weil die investierten Summen schneller wachsen. Trotzdem beschäftigt sich die erfolgsverwöhnte Branchen mit Alternativen zu den Übernahmen von Unternehmen, deren Preise in den Reihen deutscher Beteiligungsgesellschaften zum Teil als „gefährlich hoch“ bezeichnet werden.

          Der Chef des Finanzinvestors Ares, Michael Arougheti, sieht gegenwärtig gute Chancen in Krediten, die private Fonds verstärkt vergeben. Passend dazu teilte die Anlagegesellschaft Cambridge Associates mit, dass diese Fonds im vergangenen Jahr eine durchschnittliche Rendite von mehr als 10 Prozent erzielt hätten, während Staats- und Unternehmensanleihen (Bloomberg-Barclays-Index) ein Minus von 1,37 Prozent aufwiesen.

          Für Ares-Chef Arougheti liegt der Charme der Kredite gegenüber Beteiligungen in dem attraktiven Ertrag bei gleichzeitig niedrigerem Risiko. Blackstone-Manager Baratta trat Sorgen zu möglichen Exzessen am amerikanischen Markt für Unternehmensanleihen und -kredite entgegen. Diese hätten für wachstumsstarke Unternehmen eine starke Eigenkapitalkomponente und seien eher zu niedrig bewertet.

          Solange die Private-Equity-Gesellschaften nicht das Kapital ihrer Investoren vernichten, macht sich Centerbridge-Manager Matthew S. Kabaker keine Sorgen über die weiteren Aussichten. Die Weltwirtschaft in einer „exzellenten Verfassung“ sieht Bruce Flatt, Chef des amerikanischen Vermögensverwalters Brookfield. Viele Länder hätten sich wieder erholt, insbesondere Südamerika und Brasilien.

          Das begründete er auch mit der zukunftsorientierten Politik des neuen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, der wegen seiner rechtsextremen Äußerungen umstritten ist. Brookfield investiert neben Private Equity auch in Immobilien oder Infrastruktur. Chancen sieht Flatt in der gegenwärtigen „massiven Urbanisierung“, also dem hohen Zuzug in die großen Metropolen.

          Auf die hohe und weiter wachsende Bedeutung alternativer Anlagen, also von Infrastruktur, Unternehmensbeteiligungen, Start-up-Finanzierungen, direkten Kreditvergaben und Immobilien, wies David J. Blumer hin. Er verantwortet diesen Bereich für Blackrock, den größten Vermögensverwalter der Welt. Die dafür eingeworbenen Mittel hätten sich insgesamt zwischen 2010 und 2018 von 200 Milliarden auf 660 Milliarden Dollar erhöht. Blumer führte diese Entwicklung darauf zurück, dass es für institutionelle Investoren immer schwieriger werde, ihre Renditeziele ohne alternative Anlagen zu erreichen.

          Weitere Themen

          Wenn Titan und Iron bricht

          FAZ Plus Artikel: Kryptowährungen : Wenn Titan und Iron bricht

          Das Misstrauen gegenüber Kryptowährungen ist so alt wie diese selbst. Besicherte „Stablecoins“ sollten dies ändern. Auch die kontrollwütige Regierung in Peking geht gegen die Digitalwährung vor.

          Topmeldungen

          Hessens Innenminister Peter Beuth und SEK-Beamte im Jahr 2017

          Polizeiskandal in Hessen : Muckibude von Rechtsextremen

          Der Skandal um rechtsextreme Chats bei der Polizei wird immer größer. Im Zentrum steht ausgerechnet das SEK. Wer dessen Räume betrat, sollte staunen. Ein Fall von übersteigertem Elitebewusstsein?
          Rechtfertigt sich in einem Interviewbuch: der 91 Jahre alte frühere katalanische Regierungschef Jordi Pujol

          Katalanischer Politiker Pujol : Bereichert wie die amerikanische Mafia

          Jahrelang soll sein Sohn Taschen voller 500-Euro-Scheine nach Andorra gebracht haben. Jetzt kommen der frühere katalanische Regionalpräsident Jordi Pujol und seine Familie wegen Korruptionsverdachts vor Gericht.

          UEFA-Präsident : Čeferin ist ein Hai unter Haien

          Die EM, bei der die UEFA mindestens fragwürdige Entscheidungen trifft, zeigt, welche Allianzen ihr Präsident schmiedet, um im Spiel zu bleiben. Aleksander Čeferin ist ein wehrhafter Geschäftsmann.

          Cyberkrieg : Die digitale Atombombe entschärfen

          Als die Präsidenten Biden und Putin sich gerade trafen, ging es auch darum, Krieg im Internet zu verhindern. Daran muss selbst China liegen. Was tut die EU? Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.