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Aktienkurs unter Druck : Hühnchen vermiesen Deutscher Post den Jahresstart

  • Aktualisiert am

Ein Menü der Fastfood-Kette KFC. Bild: AP

Die Deutsche Post hat mit ihrer Einstellungspraxis den Groll der Politik auf sich gezogen. Aktuelle Zahlen dürften nun die Börsianer verärgern. Schuld daran ist auch ein kurioser Zwischenfall in Großbritannien.

          Die Grippewelle und ein Desaster um fehlende Hähnchen bei der Fastfood-Kette KFC haben der Deutschen Post den Start ins Jahr vermiest. Gestiegene Betriebskosten in Deutschland dämpften den Gewinnanstieg im laufenden Geschäft. Vorstandschef Frank Appel sieht den Logistikkonzern nach dem ersten Quartal zwar auf Kurs, den operativen Gewinn (Ebit) im laufenden Jahr auf 4,15 Milliarden Euro zu steigern. Allerdings liege „noch viel Arbeit vor uns“, räumte er bei der Vorlage der Zwischenbilanz am Dienstag ein.

          An der Börse kamen die Nachrichten schlecht an. Kurz nach Handelsstart verlor die Post-Aktie 6 Prozent an Wert und war damit Schlusslicht im Dax . „Die Quartalsergebnisse der Post enttäuschen durch die Bank“, sagte ein Börsianer.

          Für besonders teuren Ärger sorgte bei der Post eine schwere Panne im Geschäft mit der Schnellrestaurant-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC). Die Konzernsparte DHL-Lieferkettenlogistik hatte Anfang des Jahres die Belieferung der KFC-Filialen in Großbritannien und Irland übernommen. Doch die Belieferung stockte, und den Restaurants fehlten massenhaft Hähnchen. DHL teilte damals mit, aufgrund von „Störungen in den Betriebsabläufen“ seien „einige Lieferungen (...) unvollständig oder verspätet“ erfolgt. Hunderte Filialen mussten zeitweise schließen, die Probleme dauerten wochenlang an. „Wir sind auf sehr sehr gutem Wege, zum Normalbetrieb zurückzukommen“, sagte Post-Managerin Kreis nun.

          DT. POST

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          Die DHL-Lieferkettenlogistik musste im ersten Quartal einen Gewinneinbruch um 44 Prozent hinnehmen. Als Grund führte die Post Sonderbelastungen aus Kundenverträgen in Höhe von 50 Millionen Euro an. Ein Teil der Belastung entfalle auf KFC, räumte Kreis ein, nannte aber keine Summe.

          Von Januar bis März erzielte die Post insgesamt einen Umsatz von 14,75 Milliarden Euro und damit knapp ein Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Neben Währungseffekten drückte der Verkauf der Tochter Williams Lea auf die Erlöse. Der operative Gewinn stieg um gut zwei Prozent auf 905 Millionen Euro, verfehlte aber klar die Erwartungen von Analysten. Der Überschuss sank überraschend um fünf Prozent auf 600 Millionen Euro.

          Sondereffekte und ungünstige Währungskurse beeinflussten die Zahlen deutlich. Allein Währungseffekte belasteten den Umsatz mit 780 Millionen Euro, wie die aus London zugeschaltete Finanzchefin Melanie Kreis erläuterte. Die Umstellung auf den neuen Bilanzierungsstandard IFRS 16 trieb das Ebit nach oben, zog den Überschuss aber nach unten. Zudem wirkte sich eine Neubewertung der Pensionsverpflichtungen in Deutschland mit 108 Millionen Euro positiv aus.

          Befristungspraxis sorgt für Ärger

          Während Post-Chef Appel sich am Morgen mit einem „insgesamt guten Jahresauftakt“ zitieren ließ, räumte Finanzchefin Kreis ein „gemischtes Bild“ beim Blick auf die einzelnen Bereiche“ ein. So konnte der verlässliche Gewinnbringer DHL Express dank des lukrativen Geschäfts mit zeitkritischen Sendungen sein operatives Ergebnis weiter steigern. Auch die lange darbende DHL-Frachtsparte legte kräftig zu. Der Konzern habe die gestiegenen Frachtraten jetzt an seine Kunden weitergeben können, sagte Kreis. Zudem habe der Bereich unattraktive Kundenverträge nicht verlängert.

          In der Sparte PeP, in der die Post ihr heimisches Briefgeschäft, das Paketgeschäft in Deutschland und anderen europäischen Ländern sowie die Digitalangebote gebündelt hat, sorgten jedoch hohe Investitionen, der Tarifabschluss mit den Beschäftigten und die Grippewelle für einen Gewinnrückgang.

          In den vergangenen Tagen hatte die Post mit einer Einstellungspraxis für Schlagzeilen gesorgt. So macht der Konzern die Entfristung von Arbeitsverträgen unter anderem von den Krankheitstagen der betreffenden Mitarbeiter abhängig. Weitere Kriterien sind selbstverschuldete Kfz-Unfälle und die Zeit, die die Mitarbeiter für ihre Touren benötigen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) will sich für eine Änderung einsetzen. Der Bund ist über die Förderbank KfW der größte Aktionär der Deutschen Post.

          Im Hauptgeschäft sieht Vorstandschef Appel indes gute Voraussetzungen, den Gewinn 2018 und in den kommenden Jahren weiter zu steigern. „Mit dem anhaltenden Boom im internationalen E-Commerce ist der wichtigste Wachstumstreiber für unsere Geschäfte intakt“, sagte er.

          Werden Pakete und Briefe nun teurer?

          Zwar gingen die Briefmengen des Konzerns im ersten Quartal weiter zurück - pro Arbeitstag um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allerdings beförderte die Post im ersten Quartal allein in Deutschland 350 Millionen Pakete und damit 7,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

          Appel will den operativen Gewinn des Konzerns von 3,74 Milliarden Euro im Vorjahr auf 4,15 Milliarden in diesem Jahr und bis Ende des Jahrzehnts auf mehr als 5 Milliarden Euro steigern. Analysten halten das Gewinnziel für 2018 im Schnitt bislang für realistisch. An den Zielen für 2020 hegen sie jedoch Zweifel. Im Schnitt gingen sie für Ende des Jahrzehnts zuletzt von 4,8 Milliarden Euro Gewinn aus - mindestens 200 Millionen weniger als von Appel angepeilt.

          Nach dem Gewinn-Rückgang in der Brief- und Paketsparte im ersten Quartal denkt die Post nun über höhere Paket-Preise nach. Der Konzern erwäge Preiserhöhungen für Pakete, sagte Konzernchef Frank Appel dazu am Dienstag in London vor Analysten. Es gebe aber noch keine Entscheidung. Zudem werde der Konzern vor einem Beschluss über die Preise Gespräche mit seinen großen Kunden führen. Bei Briefen könnte auf die Verbraucher ab 2019 ein höheres Porto zukommen. Das muss die Bundesnetzagentur allerdings genehmigen. Es wäre dann klug, über eine Erhöhung in einem Schritt als mehrere kleinere Erhöhungen nachzudenken, sagte Appel.

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