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Amerika : Fed-Chef erfreut die Börse und widersteht Trump

Fed-Chef Jerome Powell nach einer Konferenz in Washington am 21. März 2018. Bild: AFP

Die Stimmung in der amerikanischen Wirtschaft ist schlecht – der Vorsitzende der Notenbank beruhigt die Anleger: Die Aktienkurse und die Anleiherenditen steigen. Im Konflikt mit Trump zeigt sich Powell hingegen ungerührt.

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          Die Börsen haben nach einem äußerst ereignisreichen Freitagnachmittag mit deutlich höheren Aktienkursen in den Vereinigten Staaten und in Europa geschlossen. So legte der Dax 3,4 Prozent auf 10.767,69 Punkte zu. Fallende Anleihekurse sorgten für steigende Renditen. So rentieren zehnjährige amerikanische Staatsanleihen nun mit 2,65 statt zuvor 2,56 Prozent.

          Zwei Ereignisse sorgten für die steigenden Aktien- und fallenden Anleihekurse. Auf einer Veranstaltung in Atlanta zeigte sich der Vorsitzende der Notenbank Fed, Jerome Powell, verständnisvoll für die Sorgen der Finanzmärkte vor einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Die Fed höre den Teilnehmern an den Finanzmärkten genau zu, versicherte Powell. Der Vorsitzende der Notenbank bezeichnete einerseits den Zustand der amerikanischen Wirtschaft als sehr gut, aber er zeigte sich auch bereit, im Falle schlechterer Aussichten alle notwendigen geldpolitischen Instrumente einzusetzen, um dagegen anzukämpfen.

          Dies wurde an den Finanzmärkten als eine Bereitschaft Powells aufgefasst, gegebenenfalls auf die von der Fed bisher in Aussicht gestellten zwei Leitzinserhöhungen im laufenden Jahr zu verzichten und eventuell auch die Bilanzsumme der Fed um weniger als die vorgesehenen 50 Milliarden Dollar im Monat zu reduzieren.

          In seinem Konflikt mit Präsident Donald Trump zeigte sich Powell hingegen ungerührt. Auf die Frage, ob er zurücktreten würde, falls Trump dies von ihm verlange, antwortete Powell kurz und bündig: „Nein.“ Er betonte, in der Fed bestehe seit langer Zeit eine starke Kultur der politischen Unabhängigkeit. Auf die Frage nach einem Treffen mit Trump äußerte sich Powell ausweichend. Aus dem Weißen Haus war allerdings am Freitagnachmittag zu erfahren, die beiden Männer würden sich bald sehen.

          Überraschend positive Arbeitsmarkt-Zahlen veröffentlicht

          Wenige Stunden vor Powells Äußerungen waren in den Vereinigten Staaten unerwartet starke Zahlen vom Arbeitsmarkt veröffentlicht worden. So sind im Dezember 312.000 neue Stellen entstanden; die Stundenlöhne der Beschäftigten nahmen im Jahresvergleich um 3,2 Prozent zu. Viele Ökonomen hatten weniger gute Zahlen erwartet. Mehrere große Finanzhäuser zeigten sich zuversichtlich, dass die guten Arbeitsmarktzahlen zumindest eine vorübergehende Besserung der Stimmung an den Aktienmärkten, wenn nicht sogar eine kräftige Hausse erlauben sollten. „Die düstere Stimmung an den Märkten ist angesichts der wirtschaftlichen Aussichten übertrieben“, heißt es in einem Marktkommentar der niederländischen Großbank ING. Stimmungsindikatoren zeigen, dass viele Anleger am Aktienmarkt derzeit außerordentlich negativ gestimmt sind. In der Vergangenheit sind extreme Stimmungslagen häufig von einer wenigstens kurzfristigen Gegenreaktion an der Börse beantwortet worden.

          Weniger zuversichtlich als die Aktienmärkte präsentieren sich die Anleihemärkte. Dort zeigen die Bewertungen weiterhin die Erwartung einer deutlichen Abschwächung der Konjunktur an, die es der Fed nicht gestatten werde, ihren Leitzins weiter zu erhöhen. Vielmehr hält eine Mehrheit der Marktteilnehmer mittlerweile sogar eine Leitzinssenkung im laufenden Jahr für wahrscheinlich. „Obgleich die Arbeitsmarktzahlen auf den ersten Blick stark aussehen, haben sie den Markt nicht so beeinflusst, wie sie dies vor zwölf Monaten getan hätten“, kommentierte Neil Wilson, Analyst der Londoner Handelsplattform markets.com. „Das unterstreicht die Unsicherheit über den Zustand der amerikanischen Wirtschaft und der Geldpolitik der Fed.“ Die Zahlen vom Arbeitsmarkt seien wirklich gut, bemerkte das Wertpapierhaus Nomura und schränkt dann ein: „Zweifler werden sagen, dass es sich um Daten handelt, die einen Zustand aus der wirtschaftlichen Vergangenheit beschreiben.“

          Die Skeptiker an den Anleihemärkten weisen auf den niedrigen Abstand zwischen den Renditen zehnjähriger und zweijähriger Staatsanleihen hin, der nach früheren Erfahrungen eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums ankündigt. Zudem deutet die wachsende Differenz der Renditen für amerikanische Unternehmensanleihen mit schwacher Bonität und amerikanischen Staatsanleihen auf eine Konjunkturschwäche.

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