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Luxusleben auf Kundenkosten : Wenn der Treuhänder in die Kasse greift

In dieser beschaulichen Szenerie von Vaduz galt ausländisches Geld früher als besonders sicher angelegt. Bild: Bloomberg

Seit Jahren erschüttern Betrugsskandale den Finanzplatz Liechtenstein. Treuhänder betrügen ihre Kunden um Millionen. Doch während die Finanzaufsicht schärfere Kontrollen fordert, wiegelt die Regierung ab.

          Am 18. Oktober wird es spannend am Kriminalgericht in Vaduz, der Hauptstadt des Fürstentums Liechtenstein. An jenem Tag wird über eine weitere Anklage gegen Harry Gstöhl verhandelt. Das ist der liechtensteinische Rechtsanwalt und Treuhänder, der im November 2017 wegen Untreue, schweren Betrugs und Geldwäsche zu sechs Jahren Haft verurteilt worden ist.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          „Dieses Urteil ist inzwischen rechtskräftig“, erklärt der leitende Staatsanwalt Robert Wallner der F.A.Z. Das Besondere an diesem Fall war und ist, dass es sich bei Gstöhl nicht um irgendeinen kleinen Finanzjongleur handelt. Der 70 Jahre alte Familienvater war im Nebenberuf viele Jahre Präsident des Liechtensteiner Verwaltungsgerichts und des Staatsgerichtshofs, also des Verfassungsgerichts. Er stand der Prüfungskommission für Treuhänder und Rechtsanwälte vor und vertrat Liechtenstein in der Venedig-Kommission des Europarats. 2004 verlieh ihm das Fürstenhaus den Ehrentitel „Fürstlicher Justizrat“.

          Derart geadelt, fiel es dem einst hochangesehenen Anwalt umso leichter, reiche Kunden aus aller Welt für die in Liechtenstein bis heute üblichen Treuhand- und Stiftungskonstruktionen zu erwärmen. Als einzelzeichnungsberechtigter Stiftungsrat hatte Gstöhl Kontovollmachten, die er jahrelang dazu nutzte, ohne Wissen der Stifter Geld auf eigene Konten zu überweisen und für seine eigenen Geschäfte zu nutzen (F.A.Z. vom 15. November 2017). Nach dem Urteil des Kriminalgerichts vom vergangenen Herbst hat er Vermögen in Höhe von 13 Millionen Franken veruntreut.

          Von einem Einzelfall kann nicht die Rede sein

          Schon damals bereitete die Staatsanwaltschaft indes eine zweite Anklage gegen Gstöhl vor, über die nun am 18. Oktober verhandelt wird. Nach Aussage von Staatsanwalt Wallner wird dem ehemaligen Treuhänder Untreue in drei Fällen und Betrug in 16 Fällen sowie Veruntreuung, Geldwäsche und ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Der verursachte Vermögensschaden ist nach Einschätzung Wallners mehr als doppelt so hoch wie im ersten Fall: „In der neuen Anklageschrift gehen wir von einer weiteren Deliktsumme von rund 28,5 Millionen Franken aus.“

          Damit schaukelt sich das Ganze zum größten je in Liechtenstein verhandelten Betrugsfall hoch. Dieser schadet der Reputation des kleinen Landes, das nach der 2008 erfolgten Verhaftung des ehemaligen Post-Chefs Klaus Zumwinkel, der Millionen unversteuert in einer liechtensteinischen Stiftung versteckt hatte, viel getan hat, um sein Image als Zufluchtsort für Steuersünder abzustreifen. Tatsächlich haben sich die Liechtensteiner Banken längst wieder berappelt: Ende 2017 verwalteten sie Kundenvermögen von 294 Milliarden Franken – 25 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

          Als im vergangenen November das erste Urteil gegen Harry Gstöhl gesprochen wurde, spielte der Regierungschef und Finanzminister Adrian Hasler die Sache herunter: Es handle sich um einen Einzelfall; mit erheblicher krimineller Energie verübte Betrügereien könnten auch mit der besten Aufsicht nicht verhindert werden.

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