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Fever-Tree Limonade : Gin-Tonic-Fans trinken Aktionäre in Laune

Cheers: Die Damen freuen sich sicherlich über ihre saftigen Kursgewinne. Bild: Fever Tree Tonic Water Pressefoto

Fever-Tree, der britische Anbieter von Bitterlimonaden, ist rasant gewachsen. Das haben sie vor allem dem Gin-Boom zu verdanken. Wie lange trägt der Durst?

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          So einen Kursverlauf sehen Aktionäre gerne: Seit Fever-Tree, ein britischer Anbieter von Edel-Limonaden und Tonicwater, im November 2014 an die Börse gegangen ist, hat sich der Kurs der Aktie mehr als verzwanzigfacht. Wer sich zum Börsendebüt Aktien im Wert von 1000 Pfund gekauft hat, dessen Aktien sind jetzt mehr als 21.000 Pfund wert, hinzu kommt noch etwas Kleingeld aus den Dividenden.

          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Unternehmen hat es geschafft, die Umsatz- und Gewinnerwartungen immer wieder zu übertreffen. Jährlich stieg der Aktienkurs im Mittel um 136 Prozent. Die Mehrheit der Analysten empfiehlt die Aktie weiter zum Kauf. Laut Bloomberg haben sich derzeit sechs Analysten näher mit der Aktie befasst, fünf von ihnen heben die Daumen, nur einer empfiehlt „halten“, keiner rät derzeit zum Verkauf.

          Gin-Boom ohne das richtige Tonic-Wasser

          Fever-Tree profitiert von mehreren Entwicklungen. Zum einen erlebt der Gin, einst als Billiggetränk und „Mother’s Ruin“ verpönt, seit Jahren eine glanzvolle Renaissance. Insbesondere die Briten geben deutlich mehr Geld für Gin Tonic aus als früher. Das belegen Zahlen des britischen Statistikamts: Demnach haben die Briten 2017 umgerechnet 517 Millionen Dollar für Gin ausgegeben – das ist ein Drittel mehr als im Vorjahr und sogar dreimal so viel wie im Jahr 2009. Zum anderen greifen Verbraucher zunehmend zu höherwertigem Tonicwater mit natürlichen Zutaten.

          FEVERTREE PLC LS -,0025

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          Bislang hat die Erfolgsgeschichte kaum Kratzer: Der Umsatz von Fever-Tree steigt seit Jahren: 2014 waren es noch 34,7 Millionen Pfund, im vergangenen Jahr schon mehr als 170 Millionen. Und in diesem Jahr werden die Zahlen nochmals deutlich übertroffen: Allein im ersten Halbjahr hat Fever-Tree schon mehr als 104 Millionen Pfund erlöst. Fast genauso schnell stiegen die Gewinne (Ebitda): Im Jahr 2014 waren es erst 10 Millionen Pfund, im vergangenen Jahr schon 58,7 Millionen Pfund.

          Fever-Tree wurde im Jahr 2005 von Tim Warrillow und Charles Rolls gegründet. Die beiden hatten damals eine Marktlücke ausgemacht: Der Gin-Boom hatte schon begonnen, doch was fehlte, war hochwertiges Tonicwater. Ihr Gedanke: Wer viel Geld für einen teuren Gin ausgibt, will ihn nachher nicht mit glanzlosem Schweppes verdünnen. Also setzten sie auf natürliche Zutaten und ihr Marketing-Gespür. Ihr Unternehmen tauften sie auf einen Namen, der wörtlich übersetzt „Fieber-Baum“ bedeutet – es ist die Bezeichnung des Chinarindenbaums, aus dessen Rinde Chinin gewonnen wird, die wichtigste Zutat für Tonicwater.

          Herausforderung mit Optimismus entgegen blicken

          Das in London ansässige Unternehmen mit seinen nur rund 50 Mitarbeitern ist trotz des Erfolges klein und schlank geblieben, dafür aber hoch profitabel. Viele Tätigkeiten übernehmen Subunternehmer, etwa die Produktion, das Abfüllen und den Vertrieb. Die Gewinnmarge liegt bei rund 33 Prozent.

          Billig ist die Aktie freilich nicht mehr. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnschätzung für 2018 liegt bei mehr als 70 – sehr hoch für ein Unternehmen aus der Konsumgüterindustrie. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens beträgt mittlerweile fast 4,4 Milliarden Euro. Da steckt schon erheblicher Optimismus für das weitere Wachstum drin. Falls das Unternehmen nicht den hohen Erwartungen standhält oder der Modetrend ausläuft, müssen Aktionäre auch mit Kurseinbrüchen rechnen.

          Dennoch ist der Analyst Richard Felton von Morgan Stanley optimistisch. Die Bewertung sei zwar „herausfordernd“, dennoch sieht er Potential für noch höhere Kurse – sein Jahresziel liegt bei 42 Pfund. „Die Halbjahresergebnisse waren exzellent“, schreibt Felton in seiner Analyse: „Wir glauben, das Wachstumspotential von Fever-Tree wird vom Markt noch immer unterschätzt.“

          Bislang erzielt Fever-Tree rund 58 Prozent seiner Umsätze in Großbritannien, 25 Prozent im restlichen Europa und bislang nur rund 15 in den Vereinigten Staaten. Das soll sich ändern. Fever-Tree will seine britische Erfolgsgeschichte in den Vereinigten Staaten wiederholen. Für die Expansion dort hat sich Fever-Tree mit einem starken Partner verbündet. Der amerikanische Großhändler Southern Glazer’s Wine and Spirits soll Fever-Tree vermarkten.

          Das Unternehmen ist der größte Wein- und Spirituosenvermarkter in Amerika, der auch die Spirituosen von Diageo, Pernod und Bacardi im Sortiment hat. Das stimmt Analysten optimistisch. Der amerikanische Markt gilt als vielversprechend, weil in den Vereinigten Staaten zwar schon viele hochwertige Spirituosen verkauft werden (Marktanteil der Premiummarken über 50 Prozent), aber noch kaum hochwertige Mix-Getränke zum Strecken der Longdrinks (Marktanteil der Premiummarken unter 10 Prozent).

          Analyst Felton rechnet damit, dass sich dort der Markt für hochwertige Mischgetränke in den kommenden fünf Jahren verdreifacht. Spätestens im Jahr 2022 dürften die Vereinigten Staaten für Fever-Tree der größte Markt sein und damit Großbritannien überholt haben.

          Die Erfolgsgeschichte ruft aber auch Nachahmer auf den Plan. In Deutschland etwa das Berliner Unternehmen „Thomas Henry“. Dort haben sich die Gründer allerdings schon verabschiedet und ausbezahlen lassen. Übernahmespekulationen gab es auch im Falle Fever-Trees schon. Als mögliche Käufer wurden in Berichten Unilever und Diageo genannt.

          Allerdings spricht der hohe Aktienkurs eher gegen eine Übernahme. Die beiden Fever-Tree-Gründer haben zwar auch schon eigene Aktien verkauft, Tim Warrillow hält aber immer noch knapp 5,4 Prozent, Charles Rolls knapp 8,6 Prozent der Aktien.

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