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Expansive Geldpolitik : Fed zögert noch mit dem Ausstieg

Jerome Powell, Präsident der Fed Bild: Reuters

Die US-Notenbank Fed will ihre momentane expansive Geldpolitik regelmäßig auf den Prüfstand stellen. Doch zu einem Kurswechsel ist sie noch nicht bereit.

          3 Min.

          Die Finanzmärkte haben moderat auf die Entscheidung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) reagiert, die Leitzinsen in der Bandbreite zwischen 0 und 0,25 Prozent zu belassen und an der Politik der quantitativen Lockerung im bisherigen Umfang festzuhalten, bis es zu substanziellen Verbesserungen des Arbeitsmarktes kommt. Das hat die Märkte offenbar ebenso beruhigt wie die Einschätzung des Fed-Chefs Jerome Powell, dass die Wirtschaft der Vereinigten Staaten im zweiten Quartal so stark gewachsen ist wie seit vielen Jahren nicht mehr.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.
          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Fed-Sitzung war von professionellen Anlegern mit banger Aufmerksamkeit verfolgt worden. Sie hatten die Möglichkeit einkalkuliert, dass die Notenbank stärkere Signale zur Einschränkung des Anleihekaufprogramms aussendet. Die Fed stockt ihr Anleiheportfolio Monat für Monat um Staatsanleihen im Umfang von mindestens 80 Milliarden Dollar und Hypothekenanleihen im Umfang von mindestens 40 Milliarden Dollar auf.

          Powell beschränkte sich in der Pressekonferenz, die sich am Mittwochabend der zweitägigen Fed-Sitzung anschloss, auf die Ankündigung, regelmäßig in künftigen Sitzungen zu prüfen, ob die wirtschaftlichen Voraussetzungen für ein Programm in dieser Höhe angesichts der überraschend starken wirtschaftlichen Konjunkturerholung noch gerechtfertigt seien. Ist dies nicht der Fall, könnte in einem ersten Schritt das Volumen der Anleihekäufe gedrosselt werden („Tapering“).

          Powell stellte aber zugleich klar, dass sich die Anleihekäufe als geldpolitische Instrumente bewährt hätten und dass die Wirtschaftsdaten noch nicht jenen sub­stanziellen Fortschritt aufwiesen, der zu einer Neubewertung des Programms veranlassen würde. Powell hat offenbar auch Zentralbanker erfolgreich eingehegt, die den Kauf von Hypothekenanleihen angesichts der Preissteigerungen bei Immobilien infrage stellten.

          Investoren rechnen mit Fortsetzung der Anleihekäufe durch Fed und EZB

          Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Staatsanleihe, die besonders sensitiv auf eine mögliche Veränderung der Politik der quantitativen Lockerung reagiert, gab nach dem Ende der Fed-Sitzung um 0,01 Prozentpunkte nach auf 1,23 Prozent. Am Donnerstag hat sie sich auf 1,25 Prozent erhöht. Im März hatte die Rendite noch bei 1,8 Prozent gelegen, als an den Finanzmärkten die Sorgen vor einer Inflation zunahmen. Diese haben sich aber wieder gelegt, wie der Renditerückgang zeigt. Die zehnjährige Rendite der Bundesanleihe liegt mit minus 0,445 Prozent wieder so tief wie zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020.

          Die Renditerückgänge bei Staatsanleihen sind auch darauf zurückzuführen, dass die Investoren nun mit einer Fortsetzung der Anleihekäufe durch Fed und Europäische Zentralbank (EZB) rechnen. In der vergangenen Woche hatte der EZB-Rat diesen Erwartungen entsprochen und angekündigt, die Zinsen so lange auf dem derzeit niedrigen Niveau zu belassen, bis sich die Inflationsrate nachhaltig auf dem Zielniveau von 2 Prozent eingependelt hat. Für die Kritiker im EZB-Rat – neben Bundesbankpräsident Jens Weidmann zählen dazu Österreichs Notenbankpräsident Robert Holzmann und Belgiens Notenbankgouverneur Pierre Wunsch – hat sich die EZB in ihrem Zinsausblick zu lange festgelegt. Den Zeitraum schätzt Wunsch auf fünf bis sechs Jahre.

          Auch in den Vereinigten Staaten ist nach der jüngsten Fed-Sitzung die Überzeugung einer noch länger expansiven Geldpolitik offenbar nicht erschüttert worden, wenn sie auch so interpretiert wird, dass die Zentralbanker von nun an eine Drosselung stärker ins Auge fassen. Powell hat aber auch klargemacht, dass die überraschend hohen Preissprünge weiter als vorübergehend bewertet werden und zudem durch Ausreißer einzelner Produktgruppen wie Autos geprägt seien. Für konjunkturelle Unsicherheit sorgt die Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus, die Amerikas Gesundheitsbehörden inzwischen zu verschärften Schutzmaßnahmen veranlasst hat.

          „Es gab das erwartete Ergebnis, nur etwas weniger Lockerheit“,

          „Bei der Fed dreht sich derzeit alles um das Tapering“, lautet der Kommentar von Daniel Hartmann, Chefvolkswirt des Schweizer Vermögensverwalters Bantleon. Als klaren Hinweis betrachtet er eine neue Aussage in der aktuellen Fed-Erklärung, wonach die Wirtschaft seit Dezember Fortschritte in Richtung der Fed-Ziele (Preisstabilität und Vollbeschäftigung) gemacht habe.

          DWS-Volkswirt Christian Scherrmann geht davon aus, dass die Reduktion der Anleiheankäufe auf der Juli-Sitzung höchstwahrscheinlich sehr intensiv diskutiert worden sei. Jedoch bleibe diese Diskussion vorerst Theorie. Die meisten der Fed-Vertreter teilten die Ansicht, dass es einige Sitzungen brauchen werde, um die Sache abschließend zu klären. Die Fed hat es nach Ansicht von Scherrmann nicht eilig, und einige Unsicherheiten bestehen ja nach wie vor.

          Von guten Nachrichten für Investoren sprach Johannes Mayr, Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Eyb & Wallwitz. Da sich die konjunkturelle Erholung abschwäche, wachse für die Börsen die Bedeutung des Rückenwinds durch die Geldpolitik. Die Zinsstrategen der BayernLB halten weiterhin eine Entscheidung zur Drosselung der Fed-Anleihekäufe im vierten Quartal für wahrscheinlich. „Es gab das erwartete Ergebnis, nur etwas weniger Lockerheit“, lautete das Fazit von John Vail, Chefanlagestratege des japanischen Vermögensverwalters Nikko.

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