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Amerikanische Notenbank : Die Fed erhöht ihren Leitzins

„Die Volkswirtschaft ist in den vergangen Monaten stärker geworden“, heißt es in der Mitteilung der Fed. Bild: Reuters

Die amerikanische Notenbank hat am Mittwoch wie weithin erwartet ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte erhöht. Der neue Notenbankchef Powell betont, die Politik seiner Vorgängering fortsetzen zu wollen. Der Dollar verliert am Devisenmarkt

          Die amerikanische Notenbank hat am Mittwoch wie weithin erwartet ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte erhöht. Der Korridor für die sogenannte Fed Funds Rate – das ist der Zins, zu dem in Amerika Banken Handel mit ihren Guthaben bei der Fed betreiben – wurde auf 1,50 bis 1,75 Prozent erhöht.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Anders als in anderen Ländern setzt die Notenbank in den Vereinigten Staaten keinen festen Leitzins, sondern sie nennt einen Korridor. Vor allem durch Wertpapiergeschäfte mit den Banken sorgt sie dafür, dass der Zins innerhalb des von ihr angestrebten Korridors verbleibt.

          Der neue Vorsitzende der Fed, Jerome Powell, versprach in einer Pressekonferenz, die Notenbanken wolle ihren Prozess „gradueller Zinserhöhungen“ fortsetzen, den seine Vorgängerin Janet Yellen begonnen habe. Obgleich die Führung der Fed die Aussichten der amerikanischen Wirtschaft heute besser einschätzt als Ende 2017, zeigen die Projektionen, dass eine Mehrheit der Führungsmitglieder für das laufende Jahr drei Leitzinserhöhungen sieht. In den vergangenen Wochen hatte sich an den Finanzmärkten die Vorstellung durchgesetzt, die Fed werde ihren Leitzins in diesem Jahr viermal erhöhen. Obgleich Powell relativierend bemerkte, die gegenwärtigen Projektionen könnten sich ändern, reagierte der Markt. So wertete der Dollar gegenüber dem Euro auf 1,2323 Dollar ab.

          „Keine negativen Einflüsse auf die Wirtschaftslage durch Handelsdebatten“

          Die wirtschaftliche Dynamik habe in den vergangenen Monaten zugenommen, sagte Powell. Die Fed erwartet für 2018 ein Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent; bis 2020 sollte es sich auf 2 Prozent ermäßigen. Ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum von 3 Prozent, wie es sich das Weiße Haus vorstellt, sei ohne Produktivitätszuwächse nicht sehr realistisch.

          Die Inflation dürfte weiterhin keine große Gefahr darstellen; nach den Schätzungen könnte sie von 1,9 Prozent in diesem Jahr auf 2,1 Prozent im Jahre 2020 steigen. Powell berichtete, dass die amerikanischen Geldpolitiker in Gesprächen mit Unternehmen viele Sorgen über die Gefahr eines Handelskriegs hörten. Allerdings sähe die Fed im Moment keine negativen Einflüsse auf die Wirtschaftslage durch die Handelsdebatten.

          Powell sieht derzeit keine großen Gefahren für die Finanzstabilität; er sprach von einem „niedrigen Niveau an Verletzbarkeit“. Es sei zwar richtig, dass an mehreren Vermögensmärkten, darunter am Aktienmarkt, die augenblicklichen Bewertungen im historischen Maßstab hoch seien. Doch die Banken hätten mehr Eigenkapital, die Märkte seien liquider geworden und eine exzessive Lust der Anleger, Risiken einzugehen, sei nicht erkennbar.

          Powell konzedierte, dass die Verschuldung der amerikanischen Unternehmen deutlich zugenommen habe, aber angesichts der guten Wirtschaftslage und der geringen Zahl von Insolvenzen sieht er darin kein Problem.

          Zinserhöhungen dürften auch anderswo kommen

          Der neue Vorsitzende der Fed versuchte sich auf der Pressekonferenz anders zu präsentieren als seine Vorgängerin. Im Gegensatz zu der mit langsamen Worten dozierenden und still sitzenden Janet Yellen sprach er schnell und mit weit ausholenden Armbewegungen. Mehrere Male zitierte er Erkenntnisse aus der ökonomischen Theorie; möglicherweise, um damit Kompetenz zu demonstrieren.

          Denn Powell ist seit Jahrzehnten der erste Vorsitzende der Fed, der nicht an einer ökonomischen Fakultät studiert hat. Außerdem ließ eine größere Zahl von Übertragungskameras die Pressekonferenz Powells weniger monoton erscheinen als Pressekonferenzen Yellens oder, in der Eurozone, Mario Draghis.

          Die Fed dürfte mit Leitzinserhöhungen nicht alleine bleiben. In Großbritannien gilt nach der Veröffentlichung neuer Konjunkturdaten eine Erhöhung des Leitzinses im Mai als nahezu sicher – und nicht wenige Analysten meinen, dass die Bank of England im weiteren Jahresverlauf zu einem zweiten Zinsschritt greifen dürfte.

          Auch in Norwegen gehen die Marktteilnehmer von einer Leitzinserhöhung in den kommenden Monaten aus; in Schweden ist die Lage eher unklar. Nach den Erwartungen des Marktes dürfte die EZB ihren Leitzins erstmals im Frühjahr 2019 erhöhen – eine Annahme, die aus der EZB nicht als unrealistisch bezeichnet wird.

          Wenig Kursreaktionen sind an den europäischen Anleihemärkten derzeit auf die klaren Versuche der EZB wahrzunehmen, die Märkte auf ein Ende ihres Anleihekaufprogramms einzustimmen. Das Programm läuft bis Ende September. Seit Wochen versuchen Mitglieder des Direktoriums der EZB die Botschaft auszustrahlen, dass die laufenden Anleihekäufe gar nicht mehr so wichtig seien; vielmehr komme es auf Bestände in der EZB an.

          Diese sollen auch nach einem Ende des Anleihekaufprogramms auf zunächst unbestimmte Zeit konstant gehalten werden, was bedeutet, dass die EZB fällig werdende Papiere durch andere ersetzt. Dadurch bliebe die EZB auch nach einer Einstellung ihres Programms mit Käufen von etwas mehr als 10 Milliarden Euro im Monat auf den Märkten für Staats- und Unternehmensanleihen präsent.

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