https://www.faz.net/-gv6-a2x78

Gläubiger stimmen zu : Weg frei für Argentiniens Schuldenschnitt

  • Aktualisiert am

Die Pandemie hat auch Argentinien stark getroffen. Links Präsident Alberto Fernandez, im Hintergrund Verteidungsminister Agustin Rossi. Bild: AFP

Der Weg für einen neuerlichen Schuldenerlass für Argentinien ist frei. Damit hat sich die Lage des Landes etwas verbessert.

          1 Min.

          Fast alle privaten Gläubiger haben dem über Monate ausgehandelten Schuldenschnitt für Argentinien zugestimmt. Die Eigentümer von 93,5 Prozent der nach ausländischem Recht ausgegebenen Anleihen hätten das jüngste Umschuldungsangebot der Regierung angenommen, sagte Wirtschaftsminister Martín Guzmán am Montag. Nun werden rund 99 Prozent der alten Titel in neue Papiere umgewandelt. Am kommenden Freitag sollen die neuen Anleihen ausgegeben werden. Zu den Gläubigern gehören vor allem große Investmentfonds wie Blackrock, Ashmore und Fidelity.

          Die Schulden der zweitgrößten Volkswirtschaft in Südamerika galten zu den aktuellen Bedingungen als nicht mehr tragfähig. Deshalb hatte Argentinien von seinen privaten Gläubigern gefordert, auf einen Teil ihrer Forderungen von rund 66 Milliarden Dollar (rund 55 Milliarden Euro) zu verzichten. Ende Mai hatte Argentinien Zinsforderungen in Höhe von 503 Millionen Dollar nicht beglichen. Dies war als teilweiser Zahlungsausfall gewertet worden. Das stellt den neunten Staatsbankrott in der Geschichte des Landes dar, davon sieben seit 1951. Der aktuelle Schuldenschnitt soll nach jüngsten Berichten etwas mehr als 45 Prozent betragen. Zudem soll es wohl ein Zahlungsmoratorium von einem Jahr geben.

          Argentinien steckt in einer schweren Wirtschaftskrise und hat einen Schuldenberg von 323 Milliarden Dollar angehäuft, den der IWF als untragbar wertet. Die Corona-Krise dürfte Argentiniens Wirtschaftsleistung in diesem Jahr voraussichtlich um mehr als 12 Prozent schrumpfen lassen. Nach rund 160 Tagen Quarantäne hat das Land gerade erst die Ausgangsbeschränkungen um weitere zwei Wochen verlängert. Bislang haben sich fast 400.000 Menschen in Argentinien mit dem Coronavirus infiziert, über 8000 Patienten sind im Zusammenhang mit der Krankheit Covid-19 gestorben.

          Weitere Themen

          Zinsansprüchen in Sparverträgen droht Verjährung

          Geldanlage : Zinsansprüchen in Sparverträgen droht Verjährung

          Ostdeutsche Bankkunden sollten ihre Altverträge prüfen und noch dieses Jahr klagen oder ein Schlichtungsverfahren einleiten, raten Verbraucherschützer. Im Durchschnitt geht es um Ansprüche in vierstelliger Höhe.

          Topmeldungen

          Eine Solarthermie-Anlage auf dem Dach wird mit einer Flüssiggasheizung kombiniert.

          Nachhaltig Wohnen : Unruhe unter Dämmern

          Die Dämmstoffindustrie ist alarmiert. Bauminister rücken von der einseitigen Ausrichtung an der Gebäudedämmung ab. Die Koalitionäre in Berlin sprechen von technologieoffenen Maßnahmen. Ein Paradigmenwechsel steht an.
                        Bald in der Luftwaffe? Eine amerikanische F-18 beim Katapultstart vom Flugzeugträger USS Carl Vinson

          Nukleare Teilhabe : Poker um den Atom-Bomber

          Nach der Einigung im Koalitionsvertrag muss entschieden werden: Sollen amerikanische Bomber oder deutsche Eurofighter in Zukunft die nukleare Teilhabe sichern?
          Demonstranten knien in Frankfurt vor einer Polizeikette

          Impfgegner und Anthroposophie : Höhere Einsichten dank Rudolf Steiner?

          Nach eigener Einschätzung verfügen sie über Spezialwissen, das allen anderen abgeht. Die Milieus der Anthroposophen und der „Querdenker“ haben viele Berührungspunkte. In der Pandemie macht das vieles schwerer.